[4. Teil]: Zwischenfazit, Reflexion männlicher Privilegien (Hauptteil), Sorge- und Lohnarbeit

<– Themen von Teil 3:
Privilegien, hegemoniale Männlichkeit und Konstruktion von Männlichkeiten; Männliche und weiße Privilegien; Hegemoniale Männlichkeit und patriarchale Dividende; Konstituierung von Männlichkeiten über den Wettbewerb und Männerbünde

INHALT VON TEIL 4

2.4 Zwischenfazit: Der Körper als Vermittler zwischen Struktur und Praxis

Trotz der bisherigen eher strukturellen Argumentation (allgegenwärtige soziale Konstruktion, Menschen sind von der gesellschaftlichen Struktur abhängig usw.) und der Kritik daran, dass den Menschen damit zu wenig Handlungsoptionen zugemutet werden, kann dieser scheinbare Widerspruch aufgelöst werden, indem der Körper als „Ort der sozialen Praxis“ konzeptualisiert wird. Denn Körper sind sowohl Produkte der Gesellschaft, indem Macht, Normen und Strukturen auf sie wirken, als auch Produzenten von Gesellschaft als aktiv handelnde Akteure (vgl. Schmincke 2009: 97ff). Damit verweist Schmincke auf die „Scharnierfunktion“ des Körpers als Vermittler „zwischen Individuum und Gesellschaft bzw. zwischen Handlung und Struktur“ (ebd.). Nicht nur Schmincke versucht mit ihren Konzepten zwischen Struktur und Praxis zu vermitteln, das wird ebenso im Habituskonzept von Bourdieu vollzogen (worauf in diesem Artikel jedoch nicht genauer eingegangen wird). Menschen sind von der gesellschaftlichen Struktur beeinflusst, allerdings dieser nicht bedingungslos ausgeliefert und können klarerweise im Alltag sehr wohl ihr Handeln beeinflussen: Ob sie sexistisch agieren oder nicht, inklusive der Reflexion von diesem Handeln; ob sie andere Menschen bezüglich der Wahl deren Sexualität & Geschlecht die Freiheit lassen, es selbst zu wählen usw.

Wie bis jetzt argumentiert wurde, sind also Privilegien von Männern* / Männlichkeiten bereits in Annahmen / Klischees von Geschlechtern sowie vom Glaube, dass Männer* und Frauen* „von Natur aus so sind wie sie sind“ (inklusive der daraus abgeleiteten Charaktereigenschaften) enthalten. Gleichzeitig wird durch die Performance von Männlichkeiten und Weiblichkeiten soziale Wirklichkeit in jeder Situation hergestellt. (vgl. mit dem „Doing Gender – Konzept“). Dabei ist die permanente Reproduktion stereotyper Geschlechterklischees erforderlich, damit diese erhalten bleiben. Andernfalls würde die Norm der Zweigeschlechtlichkeit sehr schnell verwirrt / verflüssigt werden, wenn nicht ständig mit aller Gewalt Abweichungen gesellschaftliche Repression erfahren würden. Diese Geschlechterrollen und gesellschaftlichen Zuschreibungen / Erwartungen / Vorstellungen, wie Männer* und Frauen* sein sollen (und täglich durch Sozialisation, Erziehung, Werbung, Medien etc. (re)produziert werden) sind maßgeblich für deren ungleiche Behandlung. Denn Zuschreibungen / Erwartungen setzen Rollenbilder fest.

Das Problem ist, dass ein winzig kleiner biologischer Unterschied zwischen Männern* und Frauen* zu einem riesig großen aufgebauscht wird und gleichzeitig auf Charaktereigenschaften von zwei und nur zwei Geschlechtern (sic!) geschlossen wird, wodurch Machtverhältnisse entstehen. Unterschiede werden verstärkt, Ähnlichkeiten ignoriert. Heinz-Jürgen Voß machte in seiner Dissertation deutlich, dass auch biologisches Geschlecht gesellschaftlich konstruiert ist (vgl. Voß 2011). Hier findet sich ein Vortrag von Voß zu dem Thema.

