[6. Teil]: Weitere Beispiele für männliche Privilegien aus verschiedenen, gesellschaftlichen Bereichen (I)

<– 5. Teil: Thematisierung von „ungleiche Bezahlung“ und „sexualisierte Gewalt“

INHALT VON TEIL 6

3.3 Weitere Beispiele bzgl. männliche Privilegien / Vorteile von Männlichkeiten / sexistische Stereotypen / Marginalisierungen und Diskriminierungen von Frauen* aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen

Männerdominierte Strukturen finden sich fast überall: auf der Straße, in der Disko / im Lokal, in der Schule, bei Gesprächen, in intimen Beziehungen, in der Familie, Politik, Wissenschaft, Unternehmen usw… eigentlich in fast allen Lebensbereichen. Diese können sich auch in Symbolen, oder Metaphern äußern (etwa: „Das ist doch nur ein ‚harmloser‘ Scherz“). Die Folge davon ist der Ausschluss von Frauen* und anderen Menschen, welche nicht in die weiße, männliche Norm hinein passen wie homosexuelle Menschen, Queers, Transpersonen etc.

Dass männliche Privilegien existieren, heißt nicht, dass alle Männer* wie Sklaventreiber ihre Frauen* halten, wie manche Maskulisten „den Feminismus“ (sic!) manchmal gerne darstellen. Weiters bedeutet dies nicht, dass Frauen* nicht auch von der patriarchalen Dividende profitieren können. Das tun manche, wenn etwa die Situation und Lebensrealität einer Frau* aus der Oberschicht, mit jener eines Mannes* aus der Unterschicht verglichen wird. Dieses Faktum habe ich hier näher beleuchtet. (Damit wird deutlich, dass die Gleichstellung „alle Feministinnen betrachten Männer* als Täter, während Frauen immer Opfer wären“ in den meisten feministischen Strömungen nicht existiert.)

 „Achte mal darauf, wer auf den Bus wartet und wer im Auto fährt. Das ist vielleicht der sichtbarste Beleg dafür, in welchem Ausmaß Männer* am Drücker sind.“

 

3.3.1 Männliche Dominanz / das Männliche als Norm (vgl. 1.1 / 1. Teil; 1.3 / 2. Teil)

https://twitter.com/glitzer_staub/status/314294332691734528

„Das Männliche gilt als Norm und gegenüber dem Weiblichen als überlegen. Daraus leitet sich der Anspruch auf männliche Autorität ab, die wiederum die Ausübung männlicher Macht legitimiert“ (Meuser/Scholz 2005: 223).

  • Es ist häufig der Fall, dass Männer* durch ihre (u.a. durch Sozialisation) zugeschriebene und daher auch erlaubte Dominanz nicht nur in Gesprächen / Diskussionen leichter das Wort ergreifen und in verschiedenen alltäglichen Situationen selbstbewusster auftreten können. Diesbezüglich spielen auch klassische geschlechtliche Rollenklischees eine wichtige Rolle (vgl. 1.1; 1.3)

  • Medizin ist oft auf den Mann* ausgerichtet. „Forschende sind immer Subjekte innerhalb eines bestimmten psychosozialen und kulturellen Hintergrunds. Ihr Vorgehen, ihre Vorlieben und Abneigungen sind in einer kulturellen Geschlechterdichotomie entstanden und von ihr geprägt. Ihr ‘wissenschaftlicher Blick‘ wird häufig auf das gelenkt, was ihnen in diesem Gebäude plausibel erscheint, die ‘same-sex-sympathy‘. Und immer noch sind es in den Naturwissenschaften vorwiegend Männer, die forschen und damit einen männlichen Blick, einen ‘male Bias‘ in diese Forschung einbringen“ (Schmitz 2002: 7). Dieser „male Bias“ (männerzentrierte Interpretation von Lebenszusammenhängen und Sozialisationsbedingungen) zeigt sich auch in vielen verschiedenen Alltagssituationen, wie in vorliegendem Artikel deutlich werden wird.

  • Männer* wollen permanent irgendetwas erklären / Tipps geben / andere belehren (“mansplaining”): “How to mansplain“ + „Beispiele“ 

  • „Achten Sie einmal spaßeshalber in Gesprächen mit Männern darauf, wie oft er Ihnen etwas erklärt, das sie wissen, anstatt darauf zu vertrauen, dass Sie gegen fragen, wenn Ihnen etwas unklar ist.“ Frauen* werden weniger wichtig und ernst genommen; Rednerinnen werden häufig mit echten oder rhetorischen Fragen aus dem Konzept gebracht, mit Unterbrechungen diskriminiert und belästigt.

