[6. Teil]: Weitere Beispiele für männliche Privilegien aus verschiedenen, gesellschaftlichen Bereichen (I)

<– 5. Teil: Thematisierung von „ungleiche Bezahlung“ und „sexualisierte Gewalt“

INHALT VON TEIL 6

3.3 Weitere Beispiele bzgl. männliche Privilegien / Vorteile von Männlichkeiten / sexistische Stereotypen / Marginalisierungen und Diskriminierungen von Frauen* aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen

Männerdominierte Strukturen finden sich fast überall: auf der Straße, in der Disko / im Lokal, in der Schule, bei Gesprächen, in intimen Beziehungen, in der Familie, Politik, Wissenschaft, Unternehmen usw… eigentlich in fast allen Lebensbereichen. Diese können sich auch in Symbolen, oder Metaphern äußern (etwa: „Das ist doch nur ein ‚harmloser‘ Scherz“). Die Folge davon ist der Ausschluss von Frauen* und anderen Menschen, welche nicht in die weiße, männliche Norm hinein passen wie homosexuelle Menschen, Queers, Transpersonen etc.

Dass männliche Privilegien existieren, heißt nicht, dass alle Männer* wie Sklaventreiber ihre Frauen* halten, wie manche Maskulisten „den Feminismus“ (sic!) manchmal gerne darstellen. Weiters bedeutet dies nicht, dass Frauen* nicht auch von der patriarchalen Dividende profitieren können. Das tun manche, wenn etwa die Situation und Lebensrealität einer Frau* aus der Oberschicht, mit jener eines Mannes* aus der Unterschicht verglichen wird. Dieses Faktum habe ich hier näher beleuchtet. (Damit wird deutlich, dass die Gleichstellung „alle Feministinnen betrachten Männer* als Täter, während Frauen immer Opfer wären“ in den meisten feministischen Strömungen nicht existiert.)

 „Achte mal darauf, wer auf den Bus wartet und wer im Auto fährt. Das ist vielleicht der sichtbarste Beleg dafür, in welchem Ausmaß Männer* am Drücker sind.“

 

3.3.1 Männliche Dominanz / das Männliche als Norm (vgl. 1.1 / 1. Teil; 1.3 / 2. Teil)

https://twitter.com/glitzer_staub/status/314294332691734528

„Das Männliche gilt als Norm und gegenüber dem Weiblichen als überlegen. Daraus leitet sich der Anspruch auf männliche Autorität ab, die wiederum die Ausübung männlicher Macht legitimiert“ (Meuser/Scholz 2005: 223).

  • Es ist häufig der Fall, dass Männer* durch ihre (u.a. durch Sozialisation) zugeschriebene und daher auch erlaubte Dominanz nicht nur in Gesprächen / Diskussionen leichter das Wort ergreifen und in verschiedenen alltäglichen Situationen selbstbewusster auftreten können. Diesbezüglich spielen auch klassische geschlechtliche Rollenklischees eine wichtige Rolle (vgl. 1.1; 1.3)

  • Medizin ist oft auf den Mann* ausgerichtet. „Forschende sind immer Subjekte innerhalb eines bestimmten psychosozialen und kulturellen Hintergrunds. Ihr Vorgehen, ihre Vorlieben und Abneigungen sind in einer kulturellen Geschlechterdichotomie entstanden und von ihr geprägt. Ihr ‘wissenschaftlicher Blick‘ wird häufig auf das gelenkt, was ihnen in diesem Gebäude plausibel erscheint, die ‘same-sex-sympathy‘. Und immer noch sind es in den Naturwissenschaften vorwiegend Männer, die forschen und damit einen männlichen Blick, einen ‘male Bias‘ in diese Forschung einbringen“ (Schmitz 2002: 7). Dieser „male Bias“ (männerzentrierte Interpretation von Lebenszusammenhängen und Sozialisationsbedingungen) zeigt sich auch in vielen verschiedenen Alltagssituationen, wie in vorliegendem Artikel deutlich werden wird.

  • Männer* wollen permanent irgendetwas erklären / Tipps geben / andere belehren (“mansplaining”): “How to mansplain“ + „Beispiele“ 

  • „Achten Sie einmal spaßeshalber in Gesprächen mit Männern darauf, wie oft er Ihnen etwas erklärt, das sie wissen, anstatt darauf zu vertrauen, dass Sie gegen fragen, wenn Ihnen etwas unklar ist.“ Frauen* werden weniger wichtig und ernst genommen; Rednerinnen werden häufig mit echten oder rhetorischen Fragen aus dem Konzept gebracht, mit Unterbrechungen diskriminiert und belästigt.

  • Frauen* müssen sich mit ihrer Position (zB. Sexismus, Benachteiligungen, Reduzierung auf Schönsein etc.) auseinander setzen, müssen für ihre Rechte kämpfen, die meisten Männer* müssen das nicht : So gibt es etwa auch in linken Zusammenhängen viele feministische Gruppierungen, aber eher wenige antipatriarchale Gruppen, in welchen sich Männer* mit ihren Privilegien auseinander setzen (hier sei nochmals auf 2.2 verwiesen und dies gilt für die meisten der hier angeführten Beispiele: nicht alle Männer* profitieren per se von der patriarchalen Dividende, gleichzeitig sind nicht alle Frauen* per se negativ von dieser beeinflusst).

  • Ein weiteres Beispiel ist Sprache: so wird im Deutschen etwa das generische Maskulinum als Norm gesetzt. Hier habe ich argumentiert, warum dies problematisch ist und das Binnen I nicht weit genug geht. Empfohlen sei auch dieses Interview mit Luise F. Pusch.

  • Dass sich männliche Dominanz und geschlechtliche Rollenklischees in der Sprache wiederspiegeln, kann in unzähligen Beispielen verdeutlicht werden: Etwa in der Verwendung der Begriffe „Triebtäter“ statt „Triebopfer“, Herrschaft / Beherrschung, See-, Zimmer-, etc. mann, Vaterland, patriotisch, „-mann“ in unzähligen Familiennamen, bemannt, Muttersprache, Schutzpatron, jedermann, Putzfrau, Mannschaft, Jungfrau, Gründerväter, Mannsbild / Weibsstück, Fräulein, brüderlich, Frauenkränzchen (abwertend), Oder auch Redewendungen: alle Menschen werden Brüder; Herr der Lage; Beherrschung verlieren; etwas auf Vordermann bringen. Wenn manche dieser Beispiele umgedreht werden, wird möglicherweise die Dominanz des Männlichen deutlich, da es „ungewohnt“ und „anders“ wirkt: matriotisch, Schutzmatronin, Jungherr, Herrlein, befraut, Frauschaft, befrauschen, Frauschaft.

  • Bei der Formulierung „Um 1840 schrieb ein Mathematiker das erste Computerprogramm.“ denken wir zuerst an einen Mann*. Dass eine Frau* (nämlich Ada Lovelace) das erste Computerprogramm geschrieben hat, wird hier verschwiegen und auch nicht „mitgedacht“. Dies ist ein Beispiel dafür (S.3ff), wie Frauen* in der Sprache negiert und ausgeschlossen werden.

  • „Mädchen“ als auch „schwul“ gelten noch immer als „Schimpfwort“, bzw. als Abwertung von Männlichkeit. „Jungen lehnen stärker das andere Geschlecht ab, schon im Vorschulalter legen sie Wert darauf, sich nicht mit Spielsachen und Aktivitäten zu beschäftigen, die als mädchenhaft gelten“.

  • Redeverhalten – Sexismus – Privileg – Dominanz – Abtreibung: (Ich habe diesen Punkt unter „männliche Dominanz“ gesetzt, weil es sich viele Männer* heraus nehmen, nicht nur über Frauenkörper zu urteilen, sondern auch über diese bestimmen wollen). Es gibt tatsächlich Männer*, welche darüber entscheiden (wollen), wie schwangere Frauen* mit ihren Körpern umgehen sollen: Seien es Ärzte, Väter, Ehemänner, die Kirche, Vertreter_innen menschenverachtender Vereine wie Pro-Life, oder andere: Es muss die Entscheidung einer jeden Frau* sein, was sie mit ihrem Körper macht / unterlässt, ob sie eine Abtreibung vornimmt oder nicht. Es ist ihr Körper und somit ihre Verfügung. Maskulisten meinen, es sei auch die Entscheidung des Mannes, des „Befruchters“: grundsätzlich kann diese Thematik nicht so per se und oberflächlich behandelt werden: es kommt immer darauf an, unter welchen Umständen die jeweilige Frau* schwanger geworden ist: im Rahmen einer glücklichen Partnerschaft, im Rahmen einer kaputten / unglücklichen Partnerschaft, nach einer Vergewaltigung, nach einer missglückten Verhütung, ohne Verhütung etc. Der Einwand mancher Maskulisten, dass auch Männer* mitbestimmen sollen, ob die Frau* das Kind bekommt, oder nicht, trifft nur im Falle einer glücklichen Partnerschaft zu (wo ja auch die Fälle „nach einer missglückten Verhütung, ohne Verhütung“ enthalten sein können). Wenn jedoch zwei Menschen glücklich miteinander und zusammen sind, machen sich diese in den meisten Fällen ja ohnehin schon vor einer Schwangerschaft Gedanken, wie sie mit einer potentiellen Schwangerschaft umgehen.

3.3.2 Geschlechterstereotypen (vgl. 2. Teil) / Sexismus in der Werbung / Schönsein und Sexualität

Vergleiche mit „Auswirkungen von Geschlechterstereotypen / gesellschaftlichen Rollenerwartungen auf Männer. Viele der bei diesem Punkt genannten Beispiele gründen sich darauf, dass Frauen zum „Sexobjekt“ / „Objekt der Begierde“ gemacht werden. Damit ist jener Sexismus verknüpft, dem Frauen* ausgesetzt sind, als Objekte keine andere Zuschreibung zu bekommen, als „schön“ zu sein. (.„Schön“ bedeutet immer: nicht intelligent, nicht ehrgeizig, aber hübsche „Dekoration“). Gleichzeitig werden Frauen* permanent angegafft / begutachtet / bewertet. Eine interessante Studie hat diesbezüglich der Soziologe Erving Goffman bereits in den 1980er Jahren gemacht. Goffman, Erving (1981). Geschlecht und Werbung. Suhrkamp: Frankfurt/Main. Deutsche Erstausgabe.

  • In der Werbung wird der weibliche Körper als Fetischisierung instrumentalisiert, um Geld zu machen. Produkte werden oft mit halbnackten Frauen* beworben, welche auf ihren Körper reduziert werden, ohne erkennbaren Zusammenhang mit dem Produkt. Dabei werden die Wünsche, Bedürfnisse und Gefühle der Frauen ignoriert oder nicht ernstgenommen.

  • Nicht nur in der Werbung, auch in Filmen, Pornos, Magazinen, Fernsehen bzw. beinahe in allen Medien finden sich Bilder von leichtbekleideten Frauen*, welche dadurch objektiviziert und somit herabgewürdigt werden. Männer* müssen etwa keinen Bikini tragen, weil männliche Brüste nicht sexualisiert sind. Siehe diesbzgl. das Gedankenexperiment unter 3.3.4 Unterschiedliche Reaktionen auf dieselbe Tätigkeit von Männern* und Frauen*.

  • Als Mann* ist es nicht erforderlich, im konventionellen Sinn “schön” sein; die Nachteile davon sind relativ klein und leicht zu ignorieren. Die Körper von Männern* werden nicht permanent beurteilt, objektiviert, über Männer* wird nicht abwertend geredet wie zum Beispiel „schau dir mal den an, der ist so häßlich, warum hat er sich den nicht mehr Schminke im Gesicht verwendet?“

  • Unter dem Hashtag #ichkaufdasnicht sind unzählige Beispiele angeführt, welche mit sexistischen, rassistischen, aber jedenfalls stereotypen Klischees „spielen“ und daher boykottiert werden. Ebenso gibt es eine Sammlung diesbzgl. in einem Blog.