„Aber wenn es unnatürlich ist, Sex mit einer Mit-Frau oder einem Mit-Mann zu haben, warum muss es dagegen ein Gesetz geben? Wir haben keine Strafvorschriften dagegen, wenn jemand den dritten thermodynamischen Hauptsatz verletzt. Gegen Schwule gerichtete Ordnungsvorschriften in US-Städten, polizeiliche Verfolgung schwuler Männer in Senegal, die Kriminalisierung des Ehebruchs von Frauen nach dem islamischen Recht der Scharia, Gefängnisstrafen für transsexuelle Frauen für die Verletzung der öffentlichen Ordnung – all das erhält nur einen Sinn, weil diese Dinge eben nicht durch die Natur festgelegt sind. Diese Vorfälle sind Teil einer gewaltigen gesellschaftlichen Anstrengung, das Verhalten der Menschen zu kanalisieren“ (Connell 2013: 22).

Indem das Männliche als Norm gilt und gleichzeitig eine Hierarchisierung der Geschlechter existiert, ist die Kategorisierung zwischen Männern* und Frauen* inhärent sexistisch. Somit sind Privilegien bestimmter Formen von Männlichkeit in dem System binärer Geschlechter bereits eingeschrieben. Gleichzeitig ist eine intersektionale Betrachtungsweise erforderlich, da auch Status, Klasse, Aussehen, Charakter, gesellschaftliches Ansehen, Krankheiten, etc. bedeutend sind. Niemand ist nur Mann* oder nur Frau*.

In den „interaktiven Handlungen“, die in keiner Weise die „Natur der Zweigeschlechtlichkeit“ reproduzieren, liegt ein wichtiges, widerständiges Moment. Denn prinzipiell geht es darum, Performance von Geschlecht anders zu gestalten, um klassische Geschlechterstereotype aufzubrechen. Denn „Doing Gender“ wird als dynamischer Prozess aufgefasst, nämlich auch, um die Naturhaftigkeit / Selbstverständlichkeit von Geschlecht in Frage zu stellen. Somit ist es etwa mit queeren Konzepten möglich, die Interaktionsordnung zu stören. Die angenommenen zwei Geschlechter sind sozial konstruiert, tatsächlich gibt es so viele Identitäten / Geschlechter, wie es Menschen gibt. Denn es ist absurd, dass Identitäten hauptsächlich am Geschlecht festgemacht werden. Niemand ist nur „Mann“ oder nur „Frau“, sondern auch Sportler_in, Vater/Mutter, Freund_in, Professor_in, Aktivist_in, Blogger_in usw.

3. [Hauptteil]: Männliche Privilegien / Vorteile von Männlichkeiten / sexistische Stereotypen / Marginalisierung von Frauen* / Diskriminierungen von Frauen – eine Reflexion

Zu reflektieren bedeutet für mich: Reflexion von Gruppenprozessen, des problematischen Verhaltens einer Person, Selbstreflexion sowie das Reflektieren von Macht- und Herrschaftsstrukturen, aber auch die Dekonstruktion dieser durch Sozialisation erlernten Verhaltensweisen.

Reflexion findet nicht punktuell statt, sondern ist ein zyklischer Prozess, der nie aufhören sollte. Reflexion ist eine grundlegende Strategie (nicht nur) männlicher Privilegien / Sexismen in der Gesellschaft aufzudecken. Es ist von Bedeutung, sich der Existenz dieser Strukturen nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in jedem_jeder selbst bewusst zu sein, um zu versuchen, diese verinnerlichten, gelernten Muster in einem langjährigen Prozess wenigstens abzuschwächen. Zu diesen inkorporierten Machtstrukturen gehört auch „sexistisches Denken / Beurteilen von Menschen nach dem vermuteten Geschlecht“ sowie sämtliche andere Diskriminierungsformen, welche in der Sozialisation erlernt und ständig reproduziert werden. Daher ist es für ein solidarisches Miteinander notwendig zu versuchen, diese mächtigen Strukturen abzubauen, indem sie permanent reflektiert werden.

Unter dem Verweis auf hegemoniale Männlichkeit (vgl. 2.2 / 3. Teil) möchte ich nochmal betonen, dass Privilegien nicht alle Männer* gleich betreffen, genauso wie nicht alle Frauen* in gleicher Weise von Diskriminierungen betroffen sind. Vielmehr geht es um Privilegien von „Männlichkeiten“, anstatt Männer* per se in eine Täter- und Frauen* in eine Opferrolle zu drängen. Es ist wichtig, dies beim Lesen des Artikels, aber insbesondere in diesem 3. Kapitel (Teile 4-9) im Hinterkopf zu behalten!

3.1 Gesellschaftliche Geringschätzung von Haus- und Versorgungsarbeit im Gegensatz zu Lohnarbeit

Ich möchte als ersten Punkt mit einem sehr großen, weitläufigen Privileg starten, daher widme ich diesem ein eigenes Unterkapitel: Eines der vielen Privilegien von Männern* ist es, dass Lohnarbeit gesellschaftlich höher bewertet / angesehen wird, als Haus- u Sorgearbeit, welche auch im Jahr 2014 noch hauptsächlich von Frauen* durchgeführt wird. „In allen zeitgenössischen Gesellschaften, für die wir über Statistiken verfügen, erledigen Frauen den Großteil des Putzens, Kochens und Nähens, die meiste Arbeit bei der Kinderbetreuung und fast die gesamte Arbeit bei der Babyversorgung. […] Diese Arbeit ist oft verknüpft mit einer kulturellen Definition von Frauen als fürsorglich, sanft, aufopferungsvoll und fleißig, eben als gute Mütter. Mit einem guten Vater verbindet sich selten das Zubereiten von Pausenbroten oder Wickeln von Babys. […] Üblicherweise wird von Vätern erwartet, dass sie Entscheidungen treffen und das Geld verdienen sowie die Dienstleistungen von Frauen konsumieren und ihre Familie nach außen repräsentieren“ (Connell 2013: 21). (Es ist mir bewusst, dass es heute so viele Single-Haushalte wie nie zuvor gibt. Dies spielt allerdings bei diesem Punkt eine untergeordnete Rolle, da hier das strukturelle Verhältnis von Lohnarbeit / Sorgearbeit betrachtet werden soll).

Um die Frage zu klären, was unter gesellschaftlicher (Re)Produktion zu verstehen ist, ist es zunächst erforderlich, mit Frigga Haug den Terminus „Geschlechterverhältnisse“ zu beleuchten. Für sie kann dieser Begriff nützlich sein, um kritisch zu untersuchen, wie die Geschlechter in gesellschaftliche (Arbeits)Verhältnisse eingespannt werden. Der Begriff „setzt voraus, was selbst Resultat der zu untersuchenden Verhältnisse ist: die Existenz von ‚Geschlechtern‘ im Sinne der je historisch vorfindlichen Männer und Frauen. Die Komplementarität bei der Fortpflanzung ist die natürliche Basis, auf der im historischen Prozess sozial geformt wird, auch, was als ‚natürlich‘ zu gelten hat. In dieser Weise treten die Geschlechter als Ungleiche aus dem Gesellschaftsprozess, wird ihre Nicht-Gleichheit zur Grundlage weiterer Überformungen und werden Geschlechterverhältnisse fundamentale Regelungsverhältnisse in allen Gesellschaftsformationen“ (Haug 2002).

(An dieser Stelle muss allerdings Kritik an Haug geübt werden: Sie geht von einem „natürlichen“ Unterbau aus, von dem sich dann alle „kulturellen“ Phänomene ableiten. Ich bin der Ansicht, dass diese „Natürlichkeit“ nicht existiert, da Menschen durch den Einfluss von Gesellschaft geformt werden, anstatt dass von einer „natürlichen Basis“ ausgegangen werden kann. Dennoch bin ich der Meinung, dass der Begriff „Geschlechterverhältnisse“ analytisch wertvoll ist). Hier wird deutlich, dass nicht nur kapitalistische Ausbeutungsverhältnisse, sondern auch die soziale Reproduktion (Definition siehe unten) mit Abhängigkeits- und Diskriminierungsstrukturen dicht verflochten ist (vgl. Federici 2012: 18). Folglich ist strukturelle Benachteiligung / strukturelle Gewalt zu thematisieren, welche jeweils von unterschiedlichen Machtpositionen ausgehen und sich schließlich in ungleichen Machtverhältnissen äußern (vgl. Galtung 1975: 12). Die Nicht-Gleichheit der Geschlechter „durchqueren bzw. sind wiederum zentral für Fragen von Arbeitsteilung, Herrschaft, Ausbeutung, Ideologie, Politik, Recht, Religion, Moral, Sexualität, Körper und Sinnen, Sprache, ja, im Grunde kann kein Bereich sinnvoll untersucht werden, ohne die Weise, wie Geschlechterverhältnisse formieren und geformt werden, mit zu erforschen“ (Haug 2002).

Haus- und Versorgungsarbeit bedeutet nun „die unter den jeweiligen gesellschaftlichen Bedingungen zur Reproduktion der Arbeitskraft notwendigen Tätigkeiten“ (Winker 2007: 17). Subsumiert können hier die Begriffe Sorgearbeit und emotionale Arbeit werden, denn Tätigkeiten wie Waschen, Putzen, Kochen, Tisch servieren, Kleider flicken, das Servieren des Essens und das Lächeln dazu, Kinder bekommen, aufziehen, Betreuung von Alten und Kranken etc. (vgl. Mies 2005: 1) müssen ebenso zu Reproduktionsarbeit hinzugezählt werden. Ferner ist die „Befriedigung emotionaler […] Bedürfnisse sowie der Pflege von kranken und gebrechlichen Menschen [zu nennen]. All diese primär von Frauen ausgeführten Tätigkeiten werden auch als soziale Reproduktion bezeichnet“ (Bakker/Gill 2003: 32f. nach Winker 2007: 17).
Folglich ist auch der Haushalt als ein „Ort wahrzunehmen, an dem Produktion stattfindet – allerdings nicht Produktion materieller Waren, sondern Produktion von Arbeiter_innen für den Arbeitsmarkt“ (Federici 2012: 39). Ausgehend von der grundlegenden Tatsache, dass diese Tätigkeiten wertschaffend, produktiv und im Kapitalismus grundlegend für seine Erhaltung sind, stellen die Bielefelder Feministinnen (Mies, Werlhof, Bennholdt-Thomsen) fest: „Diese Arbeit wird von [Frauen] geleistet, und ohne sie ist die Reproduktion der Ware Arbeitskraft auch jenes Lohnarbeiters […] nicht möglich“ (Werlhof/Mies/Bennholdt-Thomsen 1983: 85).

Denn im Haushalt wird „die für die kapitalistische Gesellschaft bedeutendste Ware produziert, diejenige, von denen die Produktion aller weiteren Waren abhängt: die Arbeitskraft“ (Federici 2012: 39). Umso absurder ist es, wenn Männer* gemeinhin als die „Ernährer der Familie“ gelten und Frauen hingegen unterstellt wird, sie arbeiten ohnehin nicht viel und haben ein gemütliches Leben, da sie sich den ganzen Tag „nur“ (sic!) um den Haushalt kümmern, weswegen sie eine gesellschaftliche Geringschätzung erfahren, da diese Arbeit im Kapitalismus keine wertschöpfende Arbeit sei. „Da die familiäre Reproduktionsarbeit nicht warenförmig stattfindet, ist sie in einer kapitalistischen Gesellschaft, deren Entwicklung auf Warenförmigkeit beruht, nichts wert, zählt nichts und wird so unzureichend wahrgenommen“ (Winker 2007: 20). Ein Teil der oben genannten Arbeiten wird dann als wertvoll erachtet, wenn diese jemand als Dienstleistung anbietet, z.B. als Altenpfleger_in oder Au-Pair und es sich also um „wertschöpfende Arbeit“ handelt.

Vergessen wird allerdings, dass die Tätigkeitsbereiche Lohnarbeit / Haus- und Sorgearbeit in öffentliche und häusliche Sphäre getrennt werden, obwohl sie zusammen hängen, untrennbar verknüpft sind und somit die eine ohne die andere nicht vorstellbar ist. Es kann als wichtiger Aspekt patriarchaler Strukturen charakterisiert werden, dass die – Männern* zugeschriebene – öffentliche Seite gesellschaftlich viel höher bewertet wird und mit mehr Macht und Ansehen verbunden ist, als die – Frauen* zugeteilte – private, häusliche Seite (vgl. 1.2 Geschlechterstereotypen /2. Teil), welche nicht nur abgewertet, sondern zum Teil auch als unproduktiv bewertet wird. Weiters ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass die Trennung von öffentlicher und privater Spähern erst mit veränderten Produktionsbedingungen im 18. Jahrhundert geschaffen wurde (vgl. 1.1 / 1. Teil).

Haus-, Versorgungs-, emotionale Arbeit und Lohnarbeit genießen ungleich viel Anerkennung. Es kann als institutionelle bzw. strukturelle Gewalt bezeichnet werden, dass unbezahlte Sorgearbeit gesellschaftlich weniger Wert hat, was in weiterer Folge ein männliches Privileg darstellt. Es ist äußerst problematisch, dass all jene, die Sorgearbeit leisten, „wenig gesellschaftliche Anerkennung [genießen]. Frauen werden mit der Übernahme der gesellschaftlich notwendigen Reproduktionsarbeit entwertet, unabhängig davon, ob sie selbst Lohnarbeiterinnen sind oder nicht“ (Winker 2007: 20). Doch auch unabhängig von Geldeinkommen ist die patriarchale Dividende (welche ja einen „Nutzen durch das Patriarchat“ (vgl. 2.2 / 3. Teil) charakterisiert) wirkmächtig. „Weitere sind Autorität, Respekt, Dienstleistungen, Sicherheit, Wohnung, Zugang zu institutioneller Macht, emotionale Unterstützung und Kontrolle über das eigene Leben“ (Connell 2013: 192). Hinzu kommt, dass diese Frauen*, welche Hausarbeit verrichten, ökonomisch von „ihren“ Männern* abhängig und zusätzlich oftmals von häuslicher Gewalt (vgl. 3.2 / 5. Teil) betroffen sind.

Gleichzeitig gibt es auch Frauen*, welche im Bereich Haus- und Sorgearbeit Vorteile genießen. So partizipieren manche Frauen* an der patriarchalen Dividende, „im Allgemeinen dadurch, dass sie mit reichen Männern verheiratet sind. Diese Frauen beziehen Nutzen aus dem geschlechtsspezifischen Akkumulationsprozess, d. h. sie leben von einem Strom von Profit, der teilweise durch die unterbezahlte und unbezahlte Arbeit anderer Frauen geschaffen wurde“ (Connell 2013: 193); welche zumeist in Ländern des globalen Südens verortet sind. Abermals ist es wichtig, bei der Analyse von Geschlechterverhältnissen intersektional vorzugehen. „´Herrin´ ist hier die beruflich erfolgreiche, in der Regel weiße Frau in einem Land des Nordens bzw. Westens – da Frauen fast ungebrochen weiterhin für die Reproduktion im Privatbereich zuständig sind, gilt: Nur so können sich weiße berufstätige und sozial privilegierte Frauen von der Hausarbeit loskaufen. Die Rolle der ´Magd´ dagegen fällt in der Regel einer zugewanderten, nicht-weißen Frau aus einem Land der Peripherie zu – manchmal unter Bedrohung von Abschiebung, zumindest aber ohne berufliche Alternative, da Ausbildungen nicht anerkannt oder Arbeitserlaubnisse nicht erteilt werden etc. – alles Bedingungen, welche Migrantinnen zwingen, ihre Arbeitskraft billig zu verkaufen“ (Habermann 2008: 264).

Bereits die sprachliche Bezeichnung, die Differenzierung in Lohnarbeit und Hausarbeit, offenbart das Problem: Im Kapitalismus zählt bzw. hat jene Tätigkeit wert, die ein verkaufbares Produkt erzeugt. In dem Kontext sollte man auch bedenken, dass unterschieden wird zwischen freiwilliger, ehrenamtlicher und bezahlter Arbeit. Deutlich wird dabei nicht nur der ökonomische Aspekt, sondern auch die Anerkennung der Gesellschaft, die bestimmten Tätigkeiten einen Wert verleiht und zuschreibt, anderen hingegen nicht.

Literaturverzeichnis und Quellennachweis schriftlicher Quellen finden sich hier

–> Im 5. Teil: Thematisierung von „ungleiche Bezahlung“ und „sexualisierte Gewalt“

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Ein Gedanke zu “[4. Teil]: Zwischenfazit, Reflexion männlicher Privilegien (Hauptteil), Sorge- und Lohnarbeit

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