  • Frauen* müssen sich mit ihrer Position (zB. Sexismus, Benachteiligungen, Reduzierung auf Schönsein etc.) auseinander setzen, müssen für ihre Rechte kämpfen, die meisten Männer* müssen das nicht : So gibt es etwa auch in linken Zusammenhängen viele feministische Gruppierungen, aber eher wenige antipatriarchale Gruppen, in welchen sich Männer* mit ihren Privilegien auseinander setzen (hier sei nochmals auf 2.2 verwiesen und dies gilt für die meisten der hier angeführten Beispiele: nicht alle Männer* profitieren per se von der patriarchalen Dividende, gleichzeitig sind nicht alle Frauen* per se negativ von dieser beeinflusst).

  • Ein weiteres Beispiel ist Sprache: so wird im Deutschen etwa das generische Maskulinum als Norm gesetzt. Hier habe ich argumentiert, warum dies problematisch ist und das Binnen I nicht weit genug geht. Empfohlen sei auch dieses Interview mit Luise F. Pusch.

  • Dass sich männliche Dominanz und geschlechtliche Rollenklischees in der Sprache wiederspiegeln, kann in unzähligen Beispielen verdeutlicht werden: Etwa in der Verwendung der Begriffe „Triebtäter“ statt „Triebopfer“, Herrschaft / Beherrschung, See-, Zimmer-, etc. mann, Vaterland, patriotisch, „-mann“ in unzähligen Familiennamen, bemannt, Muttersprache, Schutzpatron, jedermann, Putzfrau, Mannschaft, Jungfrau, Gründerväter, Mannsbild / Weibsstück, Fräulein, brüderlich, Frauenkränzchen (abwertend), Oder auch Redewendungen: alle Menschen werden Brüder; Herr der Lage; Beherrschung verlieren; etwas auf Vordermann bringen. Wenn manche dieser Beispiele umgedreht werden, wird möglicherweise die Dominanz des Männlichen deutlich, da es „ungewohnt“ und „anders“ wirkt: matriotisch, Schutzmatronin, Jungherr, Herrlein, befraut, Frauschaft, befrauschen, Frauschaft.

  • Bei der Formulierung „Um 1840 schrieb ein Mathematiker das erste Computerprogramm.“ denken wir zuerst an einen Mann*. Dass eine Frau* (nämlich Ada Lovelace) das erste Computerprogramm geschrieben hat, wird hier verschwiegen und auch nicht „mitgedacht“. Dies ist ein Beispiel dafür (S.3ff), wie Frauen* in der Sprache negiert und ausgeschlossen werden.

  • „Mädchen“ als auch „schwul“ gelten noch immer als „Schimpfwort“, bzw. als Abwertung von Männlichkeit. „Jungen lehnen stärker das andere Geschlecht ab, schon im Vorschulalter legen sie Wert darauf, sich nicht mit Spielsachen und Aktivitäten zu beschäftigen, die als mädchenhaft gelten“.

  • Redeverhalten – Sexismus – Privileg – Dominanz – Abtreibung: (Ich habe diesen Punkt unter „männliche Dominanz“ gesetzt, weil es sich viele Männer* heraus nehmen, nicht nur über Frauenkörper zu urteilen, sondern auch über diese bestimmen wollen). Es gibt tatsächlich Männer*, welche darüber entscheiden (wollen), wie schwangere Frauen* mit ihren Körpern umgehen sollen: Seien es Ärzte, Väter, Ehemänner, die Kirche, Vertreter_innen menschenverachtender Vereine wie Pro-Life, oder andere: Es muss die Entscheidung einer jeden Frau* sein, was sie mit ihrem Körper macht / unterlässt, ob sie eine Abtreibung vornimmt oder nicht. Es ist ihr Körper und somit ihre Verfügung. Maskulisten meinen, es sei auch die Entscheidung des Mannes, des „Befruchters“: grundsätzlich kann diese Thematik nicht so per se und oberflächlich behandelt werden: es kommt immer darauf an, unter welchen Umständen die jeweilige Frau* schwanger geworden ist: im Rahmen einer glücklichen Partnerschaft, im Rahmen einer kaputten / unglücklichen Partnerschaft, nach einer Vergewaltigung, nach einer missglückten Verhütung, ohne Verhütung etc. Der Einwand mancher Maskulisten, dass auch Männer* mitbestimmen sollen, ob die Frau* das Kind bekommt, oder nicht, trifft nur im Falle einer glücklichen Partnerschaft zu (wo ja auch die Fälle „nach einer missglückten Verhütung, ohne Verhütung“ enthalten sein können). Wenn jedoch zwei Menschen glücklich miteinander und zusammen sind, machen sich diese in den meisten Fällen ja ohnehin schon vor einer Schwangerschaft Gedanken, wie sie mit einer potentiellen Schwangerschaft umgehen.

