[2. Teil]: Körper und Geschlecht sind niemals unabhängig von Geschichte, Kultur, Wertvorstellungen, Sozialisation

<– Themen im 1. Teil: Einleitung; Essentialisierung der Kategorien “Männer” und “Frauen“ als Grundlage männlicher Privilegien; Sozial – historisch: Der weiße, bürgerliche Mann als Norm

INHALT VON TEIL 2

1.2 Doing Gender, Körper, Sozialisation und Heteronormativität

Die „getrennte Kultur“ von „Mann und Frau“ beginnt in der Kindheit und zieht sich durch fast alle gesellschaftlichen Bereiche. Dazu kommt die Behauptung, Unterschiede zwischen Männern* und Frauen* seien genetisch bedingt oder natürlich. Diese Argumentation wird oft dazu verwendet, Männer* und Frauen* in verschiedene Rollen hinein zu drängen (Kindererziehung,  Schönheit, das „starke“ / „schwache“ Geschlecht usw) und v.a. als Ausrede und Legitimation für Hierarchien zu verwendet.

Bei „Doing Gender“ geht es also um die Frage, in welcher Weise Geschlechter sozial konstruiert werden, zudem spielt „die Ebene der Interaktion“ (Villa 2011: 108, H.i.O.) eine zentrale Rolle. Oftmals wird die (De)Konstruktion der Zweigeschlechtlichkeit an der Transsexualität festgemacht (vgl. Knoblauch 2002: 119). Denn Transsexualität erschüttert die Annahme des dichotomen Verhältnisses von Mann* und Frau* sowie dass „die Geschlechtszugehörigkeit am Körper eindeutig ablesbar, angeboren und unveränderbar [sei]“ (Gildemeister 2008: 175).

„Doing Gender“ fragt auch danach, „was [wir tun], um das Geschlecht zu sein“ (Villa 2011: 89), die „Frage ist nicht, wie wirklich ist die Zweigeschlechtlichkeit […], sondern, wie sie eine Wirklichkeit ist“ (Hirschauer 1993: 241) bzw. erst eine Wirklichkeit wird. Anzumerken ist, dass Körper nicht „einfach existieren“, sondern immer in einem bestimmten Kontext betrachtet werden, in welchem eine Bewertung / Beurteilung stattfindet. Menschen können „nicht nicht kommunizieren“ (Marc/Picard 1991: 55; Watzlawick/Beavin/Jackson 1972 zit.n. Gugutzer 2004: 93), denn der Körper sendet allein durch „status-bestimmende Merkmale“ (Alter, Geschlecht, Klasse, ethnische Zugehörigkeit) immer Symbole und Zeichen aus und wird permanent von Menschen kategorisiert.

Diese Statuskategorien hängen maßgeblich mit der Reproduktion von Normen zusammen, weil auf ihrer Grundlage permanent Einteilungen, Zuschreibungen, Verallgemeinerungen von Menschen über andere Menschen getroffen werden. „Da ,ist‘ irgendein vorsozialer Körper, aber sobald wir ihn musternd erblicken oder gar anfangen zu beschreiben, was wir in ihm sehen, hat er aufgehört ein unkonstruierter,  natürlicher Körper zu sein“ (Hirschauer 1989: 112). Zu- und Beschreibungen von Körpern beginnen aber bereits vor der Geburt eines Menschen, was etwa durch die Frage „wird es ein Bub oder ein Mädchen?“ deutlich wird. (Hier sind Debatten rund um pränatale Diagnostik interessant. Etwa die Frage, ab welchem Zeitpunkt von „Leben“ gesprochen wird und wie dieses gleich kategorisiert wird (vgl. Orland 2003)). Somit ist festzuhalten, dass der Körper „als integrale[r] Bestandteil sozialen Handelns“ (Gugutzer 2004: 92) enorme Bedeutung hat, worin auch Macht- und Herrschaftsprozesse verankert bzw. sichtbar sind. Darauf geht auch Anne Fausto-Sterling ein, indem sie betont, dass soziale Interaktion als auch Sozialisation nicht nur die Wahrnehmung prägen, sondern sich direkt in den Körper einschreiben (vgl. Voß 2010: 66). „Beispielsweise Trainings, Bewegungsspielräume, Ernährung wirkten sich direkt auf die Konstitution aus und beeinflussten die Größe, die Ausbildung von Muskel- und Fettgewebe, die Beweglichkeit, aber auch die physiologischen Prozesse, die einen Menschen, einen Organismus kennzeichnen bzw. zu denen er in der Lage ist“ (ebd.).

Geschlechterbezogene Erziehung
Privilegien von Buben* / Männern*, bzw. Diskriminierungen von Mädchen* / Frauen* schreiben sich also bereits in der frühen Sozialisierung eines Menschen fest. Bei Mädchen* wird besonderen Wert auf den Körper gelegt, bei Buben* wird eher darauf geschaut, dass „sie sich austoben“ können: Buben* und Mädchen* werden geprägt, indem erstere entweder angehalten werden körperbetonte, aggressive Ballsportarten zu spielen, indem ihnen gelehrt wird, Schmerzen möglichst nicht zu zeigen, bzw. zweitere dazu erzogen, auf ihren Körper / ihre Körperhaltung / Gesichtsausdruck zu achten. Während Mädchen* / Frauen* Emotionalität zugeschrieben wird, werden Buben* / Männer* dazu erzogen, physische und psychische Schmerzen zu leugnen und zu negieren.

Weitere gesellschaftliche Erwartungen an Kinder: Jungen* sollen  stark, kräftig, durchsetzungsfähig sein und dürfen Aggressivität und Grobheit an den Tag legen. Mädchen* hingegen sollen nachgiebig sein, auf die Bedürfnisse anderer achten und Rücksicht nehmen. Außerdem sollen sie nicht aggressiv sein, sondern schön und niedlich und sich ihrer „Rolle im Haushalt“ (vgl. Universität Duisburg-Essen 2008)  bewusst werden. Diese sind als kulturell und gesellschaftlich gelernte Verhaltenscodes zu bezeichnen. Denn Geschlecht wird „im praktischen Einsatz spezifischer Gesten, Gesichter, Gangarten und Kleidungsstücke [konstituiert]“ (Hirschauer 2004: 77). Das zeigt sich beispielsweise an „geschlechtsspezifischen Spielzeug“: Für Mädchen* gibt es Puppen, Küche, Backofen, für Buben* Baukästen, Autos. „Dabei wird überprüft, inwiefern geschlechtskonforme Verhaltensweisen durch Eltern und andere Erwachsene geprägt werden. So zeigte sich in einer Reihe von Studien, dass Mädchen und Jungen von ihren Eltern unterschiedliches Spielzeug angeboten wird und dass mit Jungen ausgelassener und wilder gespielt wird. […] Während Eltern (insbesondere Mütter) mit ihren Töchtern häufiger und ausführlicher über Gefühle sprechen, werden Gefühlsäußerungen von Jungen insbesondere von den Vätern eher unterdrückt“.