  • Als Mann* sagt dir vielleicht dein_e Ärzt_in, dass du ein paar Kilos abnehmen sollst, aber nicht der Taxifahrer. Auch nicht „Fashionmagazine“, welche sich damit beschäftigen, wie du schöner, dünner, sexier werden kannst.

  • Robert Webb über männliche Priviligien: “You won’t open the Sun and compare your own cock to that of a well-endowed model.

  • You won’t get dressed for a party and worry if you look like a slut, or get called a slut, or get raped […] ‘because you look like a slut’.

  • In the rare event that you do get raped, the police won’t seem to mind what you were wearing. Lawyers won’t ask what you were wearing; your mother won’t ask what you were wearing”. 

  • Gedankenexperiment: Ein Paar, ein Mann* und eine Frau* gehen gemeinsam auf einen Ball. An die Frau* werden besondere Anforderungen bzgl. Schönsein gestellt, weswegen sie ein passendes Kleid suchen, sich schminken, die Haare machen, Ohrringe finden, sich die Beine rasieren etc. muss. Der Mann* hingegen schlüpft in seinen Anzug und fertig. Das ist das häufige Klischee, dass Frauen* immer so viel Zeit benötigen, um sich für den Abend im wahrsten Sinne des Wortes „herzurichten“ (um als heterosexuelle Frau* von Männern* als begehrenswert empfunden zu werden). Aber warum ist das so? Es ist eine gesellschaftliche Erwartungshaltung. Männer* tragen Anzüge; welche in der Masse auf einem Ball wie eine Uniform wirkt, es können nicht viele Unterschiede zwischen ihnen erkannt werden. Von Männern* wird in der Hinsicht „Schönsein“ viel weniger erwartet als von Frauen*.

  • Ein anschauliches Beispiel für diesen Umstand liefert Waltraud Posch, sie zitiert ein Interview mit Viktor Klima (österr. Bundeskanzler 1997-2000). „Ich habe für das Geschäft eine Art Montur, blauer Anzug, weißes Hemd und eine rote Krawatte. Es ist einfach, man muss nicht nachdenken in der Früh und zieht immer das gleiche an. Ich habe auch immer das gleiche Paar Schuhe. Schon mehrere, aber immer das gleiche Design. Das sind die Parker, Größe 11, Breite F. Das ist simpel zu kaufen – ich rufe einfach im Geschäft an“ (Posch 2009: 74). Für Männer* ist der Umgang mit Kleidung unbeschwerter, weil sie (von der gesellschaftlichen Erwartungshaltung her) nicht damit glänzen müssen, schön zu sein. Zwar haben auch Frauen* die Möglichkeit, Anzüge zu tragen, allerdings hat das eine andere zugeschriebene Bedeutung. „Das Tragen eines Anzugs gilt als Wahl, als Symbol, als Positionierung und damit als Anlass für die Beurteilung und öffentliche Thematisierung einer Person. Ein Mann im Anzug folgt der Norm. Eine Frau im Anzug gibt ein Statement“ (Posch 2009: 75).

  • Ich als Mann* muss mir keine Gedanken darüber machen, ob ich mir mit bestimmten Klamotten anzügliche Sprüche oder Blicke einfange, oder ungewollt berührt werde (außer es sieht zu „unmännlich“ aus, vgl. 3.5 / 9. Teil). – Mir hat noch nie irgendwer gesagt, dass ich mir an einer bestimmten Stelle am Körper die Haare wachsen lassen (zB. Kopf), oder mich rasieren soll (zB. Beine).

  • Frauen* werden meist eher nach ihrem Aussehen und weniger nach ihren Erfolgen und Fähigkeiten beurteilt.

  • Eines meiner männlichen Privilegien ist, dass ich nicht permanent durch Medien dazu angehalten werde, die Form meines Körpers zu verändern, welche entsprechend eines männlichen Ideal definiert ist. Sei es durch Diät, Bewegung oder Operation – dadurch unterliegen Frauen*körper Reglementierungen und Normierungen. „Liebe Mitmenschen. Es ist nicht eure Aufgabe die Körper anderer Menschen zu beurteilen!“

  • „Nowadays, in a fasion world, especially on the consumer side, where clothing that looks like it has been designed simply for reed-thin adolescent girl bodies is the norm, all females no matter their age are being socialized either consciously or unconsciously to have anxiety about their body, to see flesh as problematic” (Hooks 2000: 35). – ver-dünn-isier dich!

https://twitter.com/RiotMango/status/292995766807576578

  • „Männer* sind also egoistischer, und Frauen* können sich einfühlen“: Hier geht es abermals um gesellschaftliche Erwartungshaltungen und Rollenklischees: Unterschiede zwischen vermeintlich zwei Geschlechtern (sic!) werden betont und überhöht dargestellt, was in diese Kategorisierungen nicht hinein passt wird oftmals ignoriert. Problematisch ist dies insbesondere deswegen, weil damit „natürliche Unterschiede“ zwischen Männern* und Frauen* konstruiert werden und im schlimmsten Fall eine Hierarchisierung des Mannes* über der Frau* rechtfertigt, dass Frauen* für Sorgearbeit zuständig wären (vgl. 3.1 / 4. Teil), Männer* für die öffentliche, repräsentative Sphäre „besser geeignet“ (sic!) wären usw. usf.

  • Ist ein Mann* in einem hohen, staatlichen Amt in dieser Pose vorstellbar?:

https://twitter.com/picturingpe/status/472367611234496512

  • Kritik an Frauen*, die zB. einen tiefen Ausschnitt haben und Mann* dauernd hinein schauen „müsse“; Kritik an Frauen*, die zu dick, oder zu dünn seien, Kritik an Frauen*, die zu viel (zB. eine Burka), oder zu wenig Kleidung angezogen haben. „A dress does not mean yes“: Diese „Kritik“ hat nichts mit Kritik zu tun, sondern ist schlicht und einfach diskriminierend. Alle Menschen sollen genau das anziehen dürfen, was auch immer sie wollen, ohne sich Kommentare bzgl. Kleid, Figur, Frisur etc. anhören zu müssen.

  • Geschlechtertrennung in Kindergarten / Schule (Noch vor 2 Generationen existierten in Österreich jeweils eigene Schulen für Männer* und Frauen): Manche werden es möglicherweise von den eigenen Erfahrungen in Kindergarten / Schule kennen: Bei ersterem etwa gibt es getrennte Spielräume für Buben und Mädchen*, in etwa: Bauklötze vs Küche. Bereits in dieser frühen Phase der Kindheit werden vermeintlich zwei Geschlechter getrennt und ihnen je nach Geschlecht entweder Handarbeit bzw. Technik nahe gelegt. „Eleanor Maccoby beschreibt in einem narrativen Forschungsüberblick die unterschiedlichen Kulturen von Mädchen und Jungen in der Kindheit. Sie vertritt dabei die These, dass eine weitgehende Geschlechtertrennung in der Kindheit die Ursache für Geschlechtsunterschiede im psychischen Erleben und Verhalten Erwachsener ist.“

  • Dass Frauen* oft nur als Objekte gesehen werden kommt in dem Pseudokompliment zum Ausdruck, wenn ein Mann* einem anderen dazu „gratuliert“ (sic!) wie schön seine Freundin ist (sic!).

3.3.3 Marginalisierung / Ausschluss von Frauen*

  • Ausschlussdiagnose Mutter mit Kind
  • Warum lernen wir in der Schule fast nur über große männliche, weiße Dichter / Philosophen / Künstler / Wissenschafter, obwohl doch bei Frauen* angeblich die sprachlichen Gehirnregionen ausgeprägter sind als bei Männern? Und wieso sind dann die Chefredakteure großer Zeitungen Männer, wenn Frauen* doch sprachbegabter wären? Wieso erfahren wir im Kunstunterricht nur über männliche Maler, in Musik nur männliche Komponisten, wenn Frauen* doch angeblich emotionaler und kreativer seien (Männer* hingegen rationaler)? Warum werden Frauen* in die Rolle der „Hausfrau“ gedrängt, welche für Männer* kochen, während die sog.  „Starköche“ fast durchgehend Männer* sind?

  • Marginalisierung / Ausschluss betrifft sämtliche männerdominierten Räume in der Gesellschaft, wenn beispielsweise an den Stellenwert von Fußball, oder Formel 1 gedacht wird (dass „Fußball“ / „Formel 1“ höchstwahrscheinlich zumeist mit „Herrenfußball“ bzw. mit „Männermotorsport‘“ assoziiert wird, macht diese Dominanz deutlich), oder Burschenschaften, Kirche, österreichischer Kartellverband. Viele meinen jetzt möglicherweise: „Mit Kirche und Burschenschaften hab ich nix am Hut, diese Vereine sind veraltet und haben mit Progressivität nix zu tun.“ Das stimmt, allerdings haben etwa Kirche und Burschenschaften in Österreich auf jeden Fall eine große gesellschaftliche Relevanz, Macht und Einfluss, nicht nur im Parlament. So sind beispielsweise 39 Prozent der FPÖ Abgeordnete Burschenschafter, mit Martin Graf als dritter Nationalratspräsident belegte ein Burschenschafter fünf Jahre lang eines der höchsten Ämter des österreichischen Staates. Auch der „neue“ dritte Nationalratspräsident Norbert Hofer beweist, dass er dem rechten Rand sehr nahe steht. Hinzu kommen die chauvinistischen Frauenbilder in Burschenschaften.

  • Darüber hinaus genießen die meisten von Männern* ausgeübten Sportarten hohes gesellschaftliches Ansehen (welche auch im TV übertragen werden), bei welchen Frauen* nicht die geringste Bedeutung haben, außer sie werden als Cheerleaderinnen abermals als Dekoration benutzt. Sport jeweils von Frauen* ausgeübt hat hingegen kaum gesellschaftliche Relevanz, falls dieser Sport für Frauen* überhaupt existiert.

  • Wenn er von Frauen* ausgeübt wird, hängt Sport auch mit Schönheitsidealen zusammen, aber auch mit weiß sein. „Frauen, die einem bestimmten Schönheitsideal entsprechen, werden anderen – sportlich auch erfolgreicheren – Frauen bevorzugt.“ 

  • Auch in Filmen sind Frauen* unterrepräsentiert – sie kommen zwar vor, reden aber meist nicht miteinander über etwas anderes als über Männer*. Dies zeigt der Bechdel Test eindrucksvoll, welcher sehr niedrige Ansprüche hat, um diesen zu bestehen: 1. It has to have at least two [named] women in it 2. Who talk to each other 3. About something besides a man. Klingt einfach, allerdings können viele Filme nicht einmal diese Kriterien erfüllen. (Ob ein Film den Test besteht oder nicht hat übrigens nichts damit zu tun, ob er gut oder schlecht ist). Wie viele Filme kennst du, in denen Männer* die Hauptrolle spielen, bzw. Frauen* mehr sind, als nur „Dekoration“?

  • Frauen* sind nicht nur in Spitzenpositionen, in Wissenschaft, Politik, sondern auch im öffentlichen Raum / im Stadtbild (etwa Gassennamen, Statuen, Denkmäler…) unterrepräsentiert.

  • Es kann auch mal vorkommen, dass Frauen* n aus der Geschichte „verbannt“ / geleugnet werden

https://twitter.com/marcuschown/status/459380664643903488

  • Bei der Schaffermahlzeit in Bremen werden Frauen* traditioneller Weise ausgeschlossen. Bei diesem handelt es sich um „das älteste fortbestehende, sich alljährlich wiederholende Brudermahl der Welt.“

  • Bis auf einige wenige Ausnahmen sind Frauen* vom Frühlingsfest in Sechsläuten (Zürich) ausgeschlossen.

  • „Den Berg Athos in Griechenland dürfen nur Männer betreten – seit tausend Jahren ist das so.“

  • Golden Rock in Myanmar: Frauen* dürfen, im Gegensatz zu Männern*, das Heiligtum nicht berühren.