3.3.2 Geschlechterstereotypen (vgl. 2. Teil) / Sexismus in der Werbung / Schönsein und Sexualität

Vergleiche mit „Auswirkungen von Geschlechterstereotypen / gesellschaftlichen Rollenerwartungen auf Männer. Viele der bei diesem Punkt genannten Beispiele gründen sich darauf, dass Frauen zum „Sexobjekt“ / „Objekt der Begierde“ gemacht werden. Damit ist jener Sexismus verknüpft, dem Frauen* ausgesetzt sind, als Objekte keine andere Zuschreibung zu bekommen, als „schön“ zu sein. (.„Schön“ bedeutet immer: nicht intelligent, nicht ehrgeizig, aber hübsche „Dekoration“). Gleichzeitig werden Frauen* permanent angegafft / begutachtet / bewertet. Eine interessante Studie hat diesbezüglich der Soziologe Erving Goffman bereits in den 1980er Jahren gemacht. Goffman, Erving (1981). Geschlecht und Werbung. Suhrkamp: Frankfurt/Main. Deutsche Erstausgabe.

  • In der Werbung wird der weibliche Körper als Fetischisierung instrumentalisiert, um Geld zu machen. Produkte werden oft mit halbnackten Frauen* beworben, welche auf ihren Körper reduziert werden, ohne erkennbaren Zusammenhang mit dem Produkt. Dabei werden die Wünsche, Bedürfnisse und Gefühle der Frauen ignoriert oder nicht ernstgenommen.

  • Nicht nur in der Werbung, auch in Filmen, Pornos, Magazinen, Fernsehen bzw. beinahe in allen Medien finden sich Bilder von leichtbekleideten Frauen*, welche dadurch objektiviziert und somit herabgewürdigt werden. Männer* müssen etwa keinen Bikini tragen, weil männliche Brüste nicht sexualisiert sind. Siehe diesbzgl. das Gedankenexperiment unter 3.3.4 Unterschiedliche Reaktionen auf dieselbe Tätigkeit von Männern* und Frauen*.

  • Als Mann* ist es nicht erforderlich, im konventionellen Sinn “schön” sein; die Nachteile davon sind relativ klein und leicht zu ignorieren. Die Körper von Männern* werden nicht permanent beurteilt, objektiviert, über Männer* wird nicht abwertend geredet wie zum Beispiel „schau dir mal den an, der ist so häßlich, warum hat er sich den nicht mehr Schminke im Gesicht verwendet?“

  • Unter dem Hashtag #ichkaufdasnicht sind unzählige Beispiele angeführt, welche mit sexistischen, rassistischen, aber jedenfalls stereotypen Klischees „spielen“ und daher boykottiert werden. Ebenso gibt es eine Sammlung diesbzgl. in einem Blog.

  • Als Mann* sagt dir vielleicht dein_e Ärzt_in, dass du ein paar Kilos abnehmen sollst, aber nicht der Taxifahrer. Auch nicht „Fashionmagazine“, welche sich damit beschäftigen, wie du schöner, dünner, sexier werden kannst.

  • Robert Webb über männliche Priviligien: “You won’t open the Sun and compare your own cock to that of a well-endowed model.

  • You won’t get dressed for a party and worry if you look like a slut, or get called a slut, or get raped […] ‘because you look like a slut’.

  • In the rare event that you do get raped, the police won’t seem to mind what you were wearing. Lawyers won’t ask what you were wearing; your mother won’t ask what you were wearing”. 