Darüber hinaus ist das Geschlecht ebenso in die Kleidung eingeschrieben, wenn daran gedacht wird, dass ein Mädchen* / eine Frau* in einem Kleid beispielsweise gar nicht die Möglichkeit hat, „lässig dazustehen“, bzw. mit ihren Stöckelschuhen wegzulaufen. Röcke, welche die Bewegungsfreiheit einschränken, Nagellack, um immer auf die Verwendung der Hände zu achten usw. (Früher trugen Frauen* sogar Korsette!). Indem von Frauen* (im Gegensatz zu Männern) erwartet wird, vorsichtig mit ihren Körpern umzugehen und auf diese zu achten sind Einschränkungen in die gesellschaftliche Erwartungshaltung des Frau-Seins bereits eingeschrieben. (An dieser Stelle soll die gesellschaftliche Funktion dieser geschlechtsspezifischen Kleidung / Symbolik betrachtet werden, anstatt Menschen vorzuschreiben, was sie (nicht) anziehen (sollen)). Damit wird unterstrichen, dass geschlechtsspezifische Bewegungs- und Verhaltensweisen sozial konstruiert sind, womit schließlich der Annahme der „Naturhaftigkeit“ von Männern und Frauen* jede Argumentationsbasis entzogen wird.

Heteronormativität
Sämtliche Privilegien / Hierarchien / Herrschaftsverhältnisse in der konstruierten Bipolarität von Mann* und Frau* bauen auf dieser Essentialisierung bzw. Naturalisierung auf und sind maßgeblich für Rollenbilder, Kategorien, Wertvorstellungen von Männern*, Frauen*, Heterosexualität. Damit ist der Begriff der „Heteronormativität“ eng verknüpft. Nicht nur Mann* und Frau*, auch „Heterosexualität“ ist Produkt gesellschaftlicher Diskurse und von Geschichte. „Es ist nicht die Natur, die uns in eine heterosexuelle Welt hineinstellt. Dass wir das soziale Leben ‚heterosexualisiert‘ erfahren, ist viel mehr eine Folge von historisch gewachsener Praxis und institutionalisierten Bahnen des Redens, Denkens und Wahrnehmens“ (Ziegler 2008: 13). So wird Heterosexualität allgemein als Grundform jeder sozialen Beziehung gesehen, sie ist nicht nur im Staat und gesellschaftlichen Institutionen wie Schule, Ehe, Militär eingeschrieben, sondern auch in jenen Rahmen zu finden, die nicht auf den ersten Blick etwas mit sexuellem Begehren zu tun haben (vgl. Woltersdorff 2003). Die Bedeutung von Heterosexualität in der Gesellschaft, mit der jeder Mensch als eines von zwei Geschlechtern verstanden und in seinem Begehren auf das „andere“ Geschlecht bezogen gilt, wird als „Heteronormativität“ bezeichnet. Das „Prinzip der Heteronormativität [werde] in die gesellschaftliche Arbeitsteilung, in die Institution Familie, in die herrschenden Geschlechterverhältnisse und Geschlechterbeziehungen und in deren Vorstellungswelt eingeschrieben“ (Ziegler 2008: 13). Die zweite Ebene, auf welcher die Heteronormativität als strukturierendes Prinzip wirkt, ist die Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung (vgl. ebd.). Somit erscheint die Heterosexualität als die einzige „natürliche“ Form der Sexualität und Partnerschaft, Rich prägte daher den Begriff der „Zwangsheterosexualität“ (vgl. Rich 1989: 268, 270, 272ff. nach Villa 2007: 167). Zudem gibt es unzählige weitere Formen der sexuellen Orientierung wie Pansexualität, Homosexualität, Heteroflexibilität, queer, oder die eigene Definition eines jeden Menschen. Hier wird deutlich, dass Normatives – wie Mann*, Frau*, Heterosexualität – etwas Wirkmächtiges ist, von dem nicht nur subtile Zwänge ausgehen, sondern auch Verbote, Autorität, oder das Einschränken von Individuen. Konkrete sexistische Ausformungen dieser Heteronormativität sind beispielsweise, dass Männer* als triebgesteuert, potent, aggressiv, Frauen* als gefühlsbetont konstruiert werden, welche sexualisierter Gewalt „ausgesetzt sind“, was als Normalität innerhalb einer „rape culture“ angesehen werden kann. „In Anlehnung an verschiedene Theorierichtungen  zeigen sich in queeren Ansätzen  die Kategorien Sex/Gender, Hautfarbe, Kultur, Rollen, Ethnizität, Religionen, Gemeinschaften etc. nicht nur als Identitätsmix, sondern führen Konzepten der Trans-, Cross-, Nicht-Identität etc. zur Aufhebung aller eindeutigen und vermeintlich natürlichen Identitäten“ (Perko 2006: 9).

1.3 Geschlechterstereotypen

An dieser Stelle soll mit Kate Bornstein deutlich gemacht werden, wie „die beiden Geschlechter“ (sic!) im sozialen Kontext verankert sind, bzw. woran sie im Alltag oftmals festgemacht werden. Folgende sieben Punkte werden meist auch dazu verwendet, Menschen in Männer* und Frauen* einzukategorisieren, oder ihnen die Attribute männlich / weiblich zuzuordnen. Zum Teil sind darin männliche Privilegien und Diskriminierung von Frauen (in Ansätzen) erkennbar.