  • Ausschluss von Frauen* wird bspw. für Österreich auf Twitter mit einem Hashtag dokumentiert: #50ProzentAT.

  • Ich habe überlegt, eine weitere Punktesammlung anzuführen, in welchem erst kürzlich (etwa innerhalb der letzten drei Jahre) aufgehobene Ausschlüsse von Frauen* thematisiert werden sollten. Ich lasse diesen nun weg, allerdings sei auf folgende, wichtige Anmerkung verwiesen: Nur weil Frauen* in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen (ob Bundesheer, Polizei, Beteiligung an Wahlen, Besuchen einer Universität) partizipieren dürfen, heißt das nicht automatisch, dass eine gleichberechtigte Teilnahme in diesen Institutionen automatisch gewährleistet ist. In den jeweiligen Sphären gibt es noch immer die ein oder andere, größere oder kleinere Hierarchisierung, wobei Männer* jeweils an dessen Spitze stehen.

Trotz gesetzlicher Gleichstellung zw. Männern* und Frauen* in der EU (stimmt das wirklich??) sind nach Jahrhunderte langer gesetzlicher Schlechterstellungen, gezielter  Tötungen (Hexenverbrennungen) und Ausschließungen von Frauen* aus dem gesellschaftlichen Leben Begünstigungen von Männern* nicht einfach so abgebaut. Sie existieren weiter, zwar nicht gesetzlich festgeschrieben, sondern strukturell. Dies wurde nicht nur mit den theoretischen Überlegungen über das Männliche als Norm, sondern auch in praktischen Beispielen versucht zu veranschaulichen.  

Literaturverzeichnis und Quellennachweis schriftlicher Quellen finden sich hier

–> Themen im 7. Teil:
3.3.4 Unterschiedliche Reaktionen auf dieselbe Tätigkeit von Männern* und Frauen*
3.3.5 Familie / Ehe / Karriere / Kinder
3.3.6 Verschiedenes
3.3.7 Weiterführende Links / Leseempfehlungen

[5. Teil]: Männliche Privilegien: „Ungleiche Bezahlung“ und „sexualisierte Gewalt“

<– Themen im 4. Teil: Zwischenfazit: Der Körper als Vermittler zwischen Struktur und Praxis; [Hauptteil]: Vorteile von Männlichkeiten; Gesellschaftliche Geringschätzung von Haus- und Versorgungsarbeit im Gegensatz zu Lohnarbeit

INHALT VON TEIL 5

3.2 Thematisierung von „ungleiche Bezahlung“ und „sexualisierte Gewalt“

Es geht nicht nur um männliche Privilegien, sondern auch um Dominanz von Formen von Männlichkeiten: manches sind Beispiele dafür, wie Männer* besser bzw. höher angesehen werden als Frauen*, oder wie viele Männer* davon profitieren, dass sämtliche Bereiche auf Männer* abgestimmt sind und dass das Männliche als Norm fungiert (vgl. 2.2 / 3. Teil). In diesem neunteiligen Artikel wird nicht vernachlässigt, dass auch Männer* unter Rollenerwartungen leiden (vgl. 3.5 / 9. Teil) (allerdings nicht in der gleichen Weise wie Frauen, vgl. 3.4 / 8. Teil). Im Folgenden geht es um ungleiche Bezahlung von Männern* und Frauen* sowie um sexualisierte Gewalt. (Hier wird kein Zusammenhang zwischen diesen Themen hergestellt, dennoch werden die beiden Probleme nicht in zwei unterschiedliche Kapitel unterteilt, da sie jeweils nur angeschnitten werden).

Nach der ungleichen gesellschaftlichen Bewertung von Sorge- und Lohnarbeit ist die ungleiche Bezahlung von Männern* und Frauen* das offensichtlichste männliche Privileg, welches institutionalisiert ist. „Dreißig Jahre, nachdem die Vereinten Nationen die Konvention zur Eliminierung aller Formen der Diskriminierung von Frauen verabschiedet haben, verdienen Frauen nirgendwo auf der Welt gleichviel wie Männer. Sie erreichen in Schweden 81 Prozent des Einkommens der Männer, aber folgende Zahlen sind typischer: 64 Prozent des Einkommens von Männern in Frankreich, 63 Prozent in den USA, 55 Prozent in der Ukraine, 46 Prozent in Indonesien, 39 Prozent in Mexiko“ (Connell 2013: 20). Zusätzlich muss hier ergänzt werden, dass der übliche Vergleichsmaßstab (also Lohn für Vollzeitbeschäftigung) „echte“ Einkommensunterschiede eher verschleiert, da von einer tendenziellen „männlichen“ Normalerwerbsbiographie ausgegangen wird und tendenziell „weibliche“, prekäre, unstetige Erwerbsbiographien mit viel Teilzeitbeschäftigung nicht wirklich berücksichtigt werden (vgl. z.B. Connell 2000: 103).

Darüber hinaus sind es noch immer zumeist Männer*, welche die wichtigen und mächtigen Jobs innehaben – in der Politik, aber auch bzgl. Toppositionen in Unternehmen: „Hier liegt der Anteil 2012 bei den Geschäftsführungen bei 5,1%, bei den Aufsichtsräten bei 11,2%, wovon 42,9% der ArbeitnehmerInnenvertretung angehören. In 43,7% der Unternehmen sind weder in Geschäftsführung noch Aufsichtsrat eine Frau vertreten. Auffällig ist, dass dieser Anteil bei den börsennotierten Unternehmen (ATX, Prime Market, Mid Market, Standard Market Auction, Standard Market Continuous) noch geringer ausfällt. Hier liegt der Frauenanteil bei den Geschäftsführungen bei 1,7%, bei den Aufsichtsräten bei 9,4%)“ (Studie der Arbeiterkammer 2008 nach Bührmann 2012: 20). Zu der Unterrepräsentation von Frauen* in beinahe allen gesellschaftlichen Bereichen (Bsp. siehe unten) kommt, dass männlich zu sein in manchen (aber sehr einflussreichen Kreisen) als „Qualifikation“ gilt: https://twitter.com/aufschreien/status/459304250498363392
Allgemein gilt: je höher der Posten, desto weniger Frauen* sind beteiligt. Ein Beispiel dafür bietet diese Graphik (in dieser wird das generische Maskulinum verwendet, Frauen* werden mitgemeint (sic!); siehe bzgl. dieser Marginalisierung in der Sprache 3.3.1 / 6. Teil)

Somit ist die weitgehend informelle „Karrierekultur“ immer noch von männerbündischen Symbolen und Ritualen bestimmt: Die Zugehörigkeit zu einem „Beziehungsnetz“, einer „Seilschaft“, die Präsenz in der als Informationsbörse nicht unwichtigen Stammtischkultur, all das sind die nicht unbedeutenden Voraussetzungen einer Karriere in der Bürokratie / in Unternehmen und nicht Erfahrungen mit Hausarbeit, Kindererziehung oder Altenpflege. (Hier geht es um gesellschaftliche Wertigkeiten und nicht darum, was bedeutend sein sollte). Das heißt nicht, dass es keine Frauen* gibt, die Karriere in diesen Bereichen machen. Vielmehr handelt es sich hier um eine Erklärung, warum sie auch in diesem Bereich dermaßen unterrepräsentiert sind.

Frauen* werden auch beim Berufszugang nach wie vor benachteiligt. „Das betrifft zunächst das Ausmaß der Erwerbsbeteiligung. Es ist in den vergangenen Dekaden stark gestiegen, doch sind auch heute noch Frauen in geringerem Umfang erwerbstätig als Männer. Insbesondere in der Kindererziehungsphase ziehen sich Frauen entweder ganz aus der Berufstätigkeit zurück oder sind teilzeitbeschäftigt. Teilzeitarbeit ist mit schlechteren Karriereaussichten verbunden, und Erwerbsunterbrechungen trüben diese Aussichten noch weiter. Schließlich lässt sich nach wie vor eine ausgeprägte berufliche Segregation feststellen: Frauen konzentrieren sich auf bestimmte Tätigkeiten wie etwa Heil- und Pflegeberufe, die vergleichsweise schlechte Karrierechancen bieten. Zudem werden Frauen schlechter entlohnt als Männer. Der Brutto-Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen beträgt etwa 30 Prozent […]. [Es] werden Frauen auch bei gleicher formaler Qualifikation, gleicher Tätigkeit und gleicher Stellung in der betrieblichen Hierarchie immer noch schlechter entlohnt als Männer.“

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt der „erste Wiener Gleichstellungsmonitor“. Aus diesem geht hervor, dass Wienerinnen täglich vier Stunden unbezahlt arbeiten, dazu haben sie „eine halbe Stunde weniger Freizeit als männliche Bewohner […] und verdienen, wenn sie unselbstständig beschäftigt sind, 2,40 Euro brutto weniger pro Stunde als männliche Kollegen“.

Hier kommt oft das Argument, dass alle Menschen doch die Möglichkeit haben, sich „frei“ zu entscheiden, welchen Beruf sie ausüben. „Chancengleichheit“ gibt es nicht, weil diese von Bildung, Elternhaus, soziales Umfeld etc. abhängig ist. Dazu kommt, dass „typisch männliche / weibliche“ Berufe wiederum oftmals an Sozialisation / Erziehung gebunden sind. Auch wenn es Ausnahmen gibt ist es wichtig, die Relation zu berücksichtigen.

Das dritte Beispiel männlicher Privilegien und Diskriminierungen von Frauen* mit weitreichenden, gesellschaftlichen Konsequenzen ist ([keine] Angst vor) sexualisierte_r Gewalt. Dieser Begriff wird verwendet, da “sexueller MISSbrauch suggeriert, dass es einen akzeptablen GEbrauch geben könnte: Der Gebrauch von etwas bezieht sich immer auf ein Objekt und nicht auf zwei Personen, die sexuelle Handlungen konsensual ausführen. „Mit ’sexualisierte Gewalt‘ soll verdeutlicht werden, dass es sich um Gewalt handelt, die gezielt durch sexuelle Handlungen ausgeübt wird. Ursprung dieser Gewalt ist nicht Sexualität. Vielmehr geht es um die Demonstration von Macht und Überlegenheit. Sexualisierte Gewalt beginnt, wenn Frauen und Mädchen auf ihren Körper reduziert, belästigt und gedemütigt werden.“ (vgl. auch 3.3.2 / 6. Teil). Denn oftmals gilt in der gegenwärtigen, androzentrischen (vgl. 3.3.6 / 7. Teil) Gesellschaft der Körper von Frauen* als etwas, das für Männer* jederzeit zur Verfügung steht. So ist jede dritte Frau* in der EU Opfer von Männergewalt, wie die EU-Grundrechtsagentur in einer weltweit bislang umfangreichsten statistischen Erhebung diesbezüglich erkannte (EU weite Studie): „Sie passiert täglich und in allen Kontexten“ (vgl. European Union Agency for Fundamental Rights 2014), inklusive Diagramme und Graphiken.

„Hinreichend bekannt ist, dass Gewalt und Morde an Frauen Ausdruck strukturell-gesellschaftlicher Bedingtheiten sind. Viele internationale Institutionen wie Vereinte Nationen, Europäische Union, oder Weltgesundheitsorganisation sehen Gewalt an Frauen als häufigste Menschenrechtsverletzung an. So sind Vergewaltigungen in der Ehe als solche gesetzlich strafbar, immer wieder sind Vergewaltigungen Machtausdruck in Kriegen. Immer haben Frauen und Kinder diese Traumatisierungen lebenslänglich zu tragen.“

Zusätzlich muss beachtet werden, dass Frauen* bei sexualisierten Übergriffen bei Anzeigen / vor Gericht oft nicht geglaubt wird. Darüber hinaus kommt es in Deutschland bei Vergewaltigungsprozessen in Deutschland immer seltener zu einer Verurteilung. Das geht aus einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen hervor. Berivan Aslan bezeichnet sexualisierte Gewalt als „‘Verbrechen ohne Sanktionen‘, das zudem mit einer Viktimisierung der Opfer einhergeht.“

In einem Artikel über #rapeculture formuliert es die taz mit einer Metapher: „Man stelle sich vor, in einer Wohnung fängt der Weihnachtsbaum Feuer, bald steht das ganze Wohnzimmer in Flammen. Jemand ruft die Feuerwehr. Aber statt loszufahren, fragt diese erst mal nach: Sind Sie ganz sicher, dass es brennt? Gibt es Zeugen? Haben Sie sich fahrlässig verhalten oder das Feuer womöglich absichtlich gelegt? Ach, Sie haben schon Brandwunden? Die können Sie ja auch vom Plätzchenbacken haben. Kann es sein, dass Sie sich einfach wichtig machen wollen? Und finden Sie es nicht vielleicht auch ein bisschen geil, die Flammen zu sehen und die Hitze zu fühlen?“

Es soll hier nicht bestritten werden, dass auch Männer* unter (häuslicher) Gewalt leiden, welche von Frauen* ausgeübt wird (insbesonders Mütter gegenüber ihren Kindern). Allerdings ist das an dieser Stelle nicht das Thema, denn bei Gewalt an Männer* (vgl. 3.5 / 9. Teil) gibt es andere Umstände, hat andere Ursachen, kommt seltener vor (wenn Gewalt an Männern* von Frauen* ausgeübt wird), abgesehen davon, dass männliche Gewalt sowohl mit Männerbünden, mit Wettbewerb (vgl. 2.2 / 3. Teil), als auch der „Erziehung zum Mann*“ eng verknüpft ist.

Dazu kommt, dass der Satz „auch Männer* leiden unter Gewalt“ meist dann ins Feld geführt wird, um vom Thema „(sexualisierte) Gewalt gegen Frauen“ abzulenken. Denn Männer sind vorrangig gefährdet, Opfer von körperlicher Gewalt durch andere Männer* in der Öffentlichkeit zu werden. Wenn beim Thema „Gewalt an Frauen“ „argumentiert wird, dass „auch Männer Opfer von Gewalt sind“ (was unbestritten ist, aber ganz andere Ursachen hat, vgl. 3.5), wirkt es suggestiv oftmals so, als wären im Umkehrschluss Frauen* die Täterinnen. Es stimmt, dass manche Männer* Gewalt durch ihre Partnerinnen erfahren. Dennoch darf dies „nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Konsequenzen der Übergriffe für weibliche Opfer überwiegend gravierender sind als für männliche Opfer und dass weibliche Opfer zumeist schwerer verletzt werden als männliche Betroffene. Dass Gewalt gegen Männer existiert, rechtfertigt keinesfalls, Gewalt gegen Frauen und die Bedeutung öffentlicher Hilfen für Frauen zu bagatellisieren“  (Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generation, Gewaltbericht 2001: 70).

(Zusätzlich sind die Schlagzeilen der Tageszeitungen täglich mit diesen Stories gefüllt. Das Wording [„Beziehungstat“] in diesem Artikel ist kritisch zu hinterfragen, es wirkt verharmlosend.)

Diese drei Beispiele (unterschiedliche Bewertung von Lohnarbeit/Hausarbeit, ungleiche Bezahlung, (häusliche) sexualisierte Gewalt an Frauen) sind die offensichtlichsten Privilegien von Männern bzw. Diskriminierungen / schlechter Stellung von Frauen*. Sie betreffen (fast) alle Frauen* und sind daher von großer gesellschaftlicher Relevanz, da diese (negative) Auswirkung auf Lebensumstände von Frauen* haben. Im Kapitel 3.3 wird es um Männliche Privilegien / Vorteile von Männlichkeiten / sexistische Stereotypen / Marginalisierung von Frauen* / Diskriminierungen von Frauen im Alltag gehen (welche sich selbstverständlich zum Teil mit den ersten drei Beispielen überschneiden): In den folgenden Beispielen geht es meistens darum, dass das jeweilige diskriminierende Verhalten nicht bewusst so gewählt wird, sondern sich vielmehr daraus ergibt, wie Männlichkeiten in der Erziehung (vgl. 1. / 1. Teil), durch Wettbewerb und Männlichkeitskonstruktionen (vgl. 2.2 / 3. Teil) erlernt wurden, sich aus der Normierung des weißen bürgerlichen Manns ergeben (vgl. 1.1; 2.2), wodurch das „Andere“ markiert wird und Männlichkeiten „unsichtbar“ erscheinen (bzw. schwer zu erkennen sind). Es geht nicht darum, dass absichtlich sexistisch gehandelt wird, vielmehr sind verinnerlichte Strukturen ausschlaggebend. Diese gelten als normal, ihnen wird in zwischenmenschlichen Interaktionen keine besondere Bedeutung beigemessen. Diese sind nicht so leicht zu erkennen, daher muss bewusst auf diese geachtet und nach ihnen geforscht werden. Daher ist die Reflexion von Männlichkeiten / Privilegien essentiell. „[D]ie gesellschaftliche Dominanz von Männern und Männlichkeit(en) sind weniger durch direkten Zwang und Gewalt konstituiert, sondern vielmehr durch eine soziale Vorherrschaft von Männlichkeit, die auf Einverständnis und Konsensbildung beruht“ (Meuser/Scholz 2005: 223).

Literaturverzeichnis und Quellennachweis schriftlicher Quellen finden sich hier

–> Themen im 6. Teil:
3.3 Weitere Beispiele bzgl. männliche Privilegien / Vorteile von Männlichkeiten / sexistische Stereotypen / Marginalisierungen und Diskriminierungen von Frauen* aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen
3.3.1 Männliche Dominanz / das Männliche als Norm (vgl. 1.1 / 1. Teil; 1.3 / 2. Teil)
3.3.2 Geschlechterstereotypen / Sexismus in der Werbung / Reduzierung von Frauen auf Schönsein und Sexualität
3.3.3 Marginalisierung / Ausschluss von Frauen*

Der Satz „weiße, alte Männer“

Gestern war ich auf einem Vortrag vom Gegenstandpunkt am Campus in Wien, es ging um das neue Freihandelsabkommen TTIP. Viel zu spät angekommen hab ich mir das mal ein bisschen angeschaut und dann schnell bemerkt (naja, es war offensichtlich), das sich permanent und immer dieselben Männer melden. (Dass es beim GSP angeblich weniger Frauen gibt, die Vorträge halten, ging es mir in folgendem Tweet nicht primär). Daher schrieb ich:

Aus der Kritik an dem Tweet ist eine Diskussion entstanden: dass dies ageistisch sei (zunächst stimmt diese Kritik, wenn der Satz zusammenhanglos so stehen gelassen wird. Daher schreib ich u.a. diesen Blogpost), warum ich mich als weißer Mann über weiße Männer aufrege (was mMn etwas aus dem Kontext gerissen ist, Erklärung siehe unten), bis hin zu einer Beschimpfung („jung, aber dumm wie stroh“) (was mir ja grundsätzlich egal ist, das soll kein mimimi sein, versteh jedoch nicht, warum diese Beschimpfung kommt, bevor ich gefragt werde, wie ich das denn meine).

Schließlich wurde von einer anderen Person konstruktiv gefragt, wie das gemeint ist:

Dies möchte ich in diesem Post ausführen.

Grundsätzlich geht es mir nicht darum, dass der GSP per se schlecht / dumm / die falschen Argumente hat, weil viele weiße, alte Männer im Publikum sitzen. Vielmehr kann ich mit vielen Inhalten des GSP etwas anfangen, kritisiere aber gleichzeitig, dass im Publikum oft Männer sitzen, von welchen immer dieselben 2-3 permanent das Wort ergreifen, anstatt dass diese schauen, ob nicht auch andere Menschen im Raum etwas sagen wollen.

Ich argumentiere strukturell und darauf war auch der erste Tweet bezogen: es geht mir um eine strukturelle Kritik – der weiße Mann gilt und galt immer als Norm. (Hab dies im ersten Teil meines Artikels über die Reflexion (meiner) männlichen Privilegien ausgeführt).  Ebenso bin ich in diesem auf männliche und weiße Privilegien eingegangen: weiße und männliche Privilegien sind so allgegenwärtig, dass sie unsichtbar erscheinen. Dies hat ebenso mit dem sozialen Status einer Person zu tun. Dieses Argument habe ich hier ausgeführt.

Ich finde nicht alles scheiße, was weiße, alte Männer sagen, manchmal ist dies inspirierend, oder ich bin auch mal davon begeistert. Vielmehr geht es um die Raumnahme von diesen, um Gesprächsverhalten und darum, dass „weiße, alte Männer“ gesellschaftliche Macht haben (nicht nur in Konzernen oder Religionen, sondern allgemein in wichtigen / prestigeträchtigen Positionen), dass sie gesellschaftliche Dominanz ausüben, während Frauen in den verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen oftmals marginalisiert, oder ganz ausgeschlossen werden (in den folgenden Teilen der Reflexion männlicher Privilegien werde ich darauf im Detail eingehen, würde in diesem Blogpost aber den Rahmen sprengen).

Natürlich war die Phrase „weiße, alte Männer“ auch etwas polemisch und vielleicht auch als Kampfbegriff gemeint, aber v.a. um darauf hinzuweisen, dass v.a. die Norm hier vertreten ist (also insbes. auf jene bezogen, die sprechen).

Es geht aber insbesondere um strukturelle Kritik: der weiße Mann gilt als Norm, Abweichungen von diesem werden markiert. Dabei geht es gleichzeitig um Gesprächsverhalten sowie um Sozialisation und allgemeine Geschlechterstereotypen: Frauen werden nicht dazu erzogen, dass sie viel und permanent reden, selbst wenn es ein völliger Humbug ist; es geht ebenso um die Selbstdarstellung vieler Männer, die sich gerne reden hören. Oder dass Frauen und Männer inhaltlich dasselbe sagen, Männern aber mehr geglaubt wird. Dies ist ein strukturelles Problem, wie kann damit umgegangen werden, wie kann dies verbessert werden?

Im Kontext des GSP Vortrags heißt das natürlich keineswegs, dass dieser allein aufgrund dieser Tatsache, dass so viele weiße, ältere Männer anwesend waren, per se schlecht war. „Aber“ vielleicht hat der GSP ein Problem mit Mobilisierung und könnte sich die Frage stellen, wie es geschafft werden kann, ein breiteres Spektrum dazu zu bewegen, dass AUCH jüngere, bzw. mehr Frauen zu den Vorträgen kommen, bzw. diese gleich in die Struktur des GSP mehr eingebunden werden.

Bei der Phrase „weiße Männer“ gehts auch um die Kritik, dass beispielsweise die linke Szene in Wien (wahrscheinlich auch in anderen mitteleurp. Städten, aber das kann ich nicht beurteilen) beinahe durch und durch weiß ist. Das ist ein Problem, wie kann damit umgegangen werden? Gleichzeitig geht es um Raumnahme, wer wird inkludiert, wer wird exkludiert? Wie kann dazu beigetragen werden, dass mehr Inklusion statt findet?

Räume sollten möglichst niederschwellig sein, damit Leute nicht aufgrund einer (nicht) Zugehörigkeit zu einer Szene per se aus- / eingeschlossen werden. Daher ist es wichtig, Räume so zu gestalten, dass viele verschiedene Menschen Zugang dazu haben, indem physische und ideelle Schranken möglichst abgebaut werden. Dabei ist es notwendig, nicht nur potentielle Barrieren abzubauen, die körperlich eingeschränkte Menschen ausschließen könnten, wesentlich ist es außerdem zu versuchen, dass sich verschiedene Menschen mit verschiedenem Hintergrund aus verschiedenen Szenen an diesen Orten wohl fühlen.

Als weißer Mann kann ich mich natürlich über weiße Männer aufregen, welche Raum einnehmen und sich selbst gerne permanent sprechen hören wollen. Als weißer Mann habe ich einen Artikel geschrieben (siehe Inhaltsverzeichnis), in dem ich über männliche und weiße Privilegien reflektiere. Mir geht es am oasch, dass in der Linken Konsens über „Nazis aufs Maul“ oder „Kapitalismus abschaffen“ besteht, männliches, dominantes Verhalten aber oftmals (natürlich nicht immer) großzügig toleriert, oder zu wenig kritisiert wird (zumindest von Männern selbst).

[4. Teil]: Zwischenfazit, Reflexion männlicher Privilegien (Hauptteil), Sorge- und Lohnarbeit

<– Themen von Teil 3:
Privilegien, hegemoniale Männlichkeit und Konstruktion von Männlichkeiten; Männliche und weiße Privilegien; Hegemoniale Männlichkeit und patriarchale Dividende; Konstituierung von Männlichkeiten über den Wettbewerb und Männerbünde

INHALT VON TEIL 4

2.4 Zwischenfazit: Der Körper als Vermittler zwischen Struktur und Praxis

Trotz der bisherigen eher strukturellen Argumentation (allgegenwärtige soziale Konstruktion, Menschen sind von der gesellschaftlichen Struktur abhängig usw.) und der Kritik daran, dass den Menschen damit zu wenig Handlungsoptionen zugemutet werden, kann dieser scheinbare Widerspruch aufgelöst werden, indem der Körper als „Ort der sozialen Praxis“ konzeptualisiert wird. Denn Körper sind sowohl Produkte der Gesellschaft, indem Macht, Normen und Strukturen auf sie wirken, als auch Produzenten von Gesellschaft als aktiv handelnde Akteure (vgl. Schmincke 2009: 97ff). Damit verweist Schmincke auf die „Scharnierfunktion“ des Körpers als Vermittler „zwischen Individuum und Gesellschaft bzw. zwischen Handlung und Struktur“ (ebd.). Nicht nur Schmincke versucht mit ihren Konzepten zwischen Struktur und Praxis zu vermitteln, das wird ebenso im Habituskonzept von Bourdieu vollzogen (worauf in diesem Artikel jedoch nicht genauer eingegangen wird). Menschen sind von der gesellschaftlichen Struktur beeinflusst, allerdings dieser nicht bedingungslos ausgeliefert und können klarerweise im Alltag sehr wohl ihr Handeln beeinflussen: Ob sie sexistisch agieren oder nicht, inklusive der Reflexion von diesem Handeln; ob sie andere Menschen bezüglich der Wahl deren Sexualität & Geschlecht die Freiheit lassen, es selbst zu wählen usw.

Wie bis jetzt argumentiert wurde, sind also Privilegien von Männern* / Männlichkeiten bereits in Annahmen / Klischees von Geschlechtern sowie vom Glaube, dass Männer* und Frauen* „von Natur aus so sind wie sie sind“ (inklusive der daraus abgeleiteten Charaktereigenschaften) enthalten. Gleichzeitig wird durch die Performance von Männlichkeiten und Weiblichkeiten soziale Wirklichkeit in jeder Situation hergestellt. (vgl. mit dem „Doing Gender – Konzept“). Dabei ist die permanente Reproduktion stereotyper Geschlechterklischees erforderlich, damit diese erhalten bleiben. Andernfalls würde die Norm der Zweigeschlechtlichkeit sehr schnell verwirrt / verflüssigt werden, wenn nicht ständig mit aller Gewalt Abweichungen gesellschaftliche Repression erfahren würden. Diese Geschlechterrollen und gesellschaftlichen Zuschreibungen / Erwartungen / Vorstellungen, wie Männer* und Frauen* sein sollen (und täglich durch Sozialisation, Erziehung, Werbung, Medien etc. (re)produziert werden) sind maßgeblich für deren ungleiche Behandlung. Denn Zuschreibungen / Erwartungen setzen Rollenbilder fest.

Das Problem ist, dass ein winzig kleiner biologischer Unterschied zwischen Männern* und Frauen* zu einem riesig großen aufgebauscht wird und gleichzeitig auf Charaktereigenschaften von zwei und nur zwei Geschlechtern (sic!) geschlossen wird, wodurch Machtverhältnisse entstehen. Unterschiede werden verstärkt, Ähnlichkeiten ignoriert. Heinz-Jürgen Voß machte in seiner Dissertation deutlich, dass auch biologisches Geschlecht gesellschaftlich konstruiert ist (vgl. Voß 2011). Hier findet sich ein Vortrag von Voß zu dem Thema.

„Aber wenn es unnatürlich ist, Sex mit einer Mit-Frau oder einem Mit-Mann zu haben, warum muss es dagegen ein Gesetz geben? Wir haben keine Strafvorschriften dagegen, wenn jemand den dritten thermodynamischen Hauptsatz verletzt. Gegen Schwule gerichtete Ordnungsvorschriften in US-Städten, polizeiliche Verfolgung schwuler Männer in Senegal, die Kriminalisierung des Ehebruchs von Frauen nach dem islamischen Recht der Scharia, Gefängnisstrafen für transsexuelle Frauen für die Verletzung der öffentlichen Ordnung – all das erhält nur einen Sinn, weil diese Dinge eben nicht durch die Natur festgelegt sind. Diese Vorfälle sind Teil einer gewaltigen gesellschaftlichen Anstrengung, das Verhalten der Menschen zu kanalisieren“ (Connell 2013: 22).

Indem das Männliche als Norm gilt und gleichzeitig eine Hierarchisierung der Geschlechter existiert, ist die Kategorisierung zwischen Männern* und Frauen* inhärent sexistisch. Somit sind Privilegien bestimmter Formen von Männlichkeit in dem System binärer Geschlechter bereits eingeschrieben. Gleichzeitig ist eine intersektionale Betrachtungsweise erforderlich, da auch Status, Klasse, Aussehen, Charakter, gesellschaftliches Ansehen, Krankheiten, etc. bedeutend sind. Niemand ist nur Mann* oder nur Frau*.

In den „interaktiven Handlungen“, die in keiner Weise die „Natur der Zweigeschlechtlichkeit“ reproduzieren, liegt ein wichtiges, widerständiges Moment. Denn prinzipiell geht es darum, Performance von Geschlecht anders zu gestalten, um klassische Geschlechterstereotype aufzubrechen. Denn „Doing Gender“ wird als dynamischer Prozess aufgefasst, nämlich auch, um die Naturhaftigkeit / Selbstverständlichkeit von Geschlecht in Frage zu stellen. Somit ist es etwa mit queeren Konzepten möglich, die Interaktionsordnung zu stören. Die angenommenen zwei Geschlechter sind sozial konstruiert, tatsächlich gibt es so viele Identitäten / Geschlechter, wie es Menschen gibt. Denn es ist absurd, dass Identitäten hauptsächlich am Geschlecht festgemacht werden. Niemand ist nur „Mann“ oder nur „Frau“, sondern auch Sportler_in, Vater/Mutter, Freund_in, Professor_in, Aktivist_in, Blogger_in usw.

3. [Hauptteil]: Männliche Privilegien / Vorteile von Männlichkeiten / sexistische Stereotypen / Marginalisierung von Frauen* / Diskriminierungen von Frauen – eine Reflexion

Zu reflektieren bedeutet für mich: Reflexion von Gruppenprozessen, des problematischen Verhaltens einer Person, Selbstreflexion sowie das Reflektieren von Macht- und Herrschaftsstrukturen, aber auch die Dekonstruktion dieser durch Sozialisation erlernten Verhaltensweisen.

Reflexion findet nicht punktuell statt, sondern ist ein zyklischer Prozess, der nie aufhören sollte. Reflexion ist eine grundlegende Strategie (nicht nur) männlicher Privilegien / Sexismen in der Gesellschaft aufzudecken. Es ist von Bedeutung, sich der Existenz dieser Strukturen nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in jedem_jeder selbst bewusst zu sein, um zu versuchen, diese verinnerlichten, gelernten Muster in einem langjährigen Prozess wenigstens abzuschwächen. Zu diesen inkorporierten Machtstrukturen gehört auch „sexistisches Denken / Beurteilen von Menschen nach dem vermuteten Geschlecht“ sowie sämtliche andere Diskriminierungsformen, welche in der Sozialisation erlernt und ständig reproduziert werden. Daher ist es für ein solidarisches Miteinander notwendig zu versuchen, diese mächtigen Strukturen abzubauen, indem sie permanent reflektiert werden.

Unter dem Verweis auf hegemoniale Männlichkeit (vgl. 2.2 / 3. Teil) möchte ich nochmal betonen, dass Privilegien nicht alle Männer* gleich betreffen, genauso wie nicht alle Frauen* in gleicher Weise von Diskriminierungen betroffen sind. Vielmehr geht es um Privilegien von „Männlichkeiten“, anstatt Männer* per se in eine Täter- und Frauen* in eine Opferrolle zu drängen. Es ist wichtig, dies beim Lesen des Artikels, aber insbesondere in diesem 3. Kapitel (Teile 4-9) im Hinterkopf zu behalten!

3.1 Gesellschaftliche Geringschätzung von Haus- und Versorgungsarbeit im Gegensatz zu Lohnarbeit

Ich möchte als ersten Punkt mit einem sehr großen, weitläufigen Privileg starten, daher widme ich diesem ein eigenes Unterkapitel: Eines der vielen Privilegien von Männern* ist es, dass Lohnarbeit gesellschaftlich höher bewertet / angesehen wird, als Haus- u Sorgearbeit, welche auch im Jahr 2014 noch hauptsächlich von Frauen* durchgeführt wird. „In allen zeitgenössischen Gesellschaften, für die wir über Statistiken verfügen, erledigen Frauen den Großteil des Putzens, Kochens und Nähens, die meiste Arbeit bei der Kinderbetreuung und fast die gesamte Arbeit bei der Babyversorgung. […] Diese Arbeit ist oft verknüpft mit einer kulturellen Definition von Frauen als fürsorglich, sanft, aufopferungsvoll und fleißig, eben als gute Mütter. Mit einem guten Vater verbindet sich selten das Zubereiten von Pausenbroten oder Wickeln von Babys. […] Üblicherweise wird von Vätern erwartet, dass sie Entscheidungen treffen und das Geld verdienen sowie die Dienstleistungen von Frauen konsumieren und ihre Familie nach außen repräsentieren“ (Connell 2013: 21). (Es ist mir bewusst, dass es heute so viele Single-Haushalte wie nie zuvor gibt. Dies spielt allerdings bei diesem Punkt eine untergeordnete Rolle, da hier das strukturelle Verhältnis von Lohnarbeit / Sorgearbeit betrachtet werden soll).

Um die Frage zu klären, was unter gesellschaftlicher (Re)Produktion zu verstehen ist, ist es zunächst erforderlich, mit Frigga Haug den Terminus „Geschlechterverhältnisse“ zu beleuchten. Für sie kann dieser Begriff nützlich sein, um kritisch zu untersuchen, wie die Geschlechter in gesellschaftliche (Arbeits)Verhältnisse eingespannt werden. Der Begriff „setzt voraus, was selbst Resultat der zu untersuchenden Verhältnisse ist: die Existenz von ‚Geschlechtern‘ im Sinne der je historisch vorfindlichen Männer und Frauen. Die Komplementarität bei der Fortpflanzung ist die natürliche Basis, auf der im historischen Prozess sozial geformt wird, auch, was als ‚natürlich‘ zu gelten hat. In dieser Weise treten die Geschlechter als Ungleiche aus dem Gesellschaftsprozess, wird ihre Nicht-Gleichheit zur Grundlage weiterer Überformungen und werden Geschlechterverhältnisse fundamentale Regelungsverhältnisse in allen Gesellschaftsformationen“ (Haug 2002).

(An dieser Stelle muss allerdings Kritik an Haug geübt werden: Sie geht von einem „natürlichen“ Unterbau aus, von dem sich dann alle „kulturellen“ Phänomene ableiten. Ich bin der Ansicht, dass diese „Natürlichkeit“ nicht existiert, da Menschen durch den Einfluss von Gesellschaft geformt werden, anstatt dass von einer „natürlichen Basis“ ausgegangen werden kann. Dennoch bin ich der Meinung, dass der Begriff „Geschlechterverhältnisse“ analytisch wertvoll ist). Hier wird deutlich, dass nicht nur kapitalistische Ausbeutungsverhältnisse, sondern auch die soziale Reproduktion (Definition siehe unten) mit Abhängigkeits- und Diskriminierungsstrukturen dicht verflochten ist (vgl. Federici 2012: 18). Folglich ist strukturelle Benachteiligung / strukturelle Gewalt zu thematisieren, welche jeweils von unterschiedlichen Machtpositionen ausgehen und sich schließlich in ungleichen Machtverhältnissen äußern (vgl. Galtung 1975: 12). Die Nicht-Gleichheit der Geschlechter „durchqueren bzw. sind wiederum zentral für Fragen von Arbeitsteilung, Herrschaft, Ausbeutung, Ideologie, Politik, Recht, Religion, Moral, Sexualität, Körper und Sinnen, Sprache, ja, im Grunde kann kein Bereich sinnvoll untersucht werden, ohne die Weise, wie Geschlechterverhältnisse formieren und geformt werden, mit zu erforschen“ (Haug 2002).

Haus- und Versorgungsarbeit bedeutet nun „die unter den jeweiligen gesellschaftlichen Bedingungen zur Reproduktion der Arbeitskraft notwendigen Tätigkeiten“ (Winker 2007: 17). Subsumiert können hier die Begriffe Sorgearbeit und emotionale Arbeit werden, denn Tätigkeiten wie Waschen, Putzen, Kochen, Tisch servieren, Kleider flicken, das Servieren des Essens und das Lächeln dazu, Kinder bekommen, aufziehen, Betreuung von Alten und Kranken etc. (vgl. Mies 2005: 1) müssen ebenso zu Reproduktionsarbeit hinzugezählt werden. Ferner ist die „Befriedigung emotionaler […] Bedürfnisse sowie der Pflege von kranken und gebrechlichen Menschen [zu nennen]. All diese primär von Frauen ausgeführten Tätigkeiten werden auch als soziale Reproduktion bezeichnet“ (Bakker/Gill 2003: 32f. nach Winker 2007: 17).
Folglich ist auch der Haushalt als ein „Ort wahrzunehmen, an dem Produktion stattfindet – allerdings nicht Produktion materieller Waren, sondern Produktion von Arbeiter_innen für den Arbeitsmarkt“ (Federici 2012: 39). Ausgehend von der grundlegenden Tatsache, dass diese Tätigkeiten wertschaffend, produktiv und im Kapitalismus grundlegend für seine Erhaltung sind, stellen die Bielefelder Feministinnen (Mies, Werlhof, Bennholdt-Thomsen) fest: „Diese Arbeit wird von [Frauen] geleistet, und ohne sie ist die Reproduktion der Ware Arbeitskraft auch jenes Lohnarbeiters […] nicht möglich“ (Werlhof/Mies/Bennholdt-Thomsen 1983: 85).

Denn im Haushalt wird „die für die kapitalistische Gesellschaft bedeutendste Ware produziert, diejenige, von denen die Produktion aller weiteren Waren abhängt: die Arbeitskraft“ (Federici 2012: 39). Umso absurder ist es, wenn Männer* gemeinhin als die „Ernährer der Familie“ gelten und Frauen hingegen unterstellt wird, sie arbeiten ohnehin nicht viel und haben ein gemütliches Leben, da sie sich den ganzen Tag „nur“ (sic!) um den Haushalt kümmern, weswegen sie eine gesellschaftliche Geringschätzung erfahren, da diese Arbeit im Kapitalismus keine wertschöpfende Arbeit sei. „Da die familiäre Reproduktionsarbeit nicht warenförmig stattfindet, ist sie in einer kapitalistischen Gesellschaft, deren Entwicklung auf Warenförmigkeit beruht, nichts wert, zählt nichts und wird so unzureichend wahrgenommen“ (Winker 2007: 20). Ein Teil der oben genannten Arbeiten wird dann als wertvoll erachtet, wenn diese jemand als Dienstleistung anbietet, z.B. als Altenpfleger_in oder Au-Pair und es sich also um „wertschöpfende Arbeit“ handelt.

Vergessen wird allerdings, dass die Tätigkeitsbereiche Lohnarbeit / Haus- und Sorgearbeit in öffentliche und häusliche Sphäre getrennt werden, obwohl sie zusammen hängen, untrennbar verknüpft sind und somit die eine ohne die andere nicht vorstellbar ist. Es kann als wichtiger Aspekt patriarchaler Strukturen charakterisiert werden, dass die – Männern* zugeschriebene – öffentliche Seite gesellschaftlich viel höher bewertet wird und mit mehr Macht und Ansehen verbunden ist, als die – Frauen* zugeteilte – private, häusliche Seite (vgl. 1.2 Geschlechterstereotypen /2. Teil), welche nicht nur abgewertet, sondern zum Teil auch als unproduktiv bewertet wird. Weiters ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass die Trennung von öffentlicher und privater Spähern erst mit veränderten Produktionsbedingungen im 18. Jahrhundert geschaffen wurde (vgl. 1.1 / 1. Teil).

Haus-, Versorgungs-, emotionale Arbeit und Lohnarbeit genießen ungleich viel Anerkennung. Es kann als institutionelle bzw. strukturelle Gewalt bezeichnet werden, dass unbezahlte Sorgearbeit gesellschaftlich weniger Wert hat, was in weiterer Folge ein männliches Privileg darstellt. Es ist äußerst problematisch, dass all jene, die Sorgearbeit leisten, „wenig gesellschaftliche Anerkennung [genießen]. Frauen werden mit der Übernahme der gesellschaftlich notwendigen Reproduktionsarbeit entwertet, unabhängig davon, ob sie selbst Lohnarbeiterinnen sind oder nicht“ (Winker 2007: 20). Doch auch unabhängig von Geldeinkommen ist die patriarchale Dividende (welche ja einen „Nutzen durch das Patriarchat“ (vgl. 2.2 / 3. Teil) charakterisiert) wirkmächtig. „Weitere sind Autorität, Respekt, Dienstleistungen, Sicherheit, Wohnung, Zugang zu institutioneller Macht, emotionale Unterstützung und Kontrolle über das eigene Leben“ (Connell 2013: 192). Hinzu kommt, dass diese Frauen*, welche Hausarbeit verrichten, ökonomisch von „ihren“ Männern* abhängig und zusätzlich oftmals von häuslicher Gewalt (vgl. 3.2 / 5. Teil) betroffen sind.

Gleichzeitig gibt es auch Frauen*, welche im Bereich Haus- und Sorgearbeit Vorteile genießen. So partizipieren manche Frauen* an der patriarchalen Dividende, „im Allgemeinen dadurch, dass sie mit reichen Männern verheiratet sind. Diese Frauen beziehen Nutzen aus dem geschlechtsspezifischen Akkumulationsprozess, d. h. sie leben von einem Strom von Profit, der teilweise durch die unterbezahlte und unbezahlte Arbeit anderer Frauen geschaffen wurde“ (Connell 2013: 193); welche zumeist in Ländern des globalen Südens verortet sind. Abermals ist es wichtig, bei der Analyse von Geschlechterverhältnissen intersektional vorzugehen. „´Herrin´ ist hier die beruflich erfolgreiche, in der Regel weiße Frau in einem Land des Nordens bzw. Westens – da Frauen fast ungebrochen weiterhin für die Reproduktion im Privatbereich zuständig sind, gilt: Nur so können sich weiße berufstätige und sozial privilegierte Frauen von der Hausarbeit loskaufen. Die Rolle der ´Magd´ dagegen fällt in der Regel einer zugewanderten, nicht-weißen Frau aus einem Land der Peripherie zu – manchmal unter Bedrohung von Abschiebung, zumindest aber ohne berufliche Alternative, da Ausbildungen nicht anerkannt oder Arbeitserlaubnisse nicht erteilt werden etc. – alles Bedingungen, welche Migrantinnen zwingen, ihre Arbeitskraft billig zu verkaufen“ (Habermann 2008: 264).

Bereits die sprachliche Bezeichnung, die Differenzierung in Lohnarbeit und Hausarbeit, offenbart das Problem: Im Kapitalismus zählt bzw. hat jene Tätigkeit wert, die ein verkaufbares Produkt erzeugt. In dem Kontext sollte man auch bedenken, dass unterschieden wird zwischen freiwilliger, ehrenamtlicher und bezahlter Arbeit. Deutlich wird dabei nicht nur der ökonomische Aspekt, sondern auch die Anerkennung der Gesellschaft, die bestimmten Tätigkeiten einen Wert verleiht und zuschreibt, anderen hingegen nicht.

Literaturverzeichnis und Quellennachweis schriftlicher Quellen finden sich hier

–> Im 5. Teil: Thematisierung von „ungleiche Bezahlung“ und „sexualisierte Gewalt“

[3. Teil]: Privilegien, hegemoniale Männlichkeit und Konstruktion von Männlichkeiten

<– Themen im 2. Teil: Doing Gender, Körper, Sozialisation und Heteronormativität; Geschlechterstereotypen

INHALT VON TEIL 3

2.Privilegien, hegemoniale Männlichkeit und Konstruktion von Männlichkeiten

2.1Männliche und weiße Privilegien und Intersektionalität

In der Erwartung / Beurteilung wie Männer* und Frauen* sein sollen, sind nicht nur Bevorzugungen von Männern*, sondern auch Diskriminierungen von Frauen enthalten. Gleichzeitig ist es auch möglich, dass Männer* unter Geschlechterstereotypen leiden (vgl. 1.3 Geschlechterstereotypen und 3.5 Auswirkungen von Geschlechterstereotypen / gesellschaftlichen Rollenerwartungen auf Männer), allerdings ist Diskriminierung von Männern ohne Sexismus gegen Frauen* nicht möglich. Die Begriffe „hegemoniale Männlichkeit“ und „patriarchale Dividende“ spielen für dieses Verständnis eine zentrale Rolle.

Lucy Gillam führt in “When Worlds Collide: Fandom and Male Privilege” aus, dass männliche Privilegien so allgegenwärtig sind, dass sie unsichtbar erscheinen; dass sie dermaßen universell sind, dass sie als „normal“ aufgefasst werden und höchstens dann bemerkt werden, wenn sie abwesend sind.

Sanczny schreibt in ihrem ausführlichen und sehr zu empfehlenden Blogartikel „Was ist Sexismus?“ über „Privilegien“ unter anderem: „Privilegien sind Vorteile, die die Gesellschaft bestimmten Gruppen zuerkennt, und von denen Leute allein aufgrund ihres sozialen Status profitieren. […] Da sich sozialer Status aus der Positionierung in mehreren Strukturen ergibt („Rasse“, Klasse, Geschlecht, sexuelle Identität, Alter… vgl. „Statuskategorien“ 1.2 / 2. Teil, Anm. LY) sind alle Menschen sowohl privilegiert als auch nicht, profitieren an einer Stelle von einem Privileg während sie an anderer Stelle benachteiligt sein können. Und wie sich Privileg auswirkt, hängt wiederum von der individuellen Position in der sozialen Hierarchie ab.“

(Nicht nur aufgrund dieser Unsichtbarkeit von Privilegien ist es meiner Meinung nach für eine emanzipatorische Praxis von grundlegender Wichtigkeit, dass sich Männer* über strukturelle männliche Privilegien in der Gesellschaft Gedanken machen. Diese zu reflektieren ist auch deswegen so wichtig, weil sie eine wichtige Säule des Patriarchats darstellen, welches sowohl im Kopf, als auch in der Praxis zurück gedrängt werden können.)

Es haben also nicht per se alle Männer* dieselben Privilegien, genauso wie Sexismus nicht alle Frauen* gleich betrifft. (Dieser Punkt wird u.a. unter „2.2 Hegemoniale Männlichkeit“ genauer behandelt, ). So haben z.B. „ökonomisch privilegierte Frauen (gewöhnlich die politisch einflussreichsten) […] ebenso wie Männer ein Interesse, wirtschaftlichen Reformen Widerstand entgegenzusetzen, die die Geschlechterungleichheit tiefgehend verändern könnten. Dies würde das System der Konzerne, von dem sie profitieren, stark erschüttern“ (Connell 2013: 128).

Male Privileges verschwinden nicht, „weil ein Mann in einer anderen Struktur benachteiligt ist. Eine Person kann mehrfach benachteiligt sein. […] Eine Frau aus der Oberschicht, die insgesamt einen höheren sozialen Status hat, orientiert sich nicht an einem Mann aus der Unterschicht als Bezugspunkt für Geschlechtergerechtigkeit. Wogegen eine Frau aus der Unterschicht gegenüber Männern aufgrund ihres Geschlechts, und gegenüber Männern aus höheren Schichten aufgrund ihrer Klasse diskriminiert ist. Eine Person of Color entgeht nicht Rassismus oder Frauenfeindlichkeit, weil sie der Oberschicht angehört“.

Connell hingegen formuliert es so: „Die meisten Geschlechterordnungen privilegieren [strukturell] auf der ganzen Welt Männer und benachteiligen Frauen, […] aber die Einzelheiten sind nicht so einfach. Es gibt unterschiedliche Formen der Privilegierung und Benachteiligung. Sie reichen von purer Symbolik bis zu brutaler Gewalt“ (Connell 2013: 14).

Um die Überschneidung von Diskriminierung genauer zu bestimmen, ist ein kurzer Einschub notwendig, indem eine intersektionale Analyse betont wird: Der Begriff der Intersektionalität meint unter anderem, dass „soziale Kategorien wie Gender, Ethnizität, Nation oder Klasse nicht isoliert voneinander konzeptualisiert werden können, sondern in ihren ‚Verwobenheiten’ oder ‚Überkreuzungen’ (intersections) analysiert werden müssen. Additive Perspektiven sollen überwunden werden, indem der Fokus auf das gleichzeitige Zusammenwirken von sozialen Ungleichheiten gelegt wird. Es geht demnach nicht allein um die Berücksichtigung mehrerer sozialer Kategorien, sondern ebenfalls um die Analyse ihrer Wechselwirkungen.“

„Male Privilege ist eine Reihe von Privilegien, die die Gesellschaft Männern (als Gesamtheit) aufgrund ihrer institutionellen Macht zuerkennt. […] Privileg entsteht aus Dominanz und dient dazu, diese zu sichern. Male Privilege und die Heteronorm basieren auf der Geschlechterhierarchie […]. Oft wird es erst bemerkt, wenn es fehlt. Männliche Interessen werden fast überall privilegiert. Und weil das Männliche als Norm und Weibliches [Weiter kann Abweichung als alles „Nicht-Männliche“ gefasst werden: Frauen*, Trans*, Inter*, wer nicht als männlich gelesen wird, Anm. LY] als Abweichung gilt, werden in unserer Gesellschaft männliche Interessen oft gar nicht als geschlechtsspezifische erkannt.“ 

Somit sind nicht nur männliche, sondern auch weiße Privilegien wirkmächtig. „Privilege makes you blind. Privilege is a big bag of stuff you’re not forced to think about. If you’re white, have you ever wondered to what extent those who find you sexually attractive do so because of your race? Have you ever wondered why a certain colour is called “flesh-tone?” Have you ever worried that the way you act might cause someone to judge your entire race? If the answer to any of those question is […] no, this is your opportunity to change that.”

Das bestätigt auch Friederike Habermann: „Weißsein bleibt unsichtbar und wird so beständig als privilegierter Ort reproduziert. Diese strukturelle Unsichtbarkeit gilt auch im Alltäglichen für jene, welche unangezweifelt der Norm angehören – nicht jedoch für jene, welche von Sexismus, Rassismus oder Homophobie betroffen sind. Deren tägliche Erfahrungen machen die Norm meist nur allzu deutlich“ (Walgenbach 2002: 123, zit. n. Habermann 2008: 23). Es geht also um Vorteile, die für jene, welche sie genießen, unsichtbar und damit normal erscheinen. Das ist auch der Grund dafür, warum manche Männer* bei dem Thema „männliche Privilegien“ mit derailing antworten,  diese relativieren, oder auch selbstsicher behaupten „es gibt doch gar keine Privilegien von Männer“. Anstatt darauf einzugehen und im Alltag mal darauf zu achten, ob sie nicht vielleicht „doch“ irgendwo Privilegien entdecken und diese auch ernsthaft reflektieren: Viele Männer* machen keine Erfahrungen mit Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechts und gehen daher davon aus, dass diese auch für Frauen* nicht existieren, oder „eh nicht so schlimm sind“ (sic!). Ist mann in dieser Position, so lassen sich alltägliche sexistische Erfahrungen von Frauen* leicht herunterspielen und relativieren. Dies ist als Weigerung (nicht „bloß“ Ignoranz) zu bezeichnen, sich nicht bewusst und selbstkritisch mit der eigenen Position in der Gesellschaft zu befassen, die Lebensumstände von einem selbst im Kontext (im Vergleich mit anderen) zu betrachten und daher ein Privileg.

2.2 Hegemoniale Männlichkeit, patriarchale Dividende und Intersektionalität

Das Modell ‚hegemoniale Männlichkeit‘ wurde in den 1980er-Jahren von Raewyn Connell (geboren als Robert William Connell) entwickelt. Sie „geht davon aus, dass hegemoniale Männlichkeit eine gesellschaftliche Strategie darstellt. Diese Strategie beschreibt das zu einer bestimmten Zeit kulturell maßgebliche Deutungsmuster von Männlichkeit. Mit dieser Deutung wird die gesellschaftliche Machtstellung von Männern* legitimiert. Hegemoniale Männlichkeit ermöglicht die Überlegenheit von Männern* und die Diskriminierung von Frauen. Das ist möglich, weil die Beschreibung hegemonialer Männlichkeit stets Männer als kraft- und machtvoll beschreibt. Kulturell ist sie so fest verankert, dass die Hegemonie unhinterfragt als normal gilt. Selbst nicht herrschende Gruppen unterstützen dieses Bild aktiv.“

Die doppelte Relation des Begriffs ist hier ausschalggebend: „Hegemoniale Männlichkeiten werden verstanden als Hegemonie gegenüber Frauen einerseits und gegenüber untergeordneten undmarginalisierten Männern andererseits“ (vgl. Tunç 2012: 3).

Nicht eine, sondern viele Formen von Männlichkeit
Nach Connell greife es aber zu kurz, „von männlicher Hegemonie zu sprechen, denn es vernachlässige, dass es nicht die Männlichkeit gibt, sondern auch hier Identitätsunterschiede bestehen. Männer* und Frauen* sind jeweils keine homogenen Gruppen, es gibt jeweils unzählige Differenzen in diesen (vgl. Spannbauer 1999: 62), , abgesehen davon sind unzählige Ausprägungen von Geschlecht(ern) und Identitäten möglich.

Connell sieht den Manager, welcher sich auf globalen Märkten bewegt, als Inbegriff einer hegemonialen Männlichkeit – nur wenige Männer näherten sich diesem Ideal tatsächlich an, es diene vielmehr als soziales Orientierungsmuster“ (Habermann 2008: 19).  Die Betonung des „Orientierungsmusters“ ist wichtig, denn kaum ein Mann* entspricht diesem Bild hegemonialer Männlichkeit, eher werden verschiedenste Männlichkeiten gelebt.

Hegemoniale Männlichkeit und Intersektionalität
„Obwohl verschiedene Privilegien bestimmte gemeinsame Charakteristika haben (etwa Mitgliedschaft in der Norm), kann die Form eines Privilegs je nach dem Machtverhältnis, das es produziert, variieren. Männliche und heterosexuelle Privilegien sind das Ergebnis einer Geschlechterhierarchie;  Klassen Privilegien stammen aus wirtschaftlicher, auf Reichtum basierter Hierarchie“ (Übersetzung von Stephanie Wildman 1996: 17)

Um Privilegien analysieren / beschreiben zu können, ist „Intersektionalität“ (s.o.) ein wichtiges Stichwort. Denn Formen von Diskriminierung überschneiden sich genauso wie soziale Zugehörigkeiten, etwa soziale Herkunft, Ethnizität, Generation usw. (vgl. Meuser/Scholz 2005: 213). In weiterer Folge handelt es sich also bei hegemonialer Männlichkeit nicht um Privilegien von allen  Männern* in gleicher Weise, sondern um die „Privilegierung einer bestimmten Form von weißer Männlichkeit, und nicht notwendigerweise von weißen Männern. Diese symbolische/ kulturelle/ diskursive Hierarchisierung aber schlägt sich als naturalisierte körperliche/ materielle/ ökonomische/ strukturelle Machtbeziehungen nieder“ (Peterson 2003: 14 nach Habermann 2008: 19).

Bei hegemonialer Männlichkeit handelt es sich um keine Eigenschaft von einer individuellen Person, sondern um ein in einem bestimmten gesellschaftlichen und historischen Kontext dominantes kulturelles Ideal. „Hegemoniale Männlichkeiten entsprechen somit auch den hegemonialen Subjektpositionen. Es geht hier um das, was als gesellschaftlich bedeutsam artikuliert ist und welche Nahelegungen damit verbunden sind, bzw., was darüber marginalisiert, ausgeblendet oder delegitimiert wird. Die Herausforderung besteht darin, dies nicht allein als Privilegien und Machtpositionen von Männern, sondern als eine bestimmte Form von Männlichkeit zu fassen“ (Brenssell 2009: 177). Nicht nur in diesem Zitat wird deutlich, dass hier kein Bild von „alle Männer sind böse“ vs. „alle Frauen sind gut“ gezeichnet wird, wie es manche Maskulisten „dem Feminismus“ (sic!) pauschal vorwerfen.

Patriarchale Dividende und Intersektionalität
Ein weiterer, wichtiger Begriff, der ebenso von Cornell geprägt wurde ist „patriarchale Dividende“. Dies wird von ihr als „Überschuss von Ressourcen“ (Connell 2013: 192) bezeichnet sowie als der Vorteil, „den Männer als Gruppe davon haben, dass die ungleiche Geschlechterordnung aufrechterhalten wird. Geldeinkommen ist nicht die einzige Form von Nutzen. Weitere sind Autorität, Respekt, Dienstleistungen, Sicherheit, Wohnung, Zugang zu institutioneller Macht, emotionale Unterstützung und Kontrolle über das eigene Leben“ (ebd.). Dies spielt beim Punkt „3.1 Lohnarbeit / Haus- und Sorgearbeit“ eine wichtige Rolle. Dabei geht es darum, dass diese noch immer meist von Frauen* unbezahlt ausgeführt und gesellschaftlich geringer wertgeschätzt wird, als Lohnarbeit. Weiters beschreibt der Begriff der patriarchalen Dividende den „Nutzen durch das Patriarchat auch für jene, die innerhalb der hierarchisch strukturierten Männlichkeit [untergeordnet] sind. Dies betrifft unter anderem nicht-weiße Männer. Gleichzeitig besteht eine solche Dividende für alle Weißen, für alle Heteros, für alle Menschen ohne Behinderungen etc.“ (Habermann 2008: 19). Bei dieser Dividende geht es also darum, dass manche Männer* mehr  „als andere [bekommen], andere Männer kriegen weniger oder nichts, je nach ihrer Verortung in der sozialen Ordnung“ (Connell 2013: 192). Hier ist es wieder notwendig, die Überschneidungen von Diskriminierungsformen (Intersektionalität) mitzudenken. „Hegemoniale Männlichkeit ist nicht geschlechtsneutral und doch nicht den Männern vorbehalten“ (Brenssell 2009: 177). Hier beschreibe ich, dass im gesellschaftlichen Alltag Diskriminierung nicht auf Geschlecht allein beschränkt ist.

Connell macht das anhand eines Beispiels deutlich: „Ein reicher Geschäftsmann bezieht hohe Dividenden aus dem geschlechtsspezifischen Akkumulationsprozess im fortgeschrittenen Kapitalismus“ (ebd.: 193). Connell nennt hier die drei reichsten Menschen / Männer* der Welt: Bill Gates, Warren Buffet, Carlos Slim Helú, welche alle ein Vermögen um die 50 Mrd. US Dollar besitzen. Daneben steht beispielsweise ein nicht erwerbstätiger Mann* aus der Arbeiter_innenklasse, welcher  ökonomisch gar keine patriarchale Dividende bezieht (vgl. ebd.), aber im Gegensatz dazu durchaus im Alltag (vgl. 3. Kapitel / Teile 4 bis 9) Privilegien genießt. Darüber hinaus werden weitere, bestimmte Gruppen von Männern* „ausdrücklich von Teilen der patriarchalen Dividende ausgeschlossen. […] So sind homosexuelle Männer in den meisten Teilen der Welt von der Autorität und dem Respekt ausgeschlossen, die mit Männern verbunden werden, die hegemoniale Formen der Männlichkeit verkörpern; allerdings können sie Anteil an den allgemeinen wirtschaftlichen Vorteilen von Männern haben und tun dies in den reichen Ländern auch häufig“ (Connell 2013: 193).

Gleichzeitig haben auch manche Frauen* Anteile an der patriarchalen Dividende, allerdings meist nicht außerhalb der Geschlechterhierarchie. „Im Allgemeinen dadurch, dass sie mit reichen Männern verheiratet sind. Diese Frauen beziehen Nutzen aus dem geschlechtsspezifischen Akkumulationsprozess, d. h. sie leben von einem Strom von Profit, der teilweise durch die unterbezahlte und unbezahlte Arbeit anderer Frauen geschaffen wurde“ (ebd.: 193). Dazu kommt die mindere Wertschätzung dieser Form der Arbeit und wird dazu oftmals nicht mal als „Arbeit“ anerkannt, was mit ihrer Geringschätzung einher geht.

Das Andere vs die Norm (vgl. auch mit 1.1 Der weiße, bürgerliche Mann als Norm)
„Sprachliche Markierungen des ‚Anderen‘ sind zulässig – sie sind ja auch nicht böse gemeint. Wenn ‚das Andere‘ aber die Normalität der vermeintlichen Mehrheit in Frage stellt und deren unbekannt Identitäten (und jenen zu­­grun­­de lie­­gen­­de Macht­ver­­hält­­nis­­se) be­­nen­nt: Ze­ter und Mor­­dio! Dann ist ein Wort auf ei­n­mal nicht mehr nur ein Wort, son­­dern ei­ne Be­­lei­­di­­gung, gar eine Agen­­da. Dann sind auf einmal die Ge­füh­le der Be­trof­fenen nicht mehr nur Ge­jammer, son­dern ein legi­ti­mer Ein­wand.“ 

In diesem Blogpost soll u.a. herausgearbeitet werden, dass (nicht nur aber vor allem) der weiße, bürgerliche Mann eine gesellschaftliche Norm verkörpert und Abweichungen davon als das „andere“ markiert werden. (Dabei ist es ebenso ein männliches Privileg, dass Abweichungen von dieser männlichen Norm markiert werden). Der Begriff „das Andere“ taucht in der Philosophie sehr unterschiedlich auf (vgl. Habermann 2008: 16), in den cultural studies wird das „Andere“ „auf Gemeinschafts-Identitäten bezogen. Auch hier bildete ´das Andere´ nicht ein binär verstandenes Andere im neutralen Sinne ab, sondern das Außen bzw. die ausgeschlossenen Seiten der hegemonialen Identitäten: der Weißen, der EngländerInnen, der Männer, der Heterosexuellen. Wieder impliziert diese Binarität Hierarchisierung, denn die ausgeschlossene Gruppe verkörpert das Gegenteil der Tugenden, welche die Identitätsgemeinschaft auszeichnen“ (ebd.). Der einzelne Mann verkörpert niemals das „Männliche“ an sich, und das „Männliche“ ändert von Zeit zu Zeit seine Zusammensetzung, aber es bleibt immer ein Gegensatz zum „Weiblichen“. (Dies spiele wieder darauf an, dass nicht alle Männer* per se privilegiert und nicht alle Frauen* per se diskirminiert sind; vielmehr sind strukturelle, männliche Privilegien gemeint). Praktische Beispiele dafür, dass Merkmale von Menschen, mit welchen sie von der Norm abweichen markiert werden, finden sich hier: 3.3.1 / 6. Teil.

„Frauen, People of Color oder Homosexuelle [werden] in jeweiligen (historischen) Situationen als das ´Andere´ stigmatisiert […], sei es offen oder implizit“ (Habermann 2008: 17). Dafür sind die Begriffe „patriarchale Dividende“ und „hegemoniale Männlichkeit“ zentral: „Als Ausschließungen damit verbunden sind die Konstruktionen der ´Anderen´, doch heisst das gerade nicht, dass alle oder nur weiße Männer Gewinner der Globalisierung wären und dass Frauen, People of Color oder Homosexuelle keine Karriere machen könnten – im Gegenteil ist die hegemoniale Bedeutung des homo o als Rollenmodell so stark, dass er auch für Frauen / People of Color Gültigkeit erlangt hat: unabhängig zu sein, flexibel und erfolgreich“ (Habermann 2008: 18). Der Soziologe Georg Simmel hat bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert „als ein wesentliches Merkmal der Herrschaft der Männer über die Frauen beschrieben, daß ihr eine Hypostasierung (= Grundlage, Anm. LY) des Männlichen zum Allgemein- Menschlichen zugrunde liegt – in welcher sie sich als Herrschaft unkenntlich macht und einer Wahrnehmung als geschlechtlich markiert entzieht“ (Meuser/Scholz 2005: 225).

2.3 Konstituierung von Männlichkeiten über den Wettbewerb und Männerbünde

Männerbünde bestehen heute in vielfältigen informellen oder latenten Formen. Es geht nicht nur um deklarierte Männerbünde, sondern um Institutionen, die faktisch wie Männerbünde wirken.

Männerbünde sind durch folgende Charakteristika geprägt:
„1. Es handelt sich um freiwillige und oft bewusste Zusammenschlüsse von Männern (Mitgliedschaft)

  1. Zwischen den Männern besteht eine solidarische Verbindung. Sie ist nicht rational, sondern emotional begründet (Verbindung)
  2. Die Mitgliedschaft im Männerbund impliziert die Anerkennung bestimmter Werte und Ziele. Häufig stellen sie eine Überhöhung des gesellschaftlichen Wertekanons dar (Teilen von Werten)
  3. Männerbünde sind hierarchisch strukturiert. Es gibt Anführer und Geführte (hierarchische Struktur)
  4. Zwischen den Mitgliedern gelten spezifische Verkehrsformen, Verhaltensmuster und Werte, die wiederum von einer Aura des Geheimnisvollen umgeben sind (code of conduct)
  5. Männerbünde grenzen sich durch die Abwehr von Anderen, Fremden und vornehmlich des Weiblichen ab (Abgrenzungspolitiken)
  6. Schließlich ist der Zugang zum Männerbund durch spezifische Riten und bisweilen magische Techniken geregelt (Zugangsrituale)“ (Kreisky 1996: 593ff nach Bührmann 2012: 18).

Ein zentrales Element sowohl von Männerbünden, als auch von Männlichkeiten allgemein ist der Wettbewerb. „Der Modus, in dem unterschiedliche Männlichkeiten sich in ein hierarchisches Verhältnis zueinander setzen, ist der des Wettbewerbs. Der Wettbewerb, das Bemühen, einem anderen Mann – in welcher Weise auch immer – überlegen zu sein, wird frühzeitig eingeübt, er ist ein zentrales Mittel männlicher Sozialisation. Er ist jedoch nicht nur ein Modus der Distinktion, sondern vielfach auch – und in ein- und derselben Interaktion-, so paradox das möglicherweise erscheinen mag, ein Mittel männlicher Vergemeinschaftung […]. Tosh betont die Dialektik zwischen Kameradschaft und Wettbewerb“ (Meuser/Scholz 2005: 221). Formen von Männlichkeiten werden vorgelebt, weiter getragen und somit als erlerntes Geschlecht reproduziert. Bei Männlichkeitskonstruktionen ist somit auch eine ständige Verstärkung und Bestätigung notwendig, um diese Konstruktionen aufrecht zu erhalten. „Die Ritualisierung des Wettbewerbs verweist auf eine zentrale Funktion. In sozialisationstheoretischer Perspektive stellt sich der Wettbewerb als eine ‚Strukturübung‘ dar. Bourdieu unterscheidet drei Formen der Sozialisation: erstens ein ‚Lernen durch schlichte Gewöhnung‘, zweitens die explizite Unterweisung. Drittens und zusätzlich zu diesen Formen sieht ‚jede Gesellschaft Strukturübungen vor‘, mit denen bestimmte Formen ‚praktischer Meisterschaft‘ übertragen werden. In diesen Strukturübungen erwerben Männer praktische Meisterschaft nicht nur in dem Sinne, daß sie sich die Modalitäten bzw. Spielregeln der ernsten Spiele des Wettbewerbs aneignen, vor allem lernen sie, diese Spiele zu lieben“ (Meuser/Scholz 2005: 222).

Gleichzeitig gehören auch „gewaltförmige Formen des Wettbewerbs“ zu dieser Strukturübung (vgl. ebd.). Zu beachten ist allerdings, dass darin Gewalt nicht „als normaler Modus männlicher Dominanz erlernt [wird] – charakteristischerweise lassen die weitaus meisten gewaltaffinen männlichen Adoleszenten nach dem Übergang in den Erwachsenenstatus vom Gewalthandeln ab. Eingeübt wird die formale Logik des männlichen Geschlechtshabitus. In diesem Sinne einer strukturellen Homologie mit anderen, ernsten Spielen des Wettbewerbs ist Gewalt ein typisch männliches Phänomen und eine Handlungsressource, welche Männern mehr als Frauen kulturell zur Verfügung steht“ (Meuser/Scholz 2005: 222-223). Allerdings ist „die gesellschaftliche Dominanz von Männern und Männlichkeit(en) […] weniger durch direkten Zwang und Gewalt konstituiert, sondern vielmehr durch eine soziale Vorherrschaft von Männlichkeit, die auf Einverständnis und Konsensbildung beruht. Unter ‚männliche Hegemonie‘ ist die Dominanz männlicher Wert- und Ordnungssysteme, Interessen, Verhaltenslogiken und Kommunikationsstile etc. zu verstehen“ (Meuser/Scholz 2005: 223). Männlichkeit wird geformt und weitergegeben durch Geschichten, die wir uns erzählen, d.h. auch durch Diskurse wird gesellschaftliche Realität geschaffen.

Literaturverzeichnis und Quellennachweis schriftlicher Quellen finden sich hier

–> Themen im 4. Teil:
2.4 Zwischenfazit: Der Körper als Vermittler zwischen Struktur und Praxis
3. [Hauptteil]: Männliche Privilegien / Vorteile von Männlichkeiten / sexistische Stereotypen / Marginalisierung von Frauen* / Diskriminierungen von Frauen – eine Reflexion
3.1 Gesellschaftliche Geringschätzung von Haus- und Versorgungsarbeit im Gegensatz zu Lohnarbeit