  • Gedankenexperiment: Ein Paar, ein Mann* und eine Frau* gehen gemeinsam auf einen Ball. An die Frau* werden besondere Anforderungen bzgl. Schönsein gestellt, weswegen sie ein passendes Kleid suchen, sich schminken, die Haare machen, Ohrringe finden, sich die Beine rasieren etc. muss. Der Mann* hingegen schlüpft in seinen Anzug und fertig. Das ist das häufige Klischee, dass Frauen* immer so viel Zeit benötigen, um sich für den Abend im wahrsten Sinne des Wortes „herzurichten“ (um als heterosexuelle Frau* von Männern* als begehrenswert empfunden zu werden). Aber warum ist das so? Es ist eine gesellschaftliche Erwartungshaltung. Männer* tragen Anzüge; welche in der Masse auf einem Ball wie eine Uniform wirkt, es können nicht viele Unterschiede zwischen ihnen erkannt werden. Von Männern* wird in der Hinsicht „Schönsein“ viel weniger erwartet als von Frauen*.

  • Ein anschauliches Beispiel für diesen Umstand liefert Waltraud Posch, sie zitiert ein Interview mit Viktor Klima (österr. Bundeskanzler 1997-2000). „Ich habe für das Geschäft eine Art Montur, blauer Anzug, weißes Hemd und eine rote Krawatte. Es ist einfach, man muss nicht nachdenken in der Früh und zieht immer das gleiche an. Ich habe auch immer das gleiche Paar Schuhe. Schon mehrere, aber immer das gleiche Design. Das sind die Parker, Größe 11, Breite F. Das ist simpel zu kaufen – ich rufe einfach im Geschäft an“ (Posch 2009: 74). Für Männer* ist der Umgang mit Kleidung unbeschwerter, weil sie (von der gesellschaftlichen Erwartungshaltung her) nicht damit glänzen müssen, schön zu sein. Zwar haben auch Frauen* die Möglichkeit, Anzüge zu tragen, allerdings hat das eine andere zugeschriebene Bedeutung. „Das Tragen eines Anzugs gilt als Wahl, als Symbol, als Positionierung und damit als Anlass für die Beurteilung und öffentliche Thematisierung einer Person. Ein Mann im Anzug folgt der Norm. Eine Frau im Anzug gibt ein Statement“ (Posch 2009: 75).

  • Ich als Mann* muss mir keine Gedanken darüber machen, ob ich mir mit bestimmten Klamotten anzügliche Sprüche oder Blicke einfange, oder ungewollt berührt werde (außer es sieht zu „unmännlich“ aus, vgl. 3.5 / 9. Teil). – Mir hat noch nie irgendwer gesagt, dass ich mir an einer bestimmten Stelle am Körper die Haare wachsen lassen (zB. Kopf), oder mich rasieren soll (zB. Beine).

  • Frauen* werden meist eher nach ihrem Aussehen und weniger nach ihren Erfolgen und Fähigkeiten beurteilt.

  • Eines meiner männlichen Privilegien ist, dass ich nicht permanent durch Medien dazu angehalten werde, die Form meines Körpers zu verändern, welche entsprechend eines männlichen Ideal definiert ist. Sei es durch Diät, Bewegung oder Operation – dadurch unterliegen Frauen*körper Reglementierungen und Normierungen. „Liebe Mitmenschen. Es ist nicht eure Aufgabe die Körper anderer Menschen zu beurteilen!“

  • „Nowadays, in a fasion world, especially on the consumer side, where clothing that looks like it has been designed simply for reed-thin adolescent girl bodies is the norm, all females no matter their age are being socialized either consciously or unconsciously to have anxiety about their body, to see flesh as problematic” (Hooks 2000: 35). – ver-dünn-isier dich!

https://twitter.com/RiotMango/status/292995766807576578

  • „Männer* sind also egoistischer, und Frauen* können sich einfühlen“: Hier geht es abermals um gesellschaftliche Erwartungshaltungen und Rollenklischees: Unterschiede zwischen vermeintlich zwei Geschlechtern (sic!) werden betont und überhöht dargestellt, was in diese Kategorisierungen nicht hinein passt wird oftmals ignoriert. Problematisch ist dies insbesondere deswegen, weil damit „natürliche Unterschiede“ zwischen Männern* und Frauen* konstruiert werden und im schlimmsten Fall eine Hierarchisierung des Mannes* über der Frau* rechtfertigt, dass Frauen* für Sorgearbeit zuständig wären (vgl. 3.1 / 4. Teil), Männer* für die öffentliche, repräsentative Sphäre „besser geeignet“ (sic!) wären usw. usf.