Bornstein, Kate (1994). Gender outlaw. On men, women and the rest of us. Routledge. New York.:
„Hinweise auf Geschlecht“ (im Original: „gender cues“) im Alltag:

  • Verhalten (Auftreten, „Benimmregeln“, wie Männer* und Frauen* sich verhalten bzgl. der gesellschaftlich erwarteten Norm)
  • textlich (Orig.: „textual“) (historisch, Namen von Gassen / Gebäuden)
  • Mythisch (archetypisch: „das schwache / starke Geschlecht“)
  • Machtverhältnisse (Durchsetzungsvermögen, Beharrlichkeit, Aggression)
  • Sexuelle Orientierung (jedem Mensch wird unterstellt, dieser sei heterosexuell, bis das Gegenteil bewiesen wird (sic!))
  • Biologisch (das zugewiesene Geschlecht eines Menschen, Chromosomen, Hormone)

Zu den Symbolen, welche spezifisch mit einem der angeblich zwei Geschlechtern verknüpft werden, kommen unzählige Erwartung(en)(shaltungen) an Rollen von Männern* und Frauen*:

Von Männern* wird erwartet (oder manchmal auch gefordert), dass sie stark, intelligent, Familienoberhaupt, Ernährer sein sollen, bzw. wird ihnen dies zugeschrieben. Weitere männliche Eigenschaften, welche von einer bürgerlichen Mainstream-Kultur definiert werden sind: tiefe Stimme, kurze Haare, bestimmend, Zurückhalten von Emotionen, Männern* wird eher Aggressivität zugemutet / das Ausüben von Aggression unterliegt weniger Restriktionen, technikversiert, dominant, Beschützerrolle usw.

Frauen* hingegen werden als schwach, zierlich, zurückhaltend, hohe Stimme, zurückhaltend, als schön konstruiert, oftmals in die Rolle der „Hausfrau“ hinein gedrängt, welche unbezahlte Haus- und Sorgearbeit verrichtet (vgl. 3.1 / 4. Teil), schutzbedürftig, emotional, passiv, für Erziehung zuständig, mütterlich, pflegend, mögen romantische Komödien, unentschlossen, finanziell abhängig, höflich, zickig, hysterisch etc. erwartet.

(Wie zwischen Männern* und Frauen* plakativ unterschieden wird zeigt sich in einer beliebigen Bildersuchmaschine, wenn nach den Begriffen „Mann“ / „Frau“ gesucht wird.)

„What gender cues do you think you respond to the most? How do you identify someone’s gender, especially if you’re uncertain? (*hint: it never hurts to ask politely if someone has a pronoun preference, and it is generally appreciated by the answerer.)“ aus: „Empower yr sexy self. A workbook“.

In einem Interview geht Reawyn Connell auf diese Darstellung und Beurteilung von Geschlecht im Alltag ein: „Manche Männer sind vielleicht aggressiver, manche Frauen emotionaler, daraus aber eine Generalisierung abzuleiten, ist falsch. Vielmehr fällt uns das, was wir erwarten, am stärksten auf. Es ist keine Kunst zu sehen, dass ein kleiner Bub aggressiv ist, denn wir erwarten ja nichts anderes von einem Buben. Falls er davor andere Verhaltensweisen an den Tag gelegt hat, haben wir das womöglich nicht einmal bemerkt. Unter Umständen fördern wir sein Verhalten auch, indem wir ihm bestimmte Aufgaben übertragen. Aus den daraus aufgebauten Erfahrungen baut er ein Repertoire an Verhaltensmustern auf. […] Die alten Muster der Ungleichheit bringen Privilegien für Männer. Sie haben in diesem System Macht und bekommen Unterstützung, weil sie Frauen in die Rolle der Unterstützerinnen gegossen haben. Ich nenne das patriarchale Dividende – ein Vorteil, den viele Männer nicht aufgeben wollen.“ (Zu dem Begriff der „patriarchalen Dividende“ vgl. 2.2 / 3. Teil).

In den geschlechtsspezifischen Rollenerwartungen kommt in gewaltvoller Art und Weise zum Ausdruck, wie begrenzt / einschränkend ein binäres Geschlechtermodell ist. Hier zeigt sich, dass alles, was nicht in das enge Schemata von Mann* oder Frau* hinein passt diskriminiert, ja nicht einmal Beachtung findet, weil es als  medizinisch „krank“  im Sinne einer Abweichung von der Norm bezeichnet wird. In der wissenschaftlichen Literatur wird dafür oftmals der Begriff der „symbolischen Gewalt“ verwendet: „Mit dem Begriff symbolische Gewalt erfaßt [Connell] die soziale Wirkmächtigkeit der hierarchischen symbolischen Zweigeschlechtlichkeit. Bourdieu zeigt, daß in die kognitiven Strukturen und in die Körper der Individuen die Zweiteilung der sozialen Welt in männlich und weiblich sowie die Vorstellung von der männlichen Überlegenheit bereits eingeschrieben ist“ (Meuser / Scholz 2005: 224). Eine Frage, die sich an dieser Stelle jede_r  selbst stellen (und beantworten) kann:

“Why is that a lot of gender and sexual norms are defined based on one’s gender presentation?” aus: „Empower yr sexy self. A workbook“.

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Der „Doing Gender“ –Ansatz verweist darauf, dass Geschlecht in jeder sozialen Situation interaktiv hergestellt,  bzw. reproduziert wird. Der Körper eines Menschen dient als Medium sozialen Handelns und als „Mittel“ zur Selbstdarstellung. Umgekehrt können Männlichkeiten und Weiblichkeiten gleichzeitig auch verwirrt / verflüssigt werden, indem Menschen durch das Anlegen von Zeichen mit der Wahrnehmung der Menschen brechen, weil diese jeweils geschlechtlich gelesen werden, aber nicht in die vorgegebenen Kategorien von „Mann“ oder „Frau“ hinein passen: Hier können Beispiele queerer Aktionsformen wie „Radical cheerleading“, „cross dressing“, öffentliche „kiss ins“  angeführt werden, weil hier der Körper als Medium für Selbstdarstellung und Performativität fungiert (vgl. Gugutzer 2006: 20).

Weitere Beispiele: wenn ein als Mann* wahrgenommener Mensch eine Oberweite hat, kann eine solche „Sexuierung“ (vgl. Hirschauer 1989: 103 bzw. 2.1) Verwirrung stiften, oder

  • wenn der Rufname eines als Frau u interpretierten Mensch männlich ist
  • wenn eine Frau* mit einer Pinkeltüte im Stehen ihrem Harndrang nachgibt oder
  • wenn ein Mann* mit „atypischen“ Gesten, die nicht von ihm erwartet werden, einen Bruch mit männlicher Identität erzeugt
  • indem sich Frauen* einen Bart aufmalen, die Brüste abbinden, die Haare auf den Beinen nicht rasieren.

Denn „[z]entral für den interaktiven Einsatz des Körpers bei der Konstruktion des Geschlechts sind […] Ressourcen, die sichtbar und hörbar die Geschlechtszugehörigkeit darstellen“ (Villa 2011: 116).

