Im 1. Teil habe ich Tipps aufgelistet, was akut gegen Schmachtattacken getan werden kann. Im 2. Teil geht es mit noch stärkerem Fokus um den psychischen Aspekt beim (nicht mehr) Rauchen, oder wie es Allen Carr formuliert: “die Gehirnwäsche“
(= Bedürfnisse nach einer Zigarette sind Reaktionen auf konditionierte Auslöser. Mehr dazu in den Punkten unten).

INHALT

[3. Teil] Persönliche Erfahrungen – ohne Rauchen ist alles viel besser!

Nikotin ist eine Droge, die die Sinneswahrnehmung verändert – den Geschmacks- und Geruchssinn. Das Schlimmste am Rauchen: die Konditionierung und Verschränkung der Psyche, man sucht ständig nach Erklärungen, um weiter zu rauchen. Verstehe, wie die Sucht funktioniert und du wirst leichter darüber hinweg kommen. Der größte Gewinn des Nichtrauchens ist psychischer Natur, nämlich eine Stärkung des Selbstvertrauens, mehr Elan und das Verschwinden der schwarzen Schatten aus dem Hinterkopf, die das Leben verdüstern.

Vorab: Denke nicht, dass du eine Aktivität, die du früher immer mit dem rauchen verknüpft hast für immer aufgeben musst. Alles, was du als Raucher_in getan hast, wirst du genauso gut oder vlt sogar besser als Ex-Raucher_in tun können. Mit dem Rauchen aufzuhören bedeutet in keiner Weise Opfer zu bringen!


 

