#noburschis: Medien – Lügen – Gewalt – bürgerliche Verlogenheit

 

Die gestrige antifaschistische #noburschis Demonstration war friedlich – zumindest von Seiten der Demonstrierenden.

„Allerdings kam es nach der Demo zu Übergriffen. Mehrere Personen wurden in der U-Bahn von der Polizei bei versuchten Identitätsfeststellungen attackiert, es gab mehrere Festnahmen, mindestens eine Person musste ins Krankenhaus. Bereits nach der Anti-‚Identitären‘-Demo hatte es gezielte Polizeiübergriffe auf Jugendliche mit Migrationshintergrund in der U-Bahn gegeben, und auch dieses Mal waren Mitglieder einer migrantischen Organisation betroffen.“

(Siehe dazu die Videos von WienTV.org bzw. von Jonathan Meiri)

 

Am Tag danach titelt das „Bilderbuch mit Rechtschreibfehlern“, auch „Österreich“ genannt, wie folgt:

 

Nein, es verwundert nicht, dass diese „Zeitung“ für die Jagd nach großen Auflagen lügt, Tatsachen und Fakten verdreht und damit antifaschistischen Protest diskreditiert. Das machen Mainstream-Zeitungen doch immer. Viel mehr frage ich mich, ob gezielte Sachbeschädigungen als Protestform nicht viel öfters in Betracht gezogen werden sollten. Die Medien schreiben nach einer Demonstration ohnehin das, was sie wollen, sie berichten ja meist auch nicht von den Geschehnissen, sondern postulieren ihre Meinung von ebendiesen. Zudem ist der Begriff „Gewalt“ zu differenzieren: Es muss eine differenzierte Debatte über Gewalt geführt werden. Nämlich nicht nur über sichtbare Gewalt (zB. Fotos, auf denen Wurfgeschoße auf die Polizei fliegen und Feuer im Hintergrund zu sehen ist), sondern auch über alltägliche unsichtbare Formen von Gewalt.

Sie sehen gut aus, unsere Gewaltlosen: weder Opfer noch Henker. Kommt mir bloß nicht damit! Wenn ihr keine Opfer seid, wenn die Regierung, für die ihr gestimmt habt, wenn die Armee, in der eure jungen Brüder gedient haben, ohne Hemmung oder Gewissensbisse einen “Völkermord” unternommen haben, dann seid ihr unzweifelhaft Henker. Und wenn ihr euch dafür entscheidet, Opfer zu sein, ein oder zwei Tage Gefängnis zu riskieren, so habt ihr nur beschlossen, eure Hände aus dem Spiel zu ziehen. Aber ihr könnt sie nicht herausziehen, sie müssen bis zum Schluß drinbleiben.
Seht doch endlich folgendes ein: wenn die Gewalt heute abend begonnen hätte, wenn es auf der Erde niemals Ausbeutung oder Unterdrückung gegeben hätte, dann könnte die demonstrative Gewaltlosigkeit vielleicht den Streit besänftigen. Aber wenn das ganze System bis zu euren gewaltlosen Gedanken von einer tausendjährigen Unterdrückung bedingt ist, dann dient eure Passivität nur dazu, euch auf die Seite der Unterdrücker zu treiben. 

Jean-Paul Sartre – Die Verdammten dieser Erde

 

Wenn in bürgerlichen Medien im Kontext von Demonstrationen „Gewalt“ thematisiert wird, sind (fast) ausschließlich Demonstrant_innen damit gemeint: von ihnen würden Krawalle und Gewalt ausgehen und sie schrecken nicht einmal davor zurück, Eier und Klopapierrollen zu werfen (sic!) (lol). Polizeigewalt wird hingegen selten bis gar nicht thematisiert, vielmehr wird die „Deeskalationsstrategie der Polizei“ gelobt (sic!) und kolportiert, es gäbe zwei verletzte Beamte. Das kann die Polizei einfach so behaupten, ohne sich dafür zu rechtfertigen, oder das gar belegen zu müssen – sie besitzen schließlich die Definitionsmacht darüber.

Die Gewalt geht vom Staat und von der selbsternannten „Menschenrechtsorganisation“ (sic!) aus:

Gewalt ist im täglichen Leben allgegenwärtig, aber oftmals unsichtbar: Etwa die Diskriminierung von gesellschaftlichen Gruppen; es gibt unterschiedliche Ausprägungen der Erniedrigung und Verachtung von Menschen, permanent. Es geht um strukturelle Gewalt, um male + white privileges, Homo-, Transphobie, um das gewalttätige System der kapitalistischen Wirtschaftsweise usw.

Wenn ein Mistkübel / Ei / Klopapierrolle fliegt (egal ob diese Polizist_innen treffen, oder nicht, es geht ja schließlich um die Inszenierung des kolportierten Bildes), sind die Bürgerlichen (Medien) empört. Aber das ist ihrer Verlogenheit und ihrem „happy peppy alles ist gut- Weltbild“ immanent. Wenn keine Gegenstände in Richtung der „Sicherheitskräfte“ fliegen, konstruieren sie sich eben Krawall, auch wenn dieser niemals stattgefunden hat.

 

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