Dazu zählen jene Sexuierungsprozesse, welche notwendig sind, um im Alltag Geschlechterdifferenz herzustellen: „Stimme, Kosmetik, Kleidung, Gesten, Mimik“ (ebd.), welche von Kessler/McKenna auch als „kulturelle Genitalien“ (Kessler/McKenna 1978: 155 zit.n. Hirschauer 1993: 26, vgl. auch 2.1 / 3. Teil) bezeichnet wurden. Indem Menschen sich nicht so repräsentieren, wie es von ihnen erwartet / zugeschrieben wird, können klassische Geschlechterrollen irritiert werden. Anne Fausto-Sterling betont, dass soziale Interaktion, als auch Sozialisation nicht nur die Wahrnehmung prägen, sondern sich direkt in den Körper einschreiben (vgl. Voß 2010: 66). „Beispielsweise Trainings, Bewegungsspielräume, Ernährung wirkten sich direkt auf die Konstitution aus und beeinflussten die Größe, die Ausbildung von Muskel- und Fettgewebe, die Beweglichkeit, aber auch die physiologischen Prozesse, die einen Menschen, einen Organismus kennzeichnen bzw. zu denen er in der Lage ist“ (Voß 2010: 66).

„Die stereotypen gemeinschaftlichen Attribute, die Frauen zugeschrieben werden, sind ebenfalls Merkmale die, wenn sie im täglichen Umgang übernommen werden, eine Person in eine untergeordnete, weniger starke Position bringen. So können die positiven Charakterzüge, die Frauen zugeschrieben werden, den niedrigeren Status noch verstärken.“ 

1.4 Trans- und Intersexualität: „Agnesstudien“ von Garfinkel

Der „Doing Gender“ Ansatz geht also weiter also die „sex-gender Unterscheidung“ (vgl. Gildemeister 2004: 132), weil darin nicht nur die Naturhaftigkeit von „Mann und Frau“ kritisiert wird. Es geht darum, dass gender in der Interaktion, also in sozialen Situationen dargestellt und somit hergestellt wird, indem Individuen miteinander handeln (vgl. Villa 2011: 109; bzgl. der Begriffe „(soziale) Interaktion“ siehe 2.3.1).

Das wurde von Harold Garfinkel in den „Agnes-Studien“ begründet, welche die „Verkörperung von Geschlechtszugehörigkeit“ (Hirschauer 1993: 24) behandeln. In diesen Studien beobachtete er wie Agnes, eine Mann zu Frau Transsexuelle „nach ihrer Operation […] auf allen Ebenen des Verhaltens in das kulturelle Frau-Sein im Kalifornien der sechziger Jahre einübte“ (Kotthoff 2003: 126).

Damit hat Garfinkel deutlich gemacht, dass Menschen, die ihr Geschlecht wechseln, „die selbstverständlichen Methoden der Herstellung des Geschlechtes explizit lernen [müssen]“ (Knoblauch 2002: 122), während dies für andere Individuen aufgrund ihrer Sozialisation als selbstverständlich erscheint.

Zudem ist unmissverständlich geworden, dass Menschen, die als Mann* oder Frau* erzogen werden, eine permanente wie komplexe und aufwendige Reproduktion ihres Geschlechts vollbringen (müssen). Im Alltag wird „gender gesellschaftlich so inszeniert […], dass es als natürliche Unterscheidung hingenommen werden kann, die unhinterfragt gilt“ (Kotthoff 2003: 127, H.i.O.). Dabei ist der „Rekurs auf ‚natürliche Unterschiede‘ […] ein Rekurs auf eine kulturell konstituierte Zeichenrealität“ (Hirschauer 1993: 22, H.i.O.). Das bedeutet, dass Geschlecht immer mit Zeichen (siehe oben „kulturelle Genitalien“) sowie mit Zuschreibungen verknüpft ist. Somit werden weibliche und männliche Symbole als „natürlich“ wahrgenommen, weswegen sie unhinterfragt bleiben (vgl. Hirschauer 1989: 110).

Zuletzt möchte ich noch in aller kürze auf eine neue, naturwissenschaftliche Studie verweisen. In „Nature“ (laut wiki eine der angesehensten Zeitschrift für Naturwissenschaften) erschien der aktuelle Beitrag (April 2015) „Sex redefined„. Die_der Autor_in Claire Ainsworth „weist die noch immer geläufige Sicht zurück, dass männliches Geschlecht eine Fortentwicklung aus dem basalen weiblichem Geschlecht darstelle. (Diese Sicht wird heute teilweise noch in zu simplen Beschreibungen der Testosteron-Wirkung und der Bedeutung von SRY geäußert.) Und sie stellt fest: „Die allgemeine Annahme, jede Zelle eines Individuums hätte dasselbe Set von Genen, ist schlichtweg falsch.“

Literaturverzeichnis und Quellennachweis schriftlicher Quellen finden sich hier

–> Themen im 3. Teil:
2. Privilegien, hegemoniale Männlichkeit und Konstruktion von Männlichkeiten
2.1 Männliche und weiße Privilegien
2.2 Hegemoniale Männlichkeit und patriarchale Dividende
2.3 Konstituierung von Männlichkeiten über den Wettbewerb und Männerbünde

[1. Teil]: Gesellschaftliche Prozesse sind immer auch vergeschlechtlichte Prozesse. Ein queerfeministischer Ansatz zur Reflexion männlicher Privilegien

INHALT VON TEIL 1

Einleitung

Kennst du Ronja?
Ronja ist wie du.

Gewalt, Privileg, Diskriminierung ist ein Teil einer jeden Gesellschaft, sie sind alltäglich und werden permanent ausgeübt; Manche Personen streiten ab (allen voran Maskulisten, Antifeministen, aber auch andere), dass Männer* in unserer Gesellschaft Privilegien genießen und diese überall vorhanden sind: nicht nur strukturell in staatlichen Institutionen vorhanden, in traditionellen Vorstellungen von „Familie“, sie können von reiner Symbolik bis zu ganz offensichtlicher Gewalt reichen.

„ABER Frauen haben auch Privilegien bzw. Männer leiden auch unter Gewalt” bekommt man oft zu hören, wenn man männliche Privilegien anspricht. Dieser Satz stimmt zum Teil (und dann wieder nicht) und ist zudem sehr verkürzt und vor allem aus dem Zusammenhang gerissen, weshalb ich das in den folgenden 9. Teilen etwas detaillierter ausführen möchte. (Grundsätzlich meine ich, dass es ignorant und einfältig ist, wenn als Reaktion auf das gesellschaftliche Problem x mit “ja, aber auf x geh ich jetzt nicht ein, ich finde y wird noch viel mehr diskriminiert“ reagiert wird. Diese Strategie wird auch als derailing bezeichnet).

Ich schreibe diese Serie, weil ich mich als als Ally / Profeminist sehe, der sich mit seinen männlichen Privilegien auseinandersetzt und diese reflektiert. Im Folgenden werde ich auf Themen eingehen, welche von Feministinnen in diversen Artikeln / Blogposts bereits behandelt wurden (und hier zum Teil zitiert werden); ich möchte nicht mansplainen (falls dennoch der Eindruck entsteht: ich bin offen für Kritik). Vor allem möchte ich mich in einem queer-feministischen Rahmen in einem anti-sexistischen Kontext mit meiner eigenen Position als Mann* sowie mit Männlichkeit beschäftigten und Männer* auffordern, dies auch zu tun. Außerdem wird darauf eingegangen, dass „Mann und Frau“ keine natürlichen Kategorien sind, sondern sozial / kulturell aus einem langen gesellschaftlichen Diskurs entstehen.

INHALT

Bevor ich mich mit praktischen Beispielen männlicher Privilegien und Diskriminierungen von Frauen* beschäftige (hier und hier und hier), möchte ich im theoretischen Teil (1. und 2. Veröffentlichung) auf Geschlechterverhältnisse und deren gesellschaftliche Aufladung / Bewertung / Beurteilung eingehen. Diese stellen das Fundament dieser Privilegien dar, denn die „beiden“ (sic!) Geschlechter stehen gesellschaftlich in einem hierarchischen Verhältnis zueinander. Dabei handelt es sich auch um strukturelle Privilegien, welche meist mit einer biologistischen Argumentation der Unterschiede zwischen Männern* und Frauen* mit natürlichen Wesensmerkmalen konstruiert werden. Weiters werde ich im Theorieteil auf Privilegien, hegemoniale Männlichkeit und Konstruktion von Männlichkeiten eingehen sowie auf Intersektionalität, männliche und weiße Privilegien, als auch auf die Begriffe „hegemoniale Männlichkeit“ und „patriarchale Dividende“. Abgerundet wird der Theorieteil mit der Ausführung, wie sich Männlichkeiten über Wettbewerb und Männerbünde konstituieren.

Zu betonen ist hier folgendes: Es ist nicht so, dass alle Männer* per se immer und unter allen Umständen gegenüber Frauen* privilegiert wären. Vor allem heißt das nicht, dass alle Männer* kollektiv „schuldig“ wären und schon gar nicht zeichne ich das Bild vom Mann* als Täter per se und der Frau* als Opfer per se. Eine reiche Frau* aus der Oberschicht genießt etwa mehr Lebensqualität als ein Mann* aus der Unterschicht und hat aufgrund eines höheren Vermögens auch mehr Handlungsspielräume in der Gesellschaft. Dafür ist es wichtig, Analysen über Gesellschaft immer intersektional durchzuführen, was dieser Begriff genau bedeutet, habe ich unter 2.1 erklärt.

Daher haben nicht alle Männer in gleicher Weise Privilegien, genauso sind nicht alle Frauen in gleicher Weise diskriminiert. (Damit diese Analyse nicht oberflächlich und einseitig vollzogen wird ist nämlich mitzudenken, dass es nicht „die Männer / die Frauen“ gibt, da beide Gruppen jeweils sehr heterogen beschaffen sind). Vielmehr handelt es sich um die „Privilegierung einer bestimmten Form von weißer Männlichkeit und nicht notwendigerweise von weißen Männern. Diese symbolische/ kulturelle/ diskursive Hierarchisierung aber schlägt sich als naturalisierte körperliche/ materielle/ ökonomische/ strukturelle Machtbeziehungen nieder“ (Peterson 2003: 14 nach Habermann 2008: 19).

Weiters wäre es ein Fehler, sich lediglich mit der Kategorie Geschlecht zu beschäftigen, da viele weitere Formen alltäglicher, gesellschaftlicher Diskriminierung vorherrschend sind.

Den Begriff „das Männliche als Norm“ habe ich in einem kürzeren Blogpost behandelt, aber auch

Anmerkung: Ich gehe prinzipiell davon aus, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt – also auch Trans-, Inter-, etc. Personen, jedoch muss in folgender Diskussion von „Männern“ und „Frauen“ gesprochen werden, um Elemente der patriarchalen Unterdrückungsstrategien beleuchten zu können, welche immer nur das naturalisierte Verhältnis innerhalb der einschränkenden Mann – Frau Dichotomie kannte. Denn so lange Menschen in einem gesellschaftlichen Kontext in dieser Zweiteilung wahrgenommen werden, ist die Unterscheidung zwischen Männern* und Frauen* als analytische Kategorien notwendig, um den Status quo zu beschreiben / zu analysieren. Herrschende Verhältnisse werden etwa mit dem „Postgender-Konzept“ verschleiert und ad absurdum geführt. In anderen Worten:

„Ich meine die Unterscheidung zwischen Geschlecht als sozialer Konstruktionauf der einen und Geschlecht als Bezugspunkt gesellschaftlicher Strukturierung auf der anderen Seite“ (Becker-Schmidt 2013: 19)

In diesem Blogpost geht es darum, dass der weiße, bürgerliche Mann in dieser Gesellschaft (etwa in Staaten des globalen Nordens, aber auch darüber hinaus) als Norm gilt (siehe Auflistung oben) und Privilegien genießt, welche reflektiert werden sollen (vgl. 3. Kapitel / ab 4. Teil). Damit werden gleichzeitig u.a. People of Color, Frauen*, untere Klassen diskriminiert, indem sie als „die anderen“ markiert werden, was damit zusammen hängt, dass sie kein Teil der Norm sind. Auch im Jahr 2015 sind Menschen noch immer nicht etwa in der Hinsicht gleichberechtigt, dass Frauen* und Männer* für die gleiche Lohnarbeit die gleiche Bezahlung bekommen (vgl. 3.2 / 5. Teil), gleichzeitig kann die geschlechtliche Arbeitsteilung und die Art und Weise, wie Haus- und Sorgearbeit gesellschaftlich (minder) bewertet wird, als sexistisch und männliche Bevorteilung bezeichnet werden.

Zudem ist jede dritte Frau* in der EU Opfer von Männergewalt, wie die EU-Grundrechtsagentur in einer weltweit bislang umfangreichsten statistischen Erhebung diesbezüglich erkannte (vgl. European Union Agency for Fundamental Rights 2014; vgl. 3.1). Daneben sind Frauen* in Spitzenpositionen, in Wissenschaft, Politik, aber auch im öffentlichen Raum / im Stadtbild (etwa Gassennamen, Statuen, Denkmäler…) unterrepräsentiert, darüber hinaus werden Frauen oftmals auf ihren Körper reduziert, was sich nicht nur in sexistischer Werbung äußert (vgl. 3.3.2 / 6. Teil), oder sie werden von diversen Veranstaltungen / aus verschiedenen Bereichen komplett ausgeschlossen (vgl. 3.3.3 / 6. Teil). Ferner ist es häufig der Fall, dass Männer* durch ihre (u.a. durch Sozialisation) zugeschriebene und daher auch erlaubte Dominanz nicht nur in Gesprächen / Diskussionen leichter das Wort ergreifen und in verschiedenen alltäglichen Situationen selbstbewusster auftreten können (vgl. 3.3.1 / 6. Teil). Die Kategorie „Geschlecht“, die Aufteilung und somit Kategorisierung aller Menschen in „Männer“ und „Frauen“ ist wirkmächtig und hat im Alltag unzählige Konsequenzen auf Menschen (s.u. 1. Kapitel). In den letzten 100 Jahren hat sich bezüglich der Gleichberechtigung der Geschlechter sehr viel getan, allerdings sind Männer*, Frauen*, Trans*, Inter* und alle anderen Geschlechter noch keineswegs gleichberechtigt. Um dort hinzukommen ist viel emanzipatorisches Streiten / Kämpfen erforderlich. Aber erstmal der Reihe nach…

Allgemeine Anmerkungen für diesen Artikel:

  • In der deutschen Sprache wird bzgl. der Anrede und Beschreibung von bzw. dem Sprechen über Personen alles negiert, was außerhalb von „sie“ oder „er“ / „der oder „die“ liegt. Die Art des Sprechens spiegelt jedoch die Tatsache der vollkommenen Ignoranz: Es gibt offiziell nur Frauen* und Männer*, Toiletten existieren ausschließlich für jene Geschlechter. Somit schafft Sprache ebenso eine Norm, bzw. ist sie ein Abbild von Macht- und Herrschaftsprozessen (vgl. 3.3.1): „Dagegen möchte ich einen anderen Ort von Geschlechtlichkeit setzen, einen Ort, den es zu erforschen gilt und um den wir kämpfen sollten, er sieht so aus: _.“ Der * hinter den Worten Mann* / Frau* soll hingegen verdeutlichen, dass es mehr als nur zwei Geschlechter gibt.

  • Da der Artikel aufgrund des umfangreichen Themas etwas lang geraten ist, wurde er in 9 Teilen veröffentlicht.

  • Bei jedem „vgl. xy“ (sofern es sich um einen Verweis auf einen Punkt innerhalb des Artikels handelt) ist nach dem Schrägstrich auch auf den Teil des Artikels verwiesen, in welchem dieses Thema zu finden ist.

  • Das Literaturverzeichnis für schriftliche Quellen findet sich hier, bzw. ist auch immer am Ende von jedem Teil verlinkt. Onlinequellen wurden (mit sieben Ausnahmen) immer direkt im Text verlinkt.

1. Naturalisierung der Kategorien “Männer” und “Frauen“ als Grundlage männlicher Privilegien

Geschlecht und Sexualität sind nicht „von Natur“ aus determiniert, vielmehr ist es unmöglich, sie unabhängig von einem gesellschaftlichen Umfeld zu denken. „Einen Organismus losgelöst von ihn umgebenden Faktoren zu betrachten, einen Menschen ohne die ihn umgebenden Einflüsse anderer Menschen zu sehen ist praktisch unmöglich“ (Voß 2011: 52-53). Körper werden in jeder Kultur, in jeder Gesellschaft politisch und kulturell mit Bedeutungen aufgeladen und sind daher niemals unabhängig von Geschichte, Kultur, Epoche und Gesellschaft zu denken. „Nichts den Menschen Umgebendes ist außergesellschaftlich, nichts für den Menschen Wahrnehmbares ist außerhalb gesellschaftlicher Verhältnisse und außerhalb gesellschaftlicher Prägung denkbar“ (Voß 2011: 50).  (Dies wird im 2. Teil mit dem „doing gender Ansatz“ verdeutlicht).

„Unser symbolisches Leben ist nachhaltig vom Unterschied zwischen Frauen und Männern gezeichnet. Namen, Anredeformen, Sprechstile, Stimmen, Haartracht, Körperpflege, Körperpräsentationen etc. symbolisieren ihre Geschlechtsidentitäten“ (Kotthoff 2003: 128). Darin sind bereits männliche Privilegien erkennbar, worin sich auch die Hierarchisierung des weißen, heterosexuellen, bürgerlichen Mannes als Norm zeigt. Hingegen werden Frauen*, Proletarier_innen, homosexuelle Menschen, Schwarze etc. als „anders“ markiert. Eine kurze, historische Betrachtung, wie diese Zweiteilung ab dem 18. Jahrhundert explizit betont wurde, erfolgt im nächsten Abschnitt unter 1.1.

„Die Vorstellungen von dem, was  Frauen und Männer sind, spiegeln nicht Natur. Sie rühren von kulturellen Gewohnheiten her, die in soziale Machtbeziehungen eingebettet sind: Ideen über die ‚Natur der Geschlechter‘ entstehen aus Machtbeziehungen, in denen Diskurse mit Institutionen, Gesetzen, Programmen [eingelagert sind]“ (Bublitz 2002: 67). Ein Ansatz queerer und feministischer Positionen ist, dass gender in jeder Interaktion hergestellt wird, was mit dem „Doing Gender“ Konzept erklärt werden kann. Dieser Ansatz geht weiter als die sex/gender Unterscheidung (vgl. Gildemeister 2008: 167), weil darin nicht nur die Naturhaftigkeit von Mann und Frau kritisiert wird. Es geht darum, dass gender in der Interaktion, also in sozialen Situationen dargestellt und somit hergestellt wird, indem Individuen miteinander handeln (vgl. Villa 2011: 109). Bevor darauf unter 1.3 / 2. Teil näher eingegangen wird, erfolgt zunächst eine historische Betrachtung davon, wie mit dem Aufkommen von Industrialisierung / Bürokratisierung angebliche Unterschiede zwischen vermeintlich zwei Geschlechtern betont wurde.

1.1 Sozial – historisch: Der weiße, bürgerliche Mann als Norm

Geschlecht und Körper können nicht unabhängig von Geschichte, Sozialisation, Erziehung, Kultur, gesellschaftlicher Struktur betrachtet werden. Die Einteilung in Männer* und Frauen* (vgl. insbes. 1.2; 1.3 / 2. Teil) gab es zwar auch schon vor dem 18. Jahrhundert, allerdings wurde eine angebliche Wesensverschiedenheit von Männern* und Frauen* erst mit dem aufstrebenden Bürgertum betont und institutionalisiert. „‘Geschlechtscharakter‘, dieser heute in Vergessenheit geratene Begriff bildete sich im 18. Jahrhundert heraus und wurde im 19. Jahrhundert allgemein dazu verwandt, die mit den physiologischen korrespondierend gedachten psychologischen Geschlechtsmerkmale zu bezeichnen. Ihrem Anspruch nach sollten Aussagen über die ‚Geschlechtscharaktere‘ die Natur bzw. das Wesen von Mann und Frau erfassen“ (Hausen 2012: 19).

Die Wörterbuchdefinitionen der Stichwörter „Geschlechtseigentümlichkeiten“ / „Geschlechtscharaktere“ aus „Meyers‘ Großem Konversationslexikon“ von 1904, dem „Brockhaus“ (1895) und anderer Lexika (Zedler 1735; Krünitz 1778) (vgl. Hausen 2012: 22ff.). sollen an dieser Stelle nicht im Detail wiedergegeben werden, lassen sich aber damit zusammen fassen, dass Männern* Aktivität und Rationalität, Frauen* hingegen Passivität und Emotionalität zugeschrieben wurde (vgl. ebd.), bzw. auch im Jahr 2014 zum Teil immer noch wird. „Die variationsreichen Aussagen über ‚Geschlechtscharaktere‘ erweisen sich als ein Gemisch aus Biologie, Bestimmung und Wesen und zielen darauf ab, die ‚naturgegebenen‘, wenngleich in ihrer Art durch Bildung zu vervollkommnenden Gattungsmerkmalen von Mann und Frau festzulegen“ (Hausen 2012: 23). („Der Glaube an die Charakter-Dichotomie ist noch immer stark“ (Connell 2013: 90)); diese Geschlechterstereotypen haben sich bis heute erhalten und werden in vielen Situationen des alltäglichen Lebens reproduziert, vgl. 1.3). „Demgegenüber sind die älteren vor allem in der Hausväterliteratur und den Predigten überlieferten Aussagen über den Mann und die Frau Aussagen über den Stand, also über soziale Positionen und die diesen Positionen entsprechenden Tugenden“ (Hoffmann 1959 nach Hausen 2012: 25), anstatt Männer* und Frauen* in unterschiedliche Wesensmerkmale einzuteilen.

So ordnete auch Chr. Wolff den Geschlechtern Anfang des 18. Jahrhunderts „der ehelichen, väterlichen und herrschaftlichen Gesellschaft zu und bestimmt danach die erforderlichen Tugenden der Herrschaft bzw. des Gehorsams und der Tüchtigkeit des Wirtschaftens bzw. Arbeitens“ (Wolff 1725 nach Hausen 2012: 26). Dies zeigt sich ebenso in „Zedlers Universal-Lexikon“ von 1735: „Frau oder Weib ist eine verehelichte Person, so ihres Mannes Willen und Befehl unterworfen, die Haushaltung führet, und in selbiger ihrem Gesinde vorgesetzt ist“ (Zedler 1735 nach Hausen 2008: 26). Diese Zitate belegen zwar ein hierarchisiertes Verhältnis zwischen den Geschlechtern und eine Unterordnung von Frauen* unter Männer*, allerdings ist es ein Unterschied, Geschlechter anhand von gesellschaftlichen Aufgaben oder nach Wesensmerkmalen zu differenzieren. Denn erst mit einer Zuordnung von männlichen und weiblichen Charaktereigenschaften findet eine Trennung von weiblicher (häuslicher) und männlicher (öffentlicher) Arbeit statt, wie weiter unten gezeigt wird. So nennt auch Krünitz (1778) „unter dem Stichwort ‚Frau‘ nicht Charaktereigenschaften, sondern die Rechte, Pflichten und Verrichtungen der Hausfrau und spezifiziert seine Aussagen für die Handwerks- und Kaufmannsfrau“ (Krünitz 1778 nach Hausen 2012: 26).

Gleichzeitig und analog zur Betonung einer angeblichen Wesensverschiedenheit der Geschlechter erfolgte in dieser Zeit eine Trennung in eine häusliche, weibliche und eine öffentliche, männliche Sphäre, welche „um die Wende zum 19. Jahrhundert mit der verallgemeinerten Durchsetzung bürokratischer Prinzipien im Instanzenzug der Behördenorganisation und im Berufsbeamtentum erheblich beschleunigt wurde“ (Hausen 2012: 40). Reinhard Spree beschäftigt sich ebenso mit der veränderten Beziehung zwischen Männern* und Frauen* im 19. Jahrhundert. „Aus Frauen und Männern mit einem partnerschaftlichen Verhältnis bei jeweils eigenen, aber gleichwertigen und auch nicht prinzipiell fixierten Aufgabenbereichen im Haushalt wurde ein Unterordnungsverhältnis von biologisch dichotomisierten Wesen, in dem angeblich die Natur dem Manne eine grundsätzliche Dominanz der Frau zuwies.“

Hingegen arbeiteten nach derzeit weitverbreiteter Auffassung Männer gemeinsam mit Frauen „in der vorindustriellen Haushalts- und Familienform des ‚ganzen Hauses’, die typischerweise bei Bauern, Handwerksmeistern und Kaufleuten anzutreffen war, mit unterschiedlichen Aufgabenbereichen, aber partnerschaftlich zusammen. Im ‚ganzen Haus’ waren Erwerbs- und Privatsphäre unter einem Dach vereinigt und auch symbolisch kaum getrennt, indem die Kernfamilie […] gemeinsam arbeitete, wohnte und aß. Das ‚ganze Haus’ ‚bezeichnete somit eine Rechts-, Arbeits-, Konsum- und Wirtschaftseinheit‘“ (vgl. auch Hausen 2012: 28).

Dennoch bestand ein Unterordnungsverhältnis, welches sich darin zeigt, welche Arbeit Männern* und Frauen* zugemutet wird. Im Brockhaus von 1815 ist zu lesen: „Aus dem Manne stürmt die laute Begierde; in dem Weibe siedelt sich die stille Sehnsucht an. Das Weib ist auf einen kleinen Kreis beschränkt, den es aber klarer überschaut; es hat mehr Geduld und Ausdauer in kleinen Arbeiten. Der Mann muß erwerben, das Weib sucht zu erhalten; der Mann mit Gewalt, das Weib mit Güte oder List. Jener gehört dem geräuschvollen öffentlichen Leben, dieses dem stillen häuslichen Cirkel […]. Der Mann stemmt sich dem Schicksal selbst entgegen, und trotzt schon zu Boden liegend noch der Gewalt; willig beugt das Weib sein Haupt und findet Trost und Hilfe noch in seinen Thränen“ (Brockhaus 1815 nach Hausen 2012: 22). Mit der Zeit wurde die Arbeit von Frauen aus der öffentlichen Anerkennung verdrängt und in der kleinbürgerlichen Familie geradezu isoliert und als ökonomisch wertlos herab gesetzt (vgl. Duden / Bock 1977 in Wichterich 1998). Denn „Mitte des 19. Jahrhunderts war die Familie und der Haushalt ein wesentlicher Ort für die Konstruktion, Verkörperung und Weitergabe der Werte des Bürgertums geworden“ (Habermann 2008: 233).

Der Punkt ist hier, dass diese Unterscheidung von männlicher und weiblicher Arbeit und die damit einhergehende scharfe Trennung davon, was die „beiden“ (sic!) Geschlechter ausmacht nicht schon immer vorhanden, sondern entstand vielmehr mit der zunehmenden Kapitalisierung, Marktabhängigkeit, Industrialisierung, der Herausbildung bürokratischer Systeme. „Die ideologische Neubegründung der Unterordnung der Frau unter den Mann, vor allem im Bürgertum, seit dem frühen 19. Jahrhundert kann als Abwehrkampf der Männer gegenüber den die familialen Machtverhältnisse in Frage stellenden Forderungen der Französischen Revolution und der Aufklärung gesehen werden“ (Gestrich 1999: 102) Somit kann auch die Funktion der Charakterbestimmung von Männern* und Frauen* als „ideologische Absicherung von patriarchaler Herrschaft“ (Hausen 2008: 31) gesehen werden. Dies wurde auch explizit so argumentiert, beispielsweise von Carl Theodor Welcker im Staatslexikon unter dem Stichwort „Geschlechtsverhältnisse“ (vgl. ebd.). „Welcker hält die durch das Menschenrecht begründete Gleichheit im bürgerlichen Recht im Hinblick auf die Frauen für problematisch; ist doch ’so vielfache Ungleichheit zwischen dem Manne und der Frau, so große Verschiedenheit ihrer Lebensaufgaben und ihrer Kräfte, also auch ihrer Rechtsverhältnisse, schon durch die Natur selbst bestimmt‘“ (ebd.). Gleichzeitig argumentiert Welcker gegen eine rechtliche Gleichstellung von Mann* und Frau* (vgl. Welcker 1838 nach Hausen 2012: 34).

Unterdessen muss hier betont werden, dass sich dieses Ideal der Trennung von weiblicher und männlicher Arbeit zuerst im Bürgertum breit machte und sich erst mit der Zeit auch auf andere Klassen übertragen hat (vgl. Hausen 2012: 38). Zwar waren auch Familien im Mittelalter patriarchalisch organisiert, jedoch wurden Frauen erst mit dieser anderen Produktionsweise „in die ökonomische und emotionale Abhängigkeit von Männern gedrängt“ (vgl. (Opitz [Ayim] 1997 [1986]: 25 nach Voß / Wolter 2013: 79). Erst mit „der Trennung in Privatsphäre und außerhäuslicher Produktion kam der […] Bürgersfrau die Rolle der treusorgenden Gattin, Hausfrau und Mutter zu. Diese Entmachtung wurde verklärt und idealisiert, wobei im 18. Jahrhundert die Mehrzahl der deutschen Frauen dem neuen Frauenideal nicht entsprechen konnte, weil sie in Manufakturen und Fabriken Schwerstarbeit leistete“ (Opitz [Ayim] 1997 [1986]: 25 zit. nach Voß / Wolter 2013: 79).

Literaturverzeichnis und Quellennachweis schriftlicher Quellen finden sich hier

–> Themen im 2. Teil:
1.2 Doing Gender, Körper, Sozialisation und Heteronormativität
1.3 Geschlechterstereotypen

[Literaturverzeichnis + Anmerkungen]: Ein queerfeministischer Ansatz zur Reflexion männlicher Privilegien

ANMERKUNGEN

  • In der deutschen Sprache wird bzgl. der Anrede und Beschreibung von bzw. dem Sprechen über Personen alles negiert, was außerhalb von „sie“ oder „er“ / „der oder „die“ liegt. Die Art des Sprechens spiegelt jedoch die Tatsache der vollkommenen Ignoranz: Es gibt offiziell nur Frauen* und Männer*, Toiletten existieren ausschließlich für jene Geschlechter. Somit schafft Sprache ebenso eine Norm, bzw. ist sie ein Abbild von Macht- und Herrschaftsprozessen (vgl. 3.3.1): „Dagegen möchte ich einen anderen Ort von Geschlechtlichkeit setzen, einen Ort, den es zu erforschen gilt und um den wir kämpfen sollten, er sieht so aus: _.“ Der * hinter den Worten Mann* / Frau* soll hingegen verdeutlichen, dass es mehr als nur zwei Geschlechter gibt.

  • Da der Artikel aufgrund des umfangreichen Themas etwas lang geraten ist, wurde er in 9 Teilen veröffentlicht.

  • Bei jedem „vgl. xy“ (sofern es sich um einen Verweis auf einen Punkt innerhalb des Artikels handelt) ist nach dem Schrägstrich auch auf den Teil des Artikels verwiesen, in welchem dieses Thema zu finden ist.

  • Das Literaturverzeichnis für schriftliche Quellen ist immer am Ende von jedem Teil verlinkt. Onlinequellen wurden (mit sieben Ausnahmen) immer direkt im Text verlinkt.


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