2. Psychische Komponente / Konditionierung / Gehirnwäsche beim Rauchen

  • Die Tabakindustrie verknüpft Zigaretten mit angenehmen Situationen voller Lebensqualität. Ursprünglich neutrale Reize werden mit Rauchen assoziiert und lösen Verlangen nach Zig. aus: Freiheit und Abenteuer werden versprochen, rauchen führt aber zur Sucht, macht träge und krank. Werbung funktioniert wie Hypnose, wir werden dadurch wie der pawlowsche Hund konditioniert und wollen eine rauchen, sobald wir eine Situation erleben, die durch die Tabakwerbung damit verknüpft wurde. Besonders subtil und niederträchtig: Kaugummi- & Schokozigaretten für Kinder.
  • Sei dir bewusst, dass viele Routine-Situationen den Drang nach einer Zigarette auslösen, wie etwa Kaffee und Alkohol, gesellige Events mit Freund_innen, nach dem Essen, bei Telefonieren usw. Wir haben das Rauchen (genauer: den „Genuss des Aufhebens der Entzugserscheinungen“) mit bestimmten Erlebnissen in unserem Kopf verknüpft. Wir sind emotional stark konditioniert und verbinden das Rauchen mit Gefühlen wie Freiheit, Entspannung, Konzentration, Geselligkeit (siehe unten: Mythen). Wenn das Gehirn lernt, dass Rauchen subjektiv gut tut, entsteht ein Suchtgedächtnis und psychische Abhängigkeit. Dadurch reden wir uns vermeintliche „Vorteile“ des Rauchens, oder die „besondere“ Zigarette ein.
  • Wir haben also gelernt, dass Zig. zu gewissen Zeiten angenehm sind. Wer 20 Zig. am Tag raucht, wiederholt 7300 mal die „Erfahrung“, dass Rauchen eine beglückende Tätigkeit ist. Dies prägt sich tief ins Unbewusste ein, somit entsteht das Suchtgedächtnis. Sobald der Niktonspiegel im Gehirn sinkt, oder ein Schlüsselreiz auftritt (Kaffee, Stress, Entspannung etc.) wird dieses Gedächtnis aktiviert und das dringende Verlangen nach einer neuen Dosis Nikotin erwacht. Wer pro Tag 20 Zig. raucht und an jeder 15x zieht, führt seine Hand tägl. 300 mal zum Mund. Diese Bewegung wird 2100 mal in der Woche und jedes Jahr 109500 mal durchgeführt.
  • Durch diese intensive Beschäftigung mit dem Glimmstängel und die Tatsache, dass er uns immer und überall hin begleitet, wird die Zig. ein Teil von uns und somit auch von unserem Selbstbild, sogar zu unserem Ego – dies möchte uns zumindest die Tabakindustrie einreden. Die Nikotinfalle schürt Angst vor einem Leben ohne Zig., obwohl das Rauchen selbst die Gefahr ist. Dass wir uns dies einreden lassen funktioniert aber nur so lange wir das nicht durchschauen.
  • Die psychische Abhängigkeit ist ein größeres Problem als die körperliche: die Illusion/Täuschung zu glauben, dass man durch das Rauchen einen Vorteil oder Mehrwert gegenüber Nichtraucher_innen hat – dies ist „die Gehirnwäsche“ . Wir sind dabei, sie rückgängig zu machen. Rauchenden fehlt etwas, nicht Nichtraucher_innen. 
  • Hör dir mal zu, wenn du denkst: Beseitige deine automatisch aufs Rauchen programmierte Denk- und Verhaltensmuster und löse dich davon! Zerstöre danach alle Gründe für deine Rauchgewohnheiten und wiederhole sie so oft, bis du sie fest eingeprägt hast (Siehe 3. Punkt).
  • Spätestens nach der 10. rauchfreien Woche hast du keine körperlichen Entzugserscheinungen mehr, alles spielt sich ab nun im Kopf ab.
  • Betrachte dich als „Smoke-a-holic“. Nur ein einziger Zug, und du bist wieder süchtig. Denke bloß nicht, du könntest gefahrlos „nur einen einzigen Zug“ nehmen! Dies ist die größte Gefahr und der häufigste Grund, warum Menschen auch nach 5 oder 10 rauchfreien Jahren wieder süchtig werden!
  • Man fängt jeden Morgen wieder neu mit dem Rauchen an. Morgens ist schon vieles überstanden, man muss aber nach dem Aufstehen wieder rauchen. Die erste Kippe schmeckt am stärksten, aber fast keinem_r Raucher_in am besten. Das liegt am Zeitkorridor: Ideal ist es, alle 45 Minuten eine zu rauchen, dann quält man sich nicht zu lange mit Entzugserscheinungen, daher rauchen die meisten ca 20 Zigaretten am Tag. (Außer Alkohol ist im Spiel, denn der betäubt).
  • Die schwarzen Schatten im Hinterkopf stellen eine Behinderung dar: ständig an Zigaretten denken müssen, immer Sorge haben, wie / wo kann ich die Sucht (kurz) befriedigen. Dies ist erlerntes Verhaltensmuster bzw konditioniert.
  • Raucher_innen verspielen *) Selbstachtung *) Energie *) Innere Ruhe *) Gesundheit *) Selbstvertrauen *) Glück. Was bekommt er für alles, das er dafür aufgibt? Die Illusion, den Zustand der inneren Gelassenheit, Ruhe und Selbstsicherheit wiederzuerlangen, dessen sich Nichtraucher_innen ohnehin immer erfreuen.
  • Langfristig ist zB Ausdauersport empfehlenswert, kann – ähnlich wie Nikotin – belohnen, beruhigen, entspannen, aufmuntern, Sicherheit geben und die geistige Leistungsfähigkeit fördern.
  • Viele Raucher_innen glauben, dass sie den Geschmack / Geruch von Zigaretten von Tabak tatsächlich mögen. Das ist eine Illusion. Wenn wir lernen zu rauchen, bringen wir unserem Körper bei, unempfindlich gegen Gestank und inhaliertes Gift zu werden.
  • Als Raucher_in zwingt man sich 20,30,40 mal am Tag in das Gefühl des Mangels herein, nur um dabei die Illusion zu erleben, man könne diesen abstellen. Dieser unnatürliche Mangelzustand war nie da, bevor man damit angefangen hat. Daher bringst du auch kein Opfer, wenn du mit dem Rauchen aufhörst!
  • Denke immer daran: Schmachtattacken werden mit der Zeit immer seltener und schon nach 2 Monaten sind sie fast komplett weg. Es lohnt sich, durchzuhalten, es lohnt sich, nur diese eine jetzt nicht zu rauchen.
  • Arbeite daran, die Einstellung zu entwickeln, dass du dir mit dem Nichtrauchen einen Gefallen tust. Verweile nicht bei dem Gedanken, dass du dir keine Zigarette gönnst. Du befreist dich vom Rauchen und möchtest dir keine anstecken. Sei stolz darauf, nicht zu rauchen.