  • Ist ein Mann* in einem hohen, staatlichen Amt in dieser Pose vorstellbar?:

https://twitter.com/picturingpe/status/472367611234496512

  • Kritik an Frauen*, die zB. einen tiefen Ausschnitt haben und Mann* dauernd hinein schauen „müsse“; Kritik an Frauen*, die zu dick, oder zu dünn seien, Kritik an Frauen*, die zu viel (zB. eine Burka), oder zu wenig Kleidung angezogen haben. „A dress does not mean yes“: Diese „Kritik“ hat nichts mit Kritik zu tun, sondern ist schlicht und einfach diskriminierend. Alle Menschen sollen genau das anziehen dürfen, was auch immer sie wollen, ohne sich Kommentare bzgl. Kleid, Figur, Frisur etc. anhören zu müssen.

  • Geschlechtertrennung in Kindergarten / Schule (Noch vor 2 Generationen existierten in Österreich jeweils eigene Schulen für Männer* und Frauen): Manche werden es möglicherweise von den eigenen Erfahrungen in Kindergarten / Schule kennen: Bei ersterem etwa gibt es getrennte Spielräume für Buben und Mädchen*, in etwa: Bauklötze vs Küche. Bereits in dieser frühen Phase der Kindheit werden vermeintlich zwei Geschlechter getrennt und ihnen je nach Geschlecht entweder Handarbeit bzw. Technik nahe gelegt. „Eleanor Maccoby beschreibt in einem narrativen Forschungsüberblick die unterschiedlichen Kulturen von Mädchen und Jungen in der Kindheit. Sie vertritt dabei die These, dass eine weitgehende Geschlechtertrennung in der Kindheit die Ursache für Geschlechtsunterschiede im psychischen Erleben und Verhalten Erwachsener ist.“

  • Dass Frauen* oft nur als Objekte gesehen werden kommt in dem Pseudokompliment zum Ausdruck, wenn ein Mann* einem anderen dazu „gratuliert“ (sic!) wie schön seine Freundin ist (sic!).

3.3.3 Marginalisierung / Ausschluss von Frauen*

  • Ausschlussdiagnose Mutter mit Kind
  • Warum lernen wir in der Schule fast nur über große männliche, weiße Dichter / Philosophen / Künstler / Wissenschafter, obwohl doch bei Frauen* angeblich die sprachlichen Gehirnregionen ausgeprägter sind als bei Männern? Und wieso sind dann die Chefredakteure großer Zeitungen Männer, wenn Frauen* doch sprachbegabter wären? Wieso erfahren wir im Kunstunterricht nur über männliche Maler, in Musik nur männliche Komponisten, wenn Frauen* doch angeblich emotionaler und kreativer seien (Männer* hingegen rationaler)? Warum werden Frauen* in die Rolle der „Hausfrau“ gedrängt, welche für Männer* kochen, während die sog.  „Starköche“ fast durchgehend Männer* sind?

  • Marginalisierung / Ausschluss betrifft sämtliche männerdominierten Räume in der Gesellschaft, wenn beispielsweise an den Stellenwert von Fußball, oder Formel 1 gedacht wird (dass „Fußball“ / „Formel 1“ höchstwahrscheinlich zumeist mit „Herrenfußball“ bzw. mit „Männermotorsport‘“ assoziiert wird, macht diese Dominanz deutlich), oder Burschenschaften, Kirche, österreichischer Kartellverband. Viele meinen jetzt möglicherweise: „Mit Kirche und Burschenschaften hab ich nix am Hut, diese Vereine sind veraltet und haben mit Progressivität nix zu tun.“ Das stimmt, allerdings haben etwa Kirche und Burschenschaften in Österreich auf jeden Fall eine große gesellschaftliche Relevanz, Macht und Einfluss, nicht nur im Parlament. So sind beispielsweise 39 Prozent der FPÖ Abgeordnete Burschenschafter, mit Martin Graf als dritter Nationalratspräsident belegte ein Burschenschafter fünf Jahre lang eines der höchsten Ämter des österreichischen Staates. Auch der „neue“ dritte Nationalratspräsident Norbert Hofer beweist, dass er dem rechten Rand sehr nahe steht. Hinzu kommen die chauvinistischen Frauenbilder in Burschenschaften.

  • Darüber hinaus genießen die meisten von Männern* ausgeübten Sportarten hohes gesellschaftliches Ansehen (welche auch im TV übertragen werden), bei welchen Frauen* nicht die geringste Bedeutung haben, außer sie werden als Cheerleaderinnen abermals als Dekoration benutzt. Sport jeweils von Frauen* ausgeübt hat hingegen kaum gesellschaftliche Relevanz, falls dieser Sport für Frauen* überhaupt existiert.

  • Wenn er von Frauen* ausgeübt wird, hängt Sport auch mit Schönheitsidealen zusammen, aber auch mit weiß sein. „Frauen, die einem bestimmten Schönheitsideal entsprechen, werden anderen – sportlich auch erfolgreicheren – Frauen bevorzugt.“ 

  • Auch in Filmen sind Frauen* unterrepräsentiert – sie kommen zwar vor, reden aber meist nicht miteinander über etwas anderes als über Männer*. Dies zeigt der Bechdel Test eindrucksvoll, welcher sehr niedrige Ansprüche hat, um diesen zu bestehen: 1. It has to have at least two [named] women in it 2. Who talk to each other 3. About something besides a man. Klingt einfach, allerdings können viele Filme nicht einmal diese Kriterien erfüllen. (Ob ein Film den Test besteht oder nicht hat übrigens nichts damit zu tun, ob er gut oder schlecht ist). Wie viele Filme kennst du, in denen Männer* die Hauptrolle spielen, bzw. Frauen* mehr sind, als nur „Dekoration“?

  • Frauen* sind nicht nur in Spitzenpositionen, in Wissenschaft, Politik, sondern auch im öffentlichen Raum / im Stadtbild (etwa Gassennamen, Statuen, Denkmäler…) unterrepräsentiert.

  • Es kann auch mal vorkommen, dass Frauen* n aus der Geschichte „verbannt“ / geleugnet werden

https://twitter.com/marcuschown/status/459380664643903488

  • Bei der Schaffermahlzeit in Bremen werden Frauen* traditioneller Weise ausgeschlossen. Bei diesem handelt es sich um „das älteste fortbestehende, sich alljährlich wiederholende Brudermahl der Welt.“

  • Bis auf einige wenige Ausnahmen sind Frauen* vom Frühlingsfest in Sechsläuten (Zürich) ausgeschlossen.

  • „Den Berg Athos in Griechenland dürfen nur Männer betreten – seit tausend Jahren ist das so.“

  • Golden Rock in Myanmar: Frauen* dürfen, im Gegensatz zu Männern*, das Heiligtum nicht berühren.

  • Ausschluss von Frauen* wird bspw. für Österreich auf Twitter mit einem Hashtag dokumentiert: #50ProzentAT.

  • Ich habe überlegt, eine weitere Punktesammlung anzuführen, in welchem erst kürzlich (etwa innerhalb der letzten drei Jahre) aufgehobene Ausschlüsse von Frauen* thematisiert werden sollten. Ich lasse diesen nun weg, allerdings sei auf folgende, wichtige Anmerkung verwiesen: Nur weil Frauen* in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen (ob Bundesheer, Polizei, Beteiligung an Wahlen, Besuchen einer Universität) partizipieren dürfen, heißt das nicht automatisch, dass eine gleichberechtigte Teilnahme in diesen Institutionen automatisch gewährleistet ist. In den jeweiligen Sphären gibt es noch immer die ein oder andere, größere oder kleinere Hierarchisierung, wobei Männer* jeweils an dessen Spitze stehen.

Trotz gesetzlicher Gleichstellung zw. Männern* und Frauen* in der EU (stimmt das wirklich??) sind nach Jahrhunderte langer gesetzlicher Schlechterstellungen, gezielter  Tötungen (Hexenverbrennungen) und Ausschließungen von Frauen* aus dem gesellschaftlichen Leben Begünstigungen von Männern* nicht einfach so abgebaut. Sie existieren weiter, zwar nicht gesetzlich festgeschrieben, sondern strukturell. Dies wurde nicht nur mit den theoretischen Überlegungen über das Männliche als Norm, sondern auch in praktischen Beispielen versucht zu veranschaulichen.  

Literaturverzeichnis und Quellennachweis schriftlicher Quellen finden sich hier

–> Themen im 7. Teil:
3.3.4 Unterschiedliche Reaktionen auf dieselbe Tätigkeit von Männern* und Frauen*
3.3.5 Familie / Ehe / Karriere / Kinder
3.3.6 Verschiedenes
3.3.7 Weiterführende Links / Leseempfehlungen

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