 

 3. Mache die Konditionierung rückgängig!

  • Konditioniere dich zum_zur Nichtraucher_in: das bedeutet, Denk- und Verhaltensmuster so oft zu wiederholen, bis eine neurologische Verbindung im Gehirn entstanden ist. Dafür musst du nur die Entscheidung, nie wieder einen einzigen Zug zu nehmen immer wieder aufs neue bekräftigen. Mach dir klar was du davon hast, wenn du das Verlangen nach Zig. überwindest. Erinnere dich so lang, bis dir die Idee zu rauchen gar nicht mehr in den Sinn kommt, oder absurd erscheint. Verknüpfe bewusst positive Erfahrungen mit dem Rauchen: es eröffnen sich durchs Nichtmehrrauchen neue persönliche, zeitliche, körperliche, finanzielle Möglichkeiten.
  • Entkopple alle Lebenssituationen von Zigaretten. Das lernst du nur, wenn du dich dieser Situation und den Schlüsselreizen stellst. Jedes überstande Verlangen ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zur vollständigen Loslösung von der Zigarette.
  • Ich habe schon andere schwierige Situationen in meinem Leben gemeistert; außerdem hatte ich viele Gründe, mit dem Rauchen aufzuhören, also werde ich jetzt sicher nicht rauchen! Ich werde dem Impuls zu rauchen nicht nachgeben, sondern stattdessen einfach etwas anderes tun.
  • Mach dir den Preis bewusst den du zahlst, wenn du wieder rauchst: also Geld, Zeit, Energie, Gesundheit, schwarze Schatten im Kopf. Sammle die unzähligen Vorteile des Nichtrauchens und verknüpfe damit positive Bilder von Freiheit, Gesundheit, Unabhängigkeit, Zeitgewinn etc. Dieser Veränderungsprozess braucht Zeit, nimm dir diese Zeit!
  • Erkenne die Sinnlosigkeit und die Konditionierung / Gehirnwäsche des Rauchens (siehe oben) und entlarve die Mythen! (siehe unten).
  • Die Einstellung ist so wichtig: Statt “ich möcht eine rauchen“ besser “ich bin frei. Ich muss und will nicht rauchen.“ Weg mit den Zweifeln!
  • Laut stop-simply sinkt nach acht Wochen das Risiko für einen plötzlichen Rückfall deutlich. Je eher du dich selbst als „Nichtraucher_in“ wahrnimmst, desto schneller wird das Nichtrauchen für Dich auch tatsächlich zur Normalität.
  • Bevor du eine Zigarette rauchst, lies alle Punkte hier!
  • Und nicht vergessen: Was die Sucht jahrelang (10? 20? 30? 40 Jahre?) bei uns angerichtet hat ist nicht in ein paar Wochen / Monaten weg. Aber es ist zu schaffen und bereits nach 3 Wochen ist es schon viel einfacher nicht zu rauchen, als in der ersten Woche.

4. Mythen „Ich genieße das Rauchen, weil es mir schmeckt, ich mich besser entspannen und konzentrieren kann, gesellig ist es obendrein!“

  • Dass wir in bestimmten Situationen den Drang nach einer Zigarette verspüren und meinen diese dann besonders zu genießen, hat mit der Situation selber gar nichts zu tun. Diese Verknüpfung des jeweiligen Lebensgefühls mit dem Rauchen ist das Ergebnis sorgfältiger und intensiver Konditionierung der Tabak-Konzerne durch psychologisch geschickte Werbespots. Durch die Bestätigung von anderen ebenso manipulierten Rauchenden hat sich diese Überzeugung zu einem kollektiven Feld in unserem Bewusstsein verstärkt. Wie selbstverständlich zelebrieren wir solche von der Werbung erfundenen Zusammenhänge.
  • Besonders schwerwiegend ist der Irrtum, Rauchen verschaffe Genuss: dabei war Rauchen immer schon ekelhaft. Die erste Zigarette schmeckte scheußlich, unsere Körper mussten sich langsam an das Gift gewöhnen. (Ähnlich wie bei Bier, Wein, Kaffee). Als Raucher_innen haben wir uns also immer eingeredet, die Zig. würde uns gut tun. So schmeckt auch die Kippe nach dem 5-Gänge-Menü nicht, oder nach dem Sex. Der “angebliche Genuss“ besteht ausschließlich in der Tilgung der Entzugserscheinungen. Der Stress steigt so lange, bis man endlich wieder raucht. Es geht um das Nikotin, denn weder in der Luftröhre noch in der Lunge befinden sich Geschmacksknospen. So wird „Geschmack“ und „Wirkung“ verwechselt: die gute Wirkung liegt am vorher gesunkenen Nikotinspiegel. Die Zig. schmeckt also nicht gut, richtig wäre: „Die Zigarette wirkt gut.“
    Beim Mythos „Genuss“ sollte man sich auch fragen, warum man andere Dinge im Leben, die viel genussvoller sind, tun oder bleiben lassen kann. Ich liebe Pizza, Erdbeeren, xy, aber ich esse davon nicht jeden Tag mehrere Kilo: Der “Genuss“ ist nur die vorübergehende Beseitigung der Entzugserscheinungen.
  • Raucher_innen sind pseudoentspannt, nur durch Zig. verschwinden die Entzugserscheinungen (und kommen nach kurzer Zeit wieder zurück). Somit verstärkt Rauchen den Stress, anstatt ihn zu reduzieren: hab ich Feuer und Zig dabei, Kleingeld falls sie ausgehen, Rauchverbot an vielen Orten, Angst, krank zu werden und das Image des Rauchens ist längst nicht mehr das eines erfolgreichen selbstbewussten und verantwortungsvollen Menschen, sondern: rauchen ist Drogensucht.
  • Alle pro “Argumente“ sind Ausreden, um das Rauchen zu rechtfertigen. Rauchen gibt nicht mehr Energie, oder Ausdauer sondern nimmt sie. Rauchen hindert an Aktivitäten, anstatt neue Möglichkeiten zu bieten.
  • Rauchen ist keine Konzentrationshilfe: ohne Zig. fällt es schwer, sich zu konzentrieren, weil man regelmäßig an Zig. denkt und rauchen muss. Nur Raucher_innen leiden an Entzugserscheinungen, Nichtraucher_innen nicht.
  • Da gesellige Anlässe für viele von uns den Anstoß zur 1. Zig. gaben, gelangen wir zur Überzeugung, wir könnten diese ohne Zigaretten nicht genießen: Unsinn! Tabak raubt Selbstvertrauen, Zig. sind bei geselligen Anlässen eher ein Hindernis. Der größte Stress: scheiße hier darf ich nicht rauchen! Falls doch: Man hält in der einen Hand den Drink, in der anderen die Zigarette; es wird versucht, Asche und den ständigen Fluss der Zig loszuwerden, dem Gegenüber keinen Rauch ins Gesicht zu blasen. Ich geh ja mit Leuten weg und treff mich mit ihnen, weil ich sie sehen möchte, nicht weil ich rauchen und / oder trinken muss.
  • ==> Nie wieder auch nur einen einzigen Zug!

5. Großartige Idee von John Oliver: Let’s make Jeff the Diseased Lung the new face of #Marlboro by getting #JeffWeCan to trend worldwide!

Hier ist die ganze Folge von Last Week Tonight mit John Oliver: Tobacco:


Punkte u.a. zusammen getragen